Am 21. und 22. Juni 2016 hatte ich die große Ehre mit meinem Lusitanobuben Rufino aktiv bei einem Seminar mit Jean-François Pignon am Reithof Gebhard in Kirchehrenbach im schönen Franken teilzunehmen. Ich hatte bereits zwei mal die Chance gehabt, bei Seminaren in Salzburg Jean-François zu bewundern und habe bereits zwei Artikel über ihn und seine Arbeit verfasst. Insofern war mir seine Arbeit einigermaßen bekannt 🙂

Sandra Wirklich riesig gefreut habe ich mich aber, als er zu mir in der ersten Einheit sagte: „Du hast Dein Pferd sehr gut ausgebildet ohne es tot zu machen, ohne dass es gelangweilt ist und ohne, dass es das Interesse an dir verloren hat. Das findet man sehr selten.“ Diese Aussage hat mich echt RIESIG gefreut und war mit Sicherheit eines der größten Komplimente, die ich in meinem gesamten Leben erhalten habe 🙂

Was er damit meint ist, dass man es als professioneller Trainer (und manchmal auch als Pferdebesitzer) oft“übertreibt“. Man übt Lektionen und Trainingsinhalte zu oft und zu intensiv… Die Pferde spulen dann ein „Programm“ ab, machen aber nicht mehr mit Freude und einem „lebhaften, interessierten Ausdruck“ mit.

Langeweile im Pferdetraining ist das eine regelmäßig anzutreffende Problem. Mangelnde Sprachkompetenz des Menschen in „Pferdisch“ ein anderes häufiges Problem. Viele Menschen drücken sich unklar dem Pferd gegenüber aus. Beispielsweise schauen sie ihm ständig lange in die Augen.  Wenn ein Pferd ein anderes intensiv ansieht, heißt das aber auf Pferdisch: „Ich habe ein Problem mit Dir“ und der Dialog wird sich meist in einer aggressiven Konfrontation fortsetzen.

Für Jean-François ist es ganz wichtig, dass man ein konsequenter und „starker“ Herdenführer ist. Das heißt unter anderem, man kann den Individualabstand von sich zum Pferd jederzeit kontrollieren und das Pferd verhält sich respektvoll dem Zweibeiner gegenüber. Nur so kann sich das Pferd auch in schwierigen Situationen beim Menschen vertrauensvoll anlehnen und entspannen…

Wichtig ist es somit, dass man sein Pferd korrigiert, wenn es beispielsweise ungefragt dem Menschen zu nahe kommt oder auch respektlos am Zweibeiner „rumnaselt“ oder sogar mit der Lippe (oder schlimmer noch: mit den Zähnen) am Trainer knabbert. Auch das ungefragte Anknabbern von Strick oder Gerte unterbindet der französische Meister der Freiheitsdressur. Konsequenz wird bei ihm groß geschrieben und das fällt vielen Menschen sehr, sehr schwer…

Pignonkurs Bayern

Auch im fremden Stall und ungewohnter Reithalle mit vielen fremden Pferden und zahlreichen Zusehern rundherum hat sich mein ehemaliges Wildpferd  Rufino an meiner Seite vollkommen entspannt… Das hat mich wirklich riesig gefreut 🙂

Eine feine, angemessene Korrektur mit der Gerte ist keine Gewalt… Gewalt entsteht im Kopf des Menschen mit einer negativen Emotion

„Wenn ich ein Pferd mit der Gerte berühre, passiert dies ohne negative Emotion. Das Pferd akzeptiert diese Korrektur sofort und unsere Beziehung verschlechtert sich dadurch nicht , sondern ganz im Gegenteil: Das Pferd sieht, dass ich „stark“ bin und vertraut mir noch mehr. Die meisten Menschen schaffen es aber nicht, Pferde ohne  (negative) Emotion/aggressives Verhalten mit der Gerte zu korrigieren. Sie „strafen“ mit Aggression, Frust oder Ärger… DAS nennt man dann Gewalt und es ist nicht gut für die freundschaftliche Beziehung mit dem Pferd…“

Jean Francois Pignon Sandra Fencl_sigJa, seine Emotionen, aber auch seinen Körper unter Kontrolle zu haben lernen die Teilnehmer in diesem Seminar… Und wie schwer es ist, sich komplett auch in (neuen), ungewohnten Übungen und Bewegungsabläufen zu entspannen, habe ich am eigenen Leib schon früher miterlebt…

Um die Aufmerksamkeit seines Pferdes zu gewinnen, lehrt Jean-François die Übung „Flanke verteidigen“. Man fokussiert dabei auf die Flanke des Pferdes und „attackiert“ sie sozusagen zuerst mit dem eigenen Blick und – bei Nichtreaktion des Pferdes – mit Gerte. Genauso wie es Pferde untereinander machen, wenn sie ihren Rang festlegen (gerade von Hengsten kennt man dieses Verhalten in sehr auffälliger Form).

„Häufig denken die Leute, dass das eine gymnastische Übung ist oder eine Übung, die man regelmäßig trainiert. Aber im Endeffekt möchte man mit dieser Übung lediglich die Aufmerksamkeit des Pferdes gewinnen. Das ist der einzige Zweck“ erklärt der Franzose eindringlich.

Extrem wichtig dabei ist, dass man die Übung mit Entspannung ausführt und sobald das Pferd reagiert, dem Pferd eine Entspannungspause gönnt. So lernt das Pferd, dass es sich in der Nähe des Menschen loslassen kann und es wird sehr aufmerksam und interessiert am Zweibeiner.

Gerade aber diese tiefe Entspannung in Körper UND Geist fällt vielen Menschen sehr schwer. Teils weil sie zB durch tägliche Büroarbeit an einer verspannten Schulterregion und Blockaden entlang der Wirbelsäule leiden. Teils weil wir zu „verkopft“ sind und unsere alltäglichen Probleme, Ärgernisse und Sorgen nicht zuhause lassen können… Und unsere Pferde sind echte „Verspannung-Scanner“ und Psychologen gleichzeitig…. NICHTS, aber auch gar nichts bleibt ihnen verborgen…

„Wenn Du nicht bei Dir bist, solltest Du nicht mit Deinem Pferd arbeiten. Das funktioniert nicht und frustriert beide Seiten nur“, bestätigt Jean-François meine persönliche Erfahrung aus der Praxis. Ich mache in meinem Seminaren – egal ob Sitzkurs, Bodenarbeitskurs oder Gangpferdeseminar auch regelmäßig bewusstseinslenkende Übungen, Atem- und Entspannungseinheiten. Denn je stiller wir im Geist sind, desto mehr wollen Pferde bei uns sein und desto besser können wir ihre sehr subtile Sprache wahrnehmen und selbst annehmen…

Nur wenn Du Dich selber entspannst, kann sich Dein Pferd bei Dir entspannen, wohl fühlen und somit gern mit Dir arbeiten!

Nur wenn Du Dich selber entspannst, kann sich Dein Pferd bei Dir entspannen, wohl fühlen und somit gern mit Dir arbeiten! Shirt sponsored by http://www.caballo-clasico.de

Wenn man die Aufmerksamkeit seines Pferdes gewonnen hat und ein grundsätzlich gutes Vertrauens- und Respektverhältnis besteht, dann kann man sein Pferd „zum Spielen einladen“. Dies geschieht über die „Rechts-Links-Schulter-Übung“. Das Pferd weicht hierbei NICHT der Gerte aus, sondern tritt aktiv auf die Gerte zu. Genauso wie wenn ein Wallach ein anderes Pferd zum Spiel auffordert…

Rufino hat diese Übung verstanden und reagiert sogar mit Schulterhebung auf meine Spieleinladung. Wichtig dabei ist auch hier, dass man eine entspannte Atmosphäre erhält und die innere Freude am Spiel dem Pferd auch ehrlich vorleben kann.

Sandra Fencl Jean Francois Pignon FreiarbeitWenn diese Übungen gut klappen, dann ist das Pferd für die Freiarbeit bereit….  Wer sich näher mit diesen Übungen, aber auch mit der Philosophie von dem Meister der Freiarbeit beschäftigen möchte, dem empfehle ich sein Buch „Un chemin vers la liberté“ empfehlen und seine DVDs. Die Gazelle-DVD ist wunderschön und wir haben sie uns beim Kurs alle zusammen abends angesehen.

Es war ein wirklich wunderbarer Abend und ich habe mit blendend mit Jean-François und seinen Freunden/Assistenten unterhalten (Gott sei dank kann ich fließend Französisch!!!). Auf der Website von  Jean-François Pignon könnt Ihr Bücher, DVDs etc bestellen (ggf. auch als Sammelbestellung, weil das Porto ist sauteuer): http://www.jfpignon.com/shop/

Ich hoffe, nächstes Jahr kann ich evt. gemeinsam mit dem deutschen Ansprechpartner für Kurse mit  Jean-François einen Termin erhaschen und ggf. ein Seminar in München mit ihm veranstalten 🙂 Wer hierfür unverbindlich Interesse hat, gern zu meinem kostenlosen Infoletter Gesundes Pferd anmelden (rechts in der Box oder Email an info@sandrafencl.com). Ich halte Euch dann auf dem Laufenden…

Mehr Fotos zum Seminar ganz bald auf meiner Fotografieseitehttps://www.facebook.com/SandraFenclPhotography.

Wenn die Beziehung mit dem Pferd passt und der gegenseitige Respekt vorhanden ist, dann kann man auch mal gemeinsam "Mähne kraulen".

Wenn die Beziehung mit dem Pferd passt und der gegenseitige Respekt vorhanden ist, dann kann man auch mal gemeinsam „Mähne kraulen“.

Für alle, die noch Bilder vom Seminar mit Jean-François bestellen wollen, einfach kurze Email an info@sandrafencl.com. Ich sende Euch natürlich kostenlos und unverbindlich eine Auswahl zu und Ihr bezahlt nur die Bilder, die Ihr haben wollt und selbst ausgesucht habt… Ich habe wirklich ganz viele wunderschöne Aufnahmen „nebenbei“ geschossen 🙂

Sobald ich Zeit habe, werde ich noch einen weiteren Bericht zu diesem wunderbaren Kurs und den vielen, tollen Impressionen, Zitaten und Weisheiten, die ich mitnehmen konnte, verfassen. VIELEN DANK an dieser Stelle nochmals an das Organisationsteam und dem Reithof Gebhard. Ich habe mich wirklich WAHNSINNIG gefreut, dass ich aktiv dabei sein durfte 🙂

Hier noch ein Bild von der tollen abendlichen Vorführung, die Jean-François mit seinen Pferden auf der Koppel veranstaltet hat, oder: „ein Spiel unter Freunden“… einfach großartig!!!

Bis bald, Eure total begeisterte Sandra 🙂

jean_francois_Pignon_Sandra_Fencl Fotos

 

… und was ist die BASIS der Pferdemotivation?

 

Letzte Woche in meinem Abendseminar „Motiviere Dein Pferd“ hat mich eine Seminarteilnehmerin gefragt, „wie erkenne ich ein wirklich motiviertes Pferd„? Und ich finde das eine spannende Frage und möchte ihr deshalb einen Blogbeitrag widmen. Generell können wir uns an der AIDA-Formel aus der Werbebranche orientieren (ja, manchmal merkt man eben doch, dass ich Marketing studiert habe…).

 

A = Attention
Das Erste, das ich für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd benötige, ist überhaupt die AUFMERKSAMKEIT meines (Trainings-)Pferdes. Wenn ich meinem Pferd total egal bin, dann wird es keine gute Möglichkeit der Zusammenarbeit geben. Ich muss also dem Pferd erst einmal bewusst machen, dass ich da bin. Das kann man zB durch schnelle Richtungswechsel im Roundpen erarbeiten. So nimmt das Pferd uns als Person wahr.

Motivation Pferd

 

I = Interest
Wenn Dein Pferd Dich wahrgenommen hat, sollte es (ehrliches) INTERESSE zeigen. Es kommt dann mit vorgestreckter Nase auf Dich zu und interessiert sich für Dich. Wie Du riechst, wie Du aussiehst, welche Ausstrahlung Du hast. (Wusstest Du übrigens, dass Pferde am Geruch erkennen, ob Du Vegetarier bist oder nicht? Für ein Fluchttier auch nicht uninteressant als Erkenntnis…)

Pferdemotivation

 

D = Desire
Wenn diese erste Kontaktaufnahme positiv war, und Dein Pferd Dich als interessant und im Idealfall sogar „kompetent“ einstuft, dann wird es den WUNSCH (desire) haben, sich Dir anzuschließen. 

Sandra Fencl Pferdetherapie

 

A = Action
Aus dem Wunsch, bei Dir zu sein, folgt dann die logische AKTION, dass Dein Pferd Dir folgt. Klingt eigentlich einfach, oder? 🙂

Kompliment_Sandra_Fencl_sig

Manche Leute finden das komisch, dass sich Pferde dem körperlich unterlegenen Menschen anschließen. Aber genau so funktioniert eine Herde. Die Pferde schließen sich nicht unbedingt dem (körperlich) stärksten Mitglied an, sondern dem Pferd, das am souveränsten, kompetentestens und ruhigsten auftritt…

Pferde, die eine mentale Stärke besitzen und eine innere Ruhe und Kraft haben eine überlegene Ausstrahlung, und das LIEBEN Pferde – auch beim Menschen. Deshalb sind nicht die Menschen, die „sehr laut“ sind, ECHTE Pferdeflüsterer, sondern wie das Wort schon sagt, Menschen, die mit leisen Signalen, aber klarer, feiner und ruhiger Körpersprache arbeiten… Denn Pferde lesen uns ständig, jede Minute, jede Sekunden, in jedem Moment…

Um auf die Ursprungsfrage zurück zu kommen, wie erkenne ich motivierte Pferde? Die Antwort ist einfach: Motivierte Pferde sind Pferde, die ihren Menschen ständig lesen, sich auf ihn konzentrieren und wirklich aufmerksam ihm gegenüber sind (das erkennt man zB am Innenohr, das zum Menschen zeigt). Gleichzeitig ist es auch so, dass sie ständig bereit sind, den Anforderungen des Menschen nachzukommen und „ihm gefallen wollen“.

Auch wenn es „unübliche“ Anforderungen sind, wie zB ein Handpferdesprung über ein Hindernis, oder das Durchreiten von sehr unwegsamem Gelände oder Flüssen. Ein Pferd, das seinen Menschen respektiert als kompetente und souveräne Führungspersönlichkeit und ihm somit vertraut, wird versuchen, in jeder Situation sein Bestes zu geben… Das Pferd vertraut dem Menschen sprichwörtlich sein Leben an… und das mit FREUDE und einer positiven Ausstrahlung (keinem „toten“ oder gelangweilten Ausdruck).

Handpferdereiten kann einem unerfahrenem Pferd zu mehr Sicherheit im Gelände verhelfen .12 (2)

Und das ist es, was Reiten für mich WIRKLICH sicher macht. Ein Pferd, auf das ich mich verlassen kann. Das immer bei mir als Reiterin nachfragt, „Frauchen, was machen wir jetzt?“ – auch in Situationen, die ggf. sehr ungewohnt (und damit ggf. sogar gefährlich) sein können…

Deshalb liegt mir viel daran, Pferde vielseitig auszubilden und ihnen zu zeigen, dass sie mir – in jeder Sekunde, in jeder noch so „komischen“ Situationen – vertrauen können. Und das gelingt nicht durch Dominanz, sondern durch gegenseitigen Respekt und einem partnerschaftlichen Umgang auf Augenhöhe. Denn wie heißt es so schön: „Die einzige Sicherheit im Leben, ist die Unsicherheit.

Alles Liebe,
Eure Sandra

motiviertes Pferd

PS: Ein einfaches Erkennungsmerkmal, ob ein Pferd WIRKLICH vertraut, ist, wie es in Stress-Situationen reagiert: Läuft es bei Stress davon oder läuft es, wenn es Angst hat, zu Dir her?

PPS: In diesem Video zeige ich auch noch mal in Wort und Bild wichtige Erkennungsmerkmale von motivierten Pferden. Viel Spaß beim Ansehen 🙂

 

Im Mai 2015 war ich gemeinsam mit anderen Bloggern aus dem Pferdebereich zur Morgenarbeit von Anja Beran am Gut Rosenhof  geladen… (Genauer Bericht folgt)! Es war wirklich sehr nett und die Stimmung unter uns war extrem fröhlich und ausgelassen. So weit, so gut.

Ich hab mich aber nicht nur mit den anderen Bloggerdamen, Anja Beran, ihren Angestellten usw. unterhalten, sondern auch rechts und links mit anderen Zusehern (ja, ich bin sehr kommunikativ! Wer mich kennt, weiß das!)…

Echt interessant fand ich folgende  Feststellung einer jungen Dame: „Ich komme SO gern zu der Morgenarbeit bei Anja Beran. Die Stimmung in der Reithalle ist ein bisschen wie die Atmosphäre in einer Kirche für mich. Diese innere Ruhe, dieser Frieden, der in den Menschen und Tieren wohnt, er macht mich glücklich.“ Schön gesagt, oder?

Lipizzaner Favory Toscana in der gestreckten Passage.

Lipizzaner Favory Toscana in der gestreckten Passage.

Eine andere Zuseherin meinte: „Wenn ich bei Anja zugesehen habe, fahre ich immer sofort heim, und reite mein Pferd. Es geht dann immer viel besser und wir reiten viel mehr als Einheit und in Harmonie. Komisch ist das, aber irgendwie verbessert das Zusehen bei Anja Beran immer mein eigenes Reiten.“

Komisch? Nein. Denn tatsächlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass wenn wir anderen Menschen beim Sport zusehen, wir dieselben Muskeln aktivieren wie sie. Wir reiten quasi mit 🙂 Und insofern ist es tatsächlich wie ein kleines Training für uns, denn wir sozusagen mitreiten mit Anja (und ACHTUNG, die Morgenarbeit ist echt gut  leistbar für „Reiten mit Anja Beran“, hihi…).

Theorieunterricht bei Anja Beran

Theorieunterricht bei Anja Beran

Und außerdem schulen wir natürlich unser theoretisches Verständnis, warum Pferdetraining wie auszusehen hat. In der Morgenarbeit erläutert Anja anhand von verschiedensten Pferden und unterschiedlichsten Ausbildungsstufen „ihren Weg“ der Pferdeausbildung und wichtige theoretische Grundsätze des Pferdetrainings.

Lipizzaner Super in der Piaffe unter Vera Munderloh.Und drittens und für mich ganz besonders wichtig: Wir schulen und stärken unser inneres Bild. Eine schöne Piaffe, ein ausdrucksstarker spanischer Schritt, ein runder, schön versammelter Galopp… Alle Augen sind mit Entzückung auf die Pferde und schön sitzenden Reiter gerichtet…

Für mich ist es extrem wichtig, ein KLARES, INNERES BILD zu haben, von jeder Lektion, von jeder Gangart, von jedem Moment des Reitens… Nur wenn ICH MIR im Klaren bin, wie etwas auszusehen hat, kann ich meinem Pferd ein klares, inneres Bild „schicken“ (und als Ausbilder, es meinem Schüler klar vermitteln).

Nur so wird langfristig Reiten schön und konstant, und nicht ein „Zufallsprodukt“, einmal gelingt eine Lektion, einmal nicht…. ->>> Siehe auch mein Blogbeitrag: Warum ein klares, inneres Bild beim Reiten so wichtig ist

Anja Beran und Vera Munderloh sind seit vielen Jahren ein eingespieltes Team.

Anja Beran und Vera Munderloh sind seit vielen Jahren ein eingespieltes Team.

In diesem Sinne, wer noch nichts vor hat morgen, am besten gleich vorbei schauen. Die beiden letzten Termine der Morgenarbeit bei Anja Beran sind nämlich:

6. September 2015 und

4. Oktober 2015

Bin gespannt, was Ihr sagt 🙂
Euch allen in jedem Fall ein schönes Wochenende!

Eure Sandra


rufino lkw
Heute möchte ich mich mal dem Thema „dem Pferd Sicherheit geben“ annehmen. Immer wieder sehe ich in der Praxis, dass das eines der größten Themen (und Probleme?) in der Pferdewelt ist. Warum ist das so? Und was sind wichtige Gedanken dazu?

Das Pferd ist ein Fluchttier -> ok, das wissen wir sicherlich alle. Aber ich denke, manchen Leuten ist NICHT bewusst, was das für die Pferd-Mensch-Beziehung bedeutet… Wenn wir uns mit unserem Pferd beschäftigen, dann sind in dem Fall (und besonders, wenn wir allein im Gelände oder Reitbahn sind), sind wir sein „Herdenersatz“.

Handpferdereiten kann einem unerfahrenem Pferd zu mehr Sicherheit im Gelände verhelfen .12 (2)Das heißt, es muss sich auf UNS verlassen können, dass wir kompetent auch schwierige/gefährliche/für das Pferd angsteinflößende  Situationen souverän und ruhig meistern… Nur dann reagiert ein Pferd in schwierigen Situationen SICHER und berechenbar, und nur dann ist das Pferd auch für UNS sicher…

Ich weiß, manche Leute denken manchmal, wenn ich mit meinen Pferden unterwegs bin: „Die spinnt“, weil ich mir überhaupt keine Sorgen mache in vielen – für andere Menschen „schwierigen“ –  Situationen…

Beispielsweise war im August beim Trainer Klassisch-Barock in Heist bei Hamburg (Detailbericht folgt!!!).

Schlappe 1.200 km hatten mein Pferd und ich zu bewältigen (einfache Strecke). LANGE hab ich überlegt, ob ich ihn besser mit dem LKW schicke als allein im „normalen“ Hänger zu fahren. Aber ich hab mich dagegen entschieden. Warum?

Weil ich weiß, dass mein Großer sich sicherer fühlt, wenn er weiß, dass ich vorne im Skoda sitze… (und mein Auto und unseren Hänger erkennt er blind…) Im LKW hätte er nicht gewusst, wo ich bin und das hätte ihn verunsichert (und ein verunsichertes Stierkampfpferd ist nicht gut…).

Und die Entscheidung war richtig, weil er war VÖLLIG entspannt. Ich hab ihn 2 x pro Fahrt ausgeladen und war jeweils über 1 Stunde mit ihm spazieren, grasen an der Hand, und es gab tolle Bio-Zusatzfutter zur (Muskel-)Entspannung und kurze Lockerungsmassagen (weitere Tipps beim Thema „Entspanntes Hängerfahren mit Pferd).

20150730_073124Zu meiner eigenen Sicherheit (und inneren Ruhe) bin ich übrigens das erste Mal mit Anhänger-Kamera gefahren -> eine meiner besten Entscheidungen meines Lebens! Der Testbericht zur Hängerkamera folgt übrigens in Kürze 🙂

Auch auf Autobahnparkplätzen war er völlig ruhig und gelassen (wollte aber ganz dicht in meiner Nähe sein)… Wenn Du es geschafft habt, dass Dein Pferd sich in Deiner Nähe WIRKLICH sicher fühlt, dann hat Dein vierbeiniger Freund bei Gefahr überhaupt nicht die Idee, von Dir WEGZULAUFEN. Ganz im Gegenteil, wenn es sich unsicher fühlt, wird es zu Dir herkommen/sich annähern (dich jedoch niemals umrennen). Aber das tut es nur, wenn Du eine (gesicherte) Mitte hast (so nenne ich das immer)… 20150730_195741

Wenn nicht, bist Du für das Pferd „nicht kompetent“ und es wird entweder ein anderes, sicheres Pferd (wenn vorhanden) suchen, und an ihm „kleben“ oder aber versuchen, so schnell wie möglich heimzukommen in den Schutz seiner Herde… (Das ist übrigens auch die Erklärung für alle, die Probleme mit „Klebern“ haben, also Pferden, die sich schlecht von der Herde trennen lassen… Gib ihnen einen kompetenten, „geerdeten“ Reiter und sie werden gern allein ausreiten gehen…).

Hier auf dem Bild mit den LKWs fragt Rufino gerade: „Frauchen, haben wir alles unter Kontrolle?“ Und ich „antworte“ ihm: „Ja, alles bestens“. Und er entspannt sich wieder und senkt den Kopf 🙂

Ich kenne meine Pferde und weiß genau, wann sie Stress bekommen. Mein Lusitano war ein sehr ängstliches Pferd, als ich ihn bekommen habe, weil er kannte nichts (außer riesige Koppeln). Er hatte Angst vor allem, vor Menschen sowieso, aber auch vor eigentlich „normalen Dingen“ wie Bäumen… Ich habe Dinge mit ihm erlebt, die ich KEINEM Pferdefreund wünschen würde. Aber ich habe von ihm so viel gelernt, unter anderem:

Sicher ist ein Pferd nur, wenn es dir völlig vertraut und DU SELBST DIR DEINER SACHE SICHER BIST… ansonsten wird es mit dem Fluchttier Pferd immer gefährlich/nicht berechenbar/risikoreich bleiben… und das fängt beim Führen schon an…

20150816_150202Auf der Heimfahrt sind wir dann durch Ostdeutschland gefahren, weil es auf der normalen Route wieder Megastau gab  (auch das wünsche ich keinem Pferdebesitzer bei über 1.000 km Fahrtstrecke…). Aber gut, frau muss das Leben nehmen, wie es ist, und alles Schlechte hat auch sein Gutes 🙂 Und so haben Rufino und ich Ostdeutschland bei unseren Pausen erkundet und waren beide BEGEISTERT, wie schön es da ist.

Da gibt es wunderschöne alte Gebäude (die aber tw. leider verfallen), riesige, alte Bäume, total urige Landschaften, und Streuobst, das wir gemeinsam essen und sogar sammeln durften (danke noch mal an die lieben Leute!!!).

20150816_150053Ja, die Fahrt war ein Erlebnis. Aber genau solche gemeinsamen Erlebnisse (und kleine Abenteuer) bringen Dein Pferd und Dich einander näher und machen Euch zu einem ECHTEN Team…

Wie man seinem Pferd (noch mehr) Sicherheit gibt, das möchte ich Dir in meinem nächsten Blogbeitrag erläutern… Also schau gern mal wieder vorbei 🙂

Knien

Deine Sandra und Rufino 🙂

PS: Gern auch teilen, ich freu mich, wenn ich den einen oder anderen Pferdefreund zum Nachdenken anregen kann…

PPS: Unbedingt auch RECHTS zu meinem kostenlosen Infoletter „Gesundes Pferd“ anmelden, dann erhälst Du alle ca. 6 Wochen tolle Tipps, Infos, Berichte und Kursinfos per Email!

PPPS: Foto von http://barockpinto.com/

 

 

 

Praxisbeispiel Nummer zwei: Mein Pferd Bangsi:

Alle meine „eigenen“ Privatpferde (= Pferde, die ich (fast) ausschließlich selber trainiere) lernen, frei zu stehen. Freies Stehen = unangebundenes Stehen von Pferden hat viele Vorteile und ist für mich sicherer, als ein Pferd immer fest anhängen zu müssen. Und ja, Pferde können erstaunlich lang frei stehen, wenn man es gut übt. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass JEDES Pferd (auch kleine Kugelfischponies – ich hab auch so eines) können mit entsprechender Konsequenz und positiver Bestärkung lernen, frei AUF GRAS zu stehen. Mit Sicherheit – aber es dauert 😉

 

In jedem Fall ist Bangsi ja schon einer unserer älteren Exemplare (29. Lebensjahr) und war schon früher, als ich noch richtig viel Reitunterricht gegeben habe und auch Ausritte geführt habe, im Einsatz. Auch da hab ich ihn gesattelt, getrenst und dann stand er frei im Paddock und hat gewartet, bis alle anderen Reitschüler auch ihre Pferde fertig hatten für den gemeinsamen Ausritt.

Eines Tages wollte es der Zufall, dass es ihm – aufgetrenst – hinter dem Ohr juckte. Bangsi trägt keinen Nasenriemen und keinen Stirnriemen, lediglich ein kleiner, sehr loser Kehlriemen ist auf seinem Zaum drauf. Er kratzt sich also an einem Torpfosten (wo er frei steht) hinter dem juckendem Ohr und ZACK – sein Zaumzeug fällt auf dem Boden. Im ersten Moment gab es einen kurzen Verwunderungsblick, im zweiten Moment setzte er ein großes Grinsen auf (JA, meine Pferde können GRINSEN, und jeder der es nicht glaubt, kann gern vorbei kommen und sich selbst „live“ überzeugen…). Übrigens sogar unser Hund kann grinsen – das macht manchen Leuten aber Angst, weil man dann alle ihre langen Eckzähne sieht.

Zurück zu Bangsi: Ich erkenne den „Ernst der Lage“ und denke: „Einfach ignorieren, damit er es hoffentlich nicht abspeichert.“ Ich gehe zu ihm und mach ihm kommentarlos das Zaumzeug wieder drauf. Ich drehe mich um und gehe in die 3 Meter entfernte Sattelkammer. Als ich sie betrete, höre ich wieder ein kleines Klatschgeräusch und sehe durch die Holzbalken, dass Bangsi sehr wohl etwas Neues  gelernt hat und versteht: „Wenn ich mich so hinter dem Ohr kratze, dann fällt das komische Zaumzeug lustig auf den Boden.“

Er fand es seeeeeehr witzig, ich weniger…. Zu meinem Kummer hat er das Zaumzeug-Abwerfen fast ein halbes Jahr immer wieder – wenn ihm grad fad war – mit Freuden praktiziert, und das manchmal sogar mehrfach vor dem Losreiten… und ich hab jedes Mal geschimpft und er hat jedes Mal gegrinst… und irgendwann hat er aufgehört damit und dann gab es ein Keks und wir konnten es „speichern“, dass Zaumzeug drauf besser ist als Zaumzeug unten… Aber bei Schelmenponies dauert das manchmal etwas länger, aber GOTT SEI DANK ist er wieder der „Alte“!

Bis bald,

Bangsi und Sandra 🙂

PS: Hier ist der Link zu „Können Pferde logisch denken?“ Teil 1

PPS: Vielleicht mach ich für www.pferdeinsider.com mal ein Lehrvideo: „So lerne ich meinem Pferd geduldiges, freies Stehen.“ Wäre das interessant für Euch? Ich freu mich auf Eure Rückmeldungen!

Immer wieder höre und lese ich, dass Pferde nicht logisch denken können. Und immer wieder bin ich anderer Meinung. Ich will Euch mal ein paar Beispiele aus meiner Erfahrung nennen, die wahr sind und nicht erfunden, damit ihr mal über dieses – meiner Meinung nach – althergebrachte, falsche Statement eine ggf. neue Meinung bilden könnt:

Beispiel Nummer 1 – Ponytherapie in Bayern:

Letzte Woche war ich in Bayern bei einer lieben Kundin, die einen sehr süssen Ponyhof betreibt. Ich bin dort immer wieder mal, weil sie regelmäßig arme Ponies vorm Schlachter rettet und wir dann gemeinsam die Kleinen erst einmal „aufpäppeln“ und auf einen besseren Gesundheitszustand bringen. So hab ich auch mal eines ihrer ganz kleinen Shetties behandelt, der an Hufrehe und Stoffwechselproblemen litt. Die Behandlung schlug sehr gut an und der kleine Ponymann war innerhalb kürzester Zeit wieder fit, unauffällig und lauffreudig (ich hab leider kein Bild von ihm, aber er sieht so ähnlich aus wie das Pony auf dem Foto).

Als er mich gestern gesehen hat, kam mir gleich ein Strahlen in seinem Gesicht entgegen (das ist fast, wie wenn jemand einen Scheinwerfer auf der Bühne auf dich richtet.) In diesem Moment kannst Du als Gesundheitsexpertin mit Sicherheit sagen: a) Dieses Tier hat mich wiedererkannt, und b) diesem Vierbeiner konnte ich das letzte Mal helfen und er hat mich in guter Erinnerung behalten :). Das sind die Momente wo ich mich wirklich aus tiefstem Herzen freue…

Dann ist dem kleinen Wallach scheinbar eingefallen, dass ich ja nur zu „armen“ Ponies komme, um zu behandeln. Daraufhin hat er sein Strahle-Grinsen abgestellt und arm drein geschaut und ist demonstrativ herumgehumpelt.

Ich sag daraufhin zu meiner Kundin: „Ohje, dem kleinen XY (er bleibt anonym!) geht es aber nicht gut.“ Sie erwidert: „Waaaaaas? Das kann gar nicht sein! Der läuft mit Begeisterung im Galopp auch zwei Ausritte hintereinander, gerade heute auch!!!“ Feststellung von uns beiden: Er simuliert und möchte behandelt werden.

Übrigens hat er den ganzen Nachmittag damit verbracht, uns bei den Behandlungen von anderen Ponies von der anderen Seite des Zaunes aus zuzusehen und zu warten, bis er endlich geholt wird. Es hat ausgesehen, als wolle er mich hypnotisieren, dass ich ihn endlich raushole, weil er doch auch UNBEDINGT eine Massage oder ähnliches bräuchte…. Ok, manche mögen sagen: Einbildung. Meine Kundin und ich sind uns sicher, dass NICHT.

Nächste Woche gibt es das nächste Beispiel aus der Praxis… Ich bin auf Euer Feedback gespannt 🙂

Liebe Grüsse,

Eure Sandra

 

Letztes Wochenende hatte ich ein sehr schönes, amüsantes und lehrreiches Seminarwochenende bei Bent Branderup. Nachdem mein Lusitano sich kurzfristig auf der Koppel „zerstört“ hatte (keine Angst, er läuft schon wieder), bin ich mit meinem ziemlich untrainierten Ersatzpferd Bangsi, 28 Jahre und kein bisschen alt, erschienen…

Im Training bei Bent Branderup

Im Training bei Bent Branderup

Es waren wirklich tolle zwei Tage, und Bangsi und ich haben uns sehr amüsiert und er hat seine Sache wirklich gut gemacht 🙂 Aber was ich als Thema mal aus diesem Wochenende rausnehmen möchte, ist, eine Theorieeinheit, die Bent vorgetragen hat. Dabei ging es unter andere um die richtige Lernpsychologie und Didaktik im Pferdetraining. Womit Herr Branderup sicherlich Recht hat, sind die Grundvorrausetzungen oder Kerneigenschaften eines Pferdetrainers.

1. Sympathie: Der Trainer muss Sympathie ausstrahlen, nur so werden seine Schüler gern und mit Freude lernen. (Auch) Pferde reagieren extrem auf Schwingungen, und damit auch auf eine positive Ausstrahlung und „echte Freude“ beim Lernen. Wenn man ein Tier nicht mag, ist es sehr schwierig, ihm was beizubringen und es „von Herzen“ zu loben bei einer Sache, die gelingt.

2. Respekt: Ohne Respekt kein Vertrauen, denn nur wenn man jemanden respektiert, wird man ihm in schwierigen Situationen (Fluchtmomenten) vertrauen und seine Entscheidungen akzeptieren. Ich denke, das ist der „Knackpunkt“ bei ganz vielen Pferd-Mensch-Beziehungen. Viele Pferde mögen ihre Menschen, aber „wenn es darauf ankommt“, entscheiden sie selbst, ob sie zB flüchten.

Respekt kommt aber nicht von Gewalt oder übertriebender Dominanz. Respekt hat man vielmehr vor jemandem, der „weise“ ist, erfahren, intelligent und souverän agiert. Wir sehen auch zu Menschen auf, die viel wissen und/oder viel können und drücken durch Respekt unsere Anerkennung aus und lernen GERNE von solchen „Professoren“. Pferden geht es genauso. Für sie als Fluchttiere ist es aber umso wichtiger, genau zu selektionieren, wem sie vertrauen können und damit ihr Leben in diese vertrauensvolle Person (bzw. Leitstute) legen…

Pferdetraining Sandra Fencl

Nur ein Pferd, das uns als Lehrer annimmt und vertraut, kann sich psychisch und physisch „völlig loslassen“.

Hand aufs Herz, überlege mal, ob Du im Pferdetraining immer „der Lehrer“ bist, der seinem Pferdeschüler etwas souverän beibringen kann… Oder hast Du auch manchmal Zweifel und Dein Pferd merkt das? Nur wenn wir selbst ein sympathischer Lehrer sind und genau wissen, was der nächste Schritt ist, wird uns unser Pferd auch als solchen sehen, respektieren und mit Freuden lernen WOLLEN.

Denn das ist es, was wichtig wäre… Ein Lernklima zu schaffen, wo Pferde WIRKLICH lernen können und wollen. Erst wenn sie eine Lektion ausgeführt haben und dann uns freudig entgegenstrahlen mit der Frage: „War das richtig, hab ich das gut gemacht?“ – dann sind wir auf dem richtigen Weg zu gemeinsamen, erfolgreichen und durch Freude und Begeisterung geprägtem Lernen…

In diesem Sinne – eine schöne erste Adventwoche und vielen Dank noch mal an Bent Branderup für ein sehr interessantes und amüsantes Wochenende,

Eure Sandra

Im Interview mit Jean-François Pignon

Im Interview mit Jean-François Pignon

Immer wieder gibt es unter Pferdefreunden relativ hitzige Diskussionen, ob man einem Pferd Futter als Lob anbieten soll oder nicht. Für mich ist die Antwort ganz klar: Jein! Ich persönlich bin der selben Meinung wie Jean-François Pignon, der sagt: „Ich möchte, dass mich Pferde als ihre Freunde und als ihren Anführer sehen, nicht als lebende Keks-Box oder Karottenmaschine“.

Ich hatte ja das große Glück, bei mehreren Seminaren dabei zu sein und auch persönliche Interviews (für meine journalistische Tätigkeit) zu führen. Ich finde die Beziehung von JeanFrançois zu seinen Pferden echt „magisch“. Die Tiere arbeiten unglaublich gern mit ihm und sind auch in völlig fremder Umgebung total entspannt. Übrigens ist diese Form der Freiarbeit für Pferde auch nicht wirklich anstrengend, weil sie einfach nur das natürliche Herdenleben und Herdenverhalten von Pferden imitiert. Deshalb macht er auch mit halbjährigen Jungpferden bereits kurze Sequenzen in spielerischer Form.

Hier ein Video von einem der Seminare, bei denen ich auch war:

Ich persönlich verwende Futterlob immer individuell vom Pferd, von der Situation & Aufgabe und vom Ausbildungsstand abhängig. Ich werde aber im Laufe einer Ausbildung immer „geiziger“ mit Futterlob, weil ich wie gesagt es als – zumindest für mich und meine Philosophie – wünschenswert erachte, wenn sich Pferde einfach auf unser gemeinsames Training freuen, weil wir gemeinsam Spass haben und „Action erleben“. Nicht, weil sie glauben, ich hätte ein Leckerli für sie in meiner Tasche.

zirzensischen Lektionen

Futterlob bei zirzensischen Lektionen

In manchen Fällen verwende ich jedoch ganz gezielt auch mal Leckerlis im Pferdetraining:

1. Bei Pferden, die sich (meist am Anfang der Ausbildung) sehr schwer tun und nur langsam lernen, um das Lernen zu unterstützen.

2. Bei sehr schwierigen Lektionen oder aussergewöhnlichen Leistungen als besondere Anerkennung.

3. Bei Lektionen, wo ich gezielt bestimmte, sehr koordinierte oder komplexe Bewegungsabläufe trainieren will bzw. das „Ausharren“ in einer bestimmten Haltung abfrage – wie beispielsweise bei Zirkuslektionen am Anfang der Ausbildung.

4. Bei sehr gestressten und nervösen Pferden – um sie vom „Stressmodus“ (Sympathikus = Flucht- oder Kampfmodus) in den Verdauungs- und Entspannungsmodus (Parasympathikusmodus) durch das Kauen und Fressen zu bekommen.

Viele Pferde bekommen bei mir ganz selten bis kaum Futterlob und trotzdem (oder gerade deshalb?) arbeiten sie äusserst konzentriert und mit Begeisterung mit. Bei manchen Pferden habe ich das Gefühl, dass Futterlob eher ablenkt und so nicht unbedingt zum systematischen Trainingsfortschritt verhilft.

Auch bei frechen Pferden bin ich sehr sparsam mit Futterlob (oder gebe häufig gar nichts aus der Hand). Natürlich kann man bei allen Pferden an der Futtermarnier arbeiten, aber ich habe so viele Pferde schon problemlos mit wenig oder keinen Keksen ausgebildet, dass ich es einfach nicht für nötig erachte.

Futterlob im Pferdetraining ist - meiner Meinung nach - nicht immer beziehungsförderlich.

Futterlob im Pferdetraining ist – meiner Meinung nach – nicht immer beziehungsförderlich.

Denn in schwierigen Situationen trennt sich manchmal „die Spreu vom Weizen“. Und ich habe schon oft miterlebt bei externen Seminaren oder Veranstaltungen, dass meine eigenen Pferde wirklich brav, solide und mit Freude mit mir gearbeitet haben, während Pferde von anderen Pferdebesitzern sofort keine Motivation mehr hatten, als sie gemerkt haben, dass der Leckerlivorrat leer ist.

Arbeit ausschließlich gegen Futterlob ist nicht mein System. Ich möchte, dass Pferde „für mich“ Leistung erbringen und sie ein ECHTES Interesse an mir haben. Ich biete ihnen im Gegenzug Sicherheit und Entspannung (und das ist für ein Fluchtpferd schon viel!) und wir uns gemeinsam über gut gelungene Leistungen erfreuen, dann braucht es auch langfristig kein Leckerli, sondern einfach nur die gegenseitige Freude beim Training als Motivator.

Ich freu mich über Kommentare, Meinungen und Erfahrungen zum Thema Futterlob beim Pferd!

Liebe Grüsse,
Eure Sandra

Heute möchte ich Euch mal ein Beispiel geben, wie man in kleinen, „pferdelogischen“ Schritten einem Pferd etwas bei bringt. Häufig ist im Pferdetraining meiner Meinung nach das Problem da, dass man zu schnell zu viel von einem Pferd verlangt. Daraus ergibt sich Frustration auf beiden Seiten. Der alte  Reitmeister Nuno Oliviera hat immer gesagt: „Vorbereiten und geschehen lassen.“ Und das ist die richtige Vorgehensweise meiner Meinung nach 🙂

Hier also zum Beispiel. Ich bin ja mittlerweile ein großer Fan von „Gymnastischen Zirkuslektionen“. Ich sehe ihren Mehrwert sowohl in einer besseren Balance, Geschmeidigkeit und Körpergefühl, als auch in einem besseren Lernverständnis des Pferdes und auch in einer motivationssteigernden Komponente. Warum Zirzensik sinnvoll ist, verrate ich Euch hier in diesem Video:

bzw. könnt Ihr Euch auch das Interview mit der Begründerin der Zirzensischen Gymnastik Eva Wiemers und mir ansehen: (ab Minute 7:30, aber das ganze Video ist lustig :))

So, nun aber zur beispielhaften Vorgehensweise:
Ich habe mit meinem Lusitano Rufino das Kompliment geübt. Anfangs hab ich ihm noch mit der Hand geholfen, das Bein richtig zu platzieren, mittlerweile macht er es ganz allein 🙂Zirzensik Pferd

Nachdem das ganz gut klappt, bin ich den nächsten Schritt gegangen und hab einen Reiter (meine Praktikantin Jenny) drauf gesetzt.

Zirzensik Pferd

Und der dritte und letzte Schritt war dann, dass ich selbst von oben das Kompliment mit Reiter abgefragt habe. Viele Pferde tun sich schwer, wenn ihr „gewohnter Trainer“ auf einmal von der Bildfläche verschwindet. Das ist auch beim Jungpferde-Anreiten so. Deshalb ist es meist besser, einen weniger bekannten Reiter auf das Jungpferd zu setzen und dass der dem Pferd bekannte Trainer immer noch für das Pferd „sichtbar“ ist…

Zirkuslektion Sandra Fencl

Gleich auf den ersten Versuch hat er ganz brav sein Kompliment ohne „Bodenhilfe“ ausgeführt. Für mich ein Zeichen, dass der Aufbau für ihn logisch und einfach war…

Daraufhin gabs natürlich ein Riesenlob und Kuschelsequenz, weil diese Übung ist schon nicht mehr ganz einfach 🙂 Aber mit diesem Beispiel will ich Euch zeigen, dass wenn man fürs Pferd logische (kleine) Trainingsschritte macht, dass sie normalerweise sehr gern Neues dazu lernen…

In diesem Sinne, frohes, gemeinsames Lernen 🙂
Eure Sandra

Sandra Fencl Pferdetraining

Vor kurzem war ich bei einem sehr interessanten Reitkurs mit Miguel Ralão Duarte (Trainer der portugiesischen Working Equitation Nationalmannschaft und selbst erfolgreicher Dressurreiter und Olympiateilnehmer). Er hat in diesem Seminar unter anderem mehrfach betont, dass man „jeden Schritt“ spüren, reiten und verbessern sollte und so positiv auf das Pferd einwirkt.

Sandra Fencl PferdeseminareWahrscheinlich ist dir das genauso klar wie mir, aber seit diesem Kurs ist mir aufgefallen, dass ich das vorher nicht immer getan hab… Weil da ist frau mal hier kurz in Gedanken oder überlegt die nächste Lektion oder ist in eine Bahnfigur vertieft. Aber WIRKLICH jeden Schritt aktiv herauszureiten, das ist ganz schön anstrengend – nicht körperlich, sondern von der Konzentration her…

Was genau heißt eigentlich „jeden Schritt rausreiten“???

Für mich heißt das „aktiv begleiten“, also mit dem Schenkel „in Fühlung“ am Pferdebauch sein, und wenn nötig, treiben (aber auf KEINEN FALL stupides, immer gleiches Rausquetschen von jedem Schritt).

Es heißt auch geschmeidig mit dem Reiterbecken die Rückenbewegung zu unterstützen und die Pferderumpf-Pendelbewegung einzutakten (denn jedes „natürlich schiefe“ Pferd pendelt in eine Richtung mehr als in die andere, achte da mal drauf!).

Und außerdem wenn nötig ggf. das eigene Gewicht bewußt einsetzen – zb leicht nach vorne verschieben um einen ggf. noch etwas festen Rücken zu entlasten und bewußtes Einsitzen (jedoch locker!), um die Hinterhand des Pferdes mehr zu trainieren.

Miguel Ralão Duarte - Reite Dein Pferd von hinten an die Hand heran...

Miguel Ralão Duarte – Reite Dein Pferd von hinten an die Hand heran…

Außerdem heißt es die Anlehnung zu erfühlen und zu kontrollieren/korrigieren und ggf. mittels feinem Abspielen die Losgelassenheit des Pferdes zu verbessern (jedoch niemals vergessen: Die stabile Anlehnung kommt nur von einem von „hinten nach vorn“ gerittenem Pferd mit aktiver Hinterhand!) UND ganz wichtig: Ggf. das Pferd loben bzw. mental unterstützen oder aufmuntern oder beruhigen – was auch immer grad nötig…

Tja, und das bei JEDEM Schritt… Denn so kann ein Pferd wirklich konstant (und relativ schnell) lernen und damit besser werden und im positiven Sinne TRAINIERT werden… Denn wie ich immer zu sagen pflege: „Alles ist Training.“

Das heißt, wenn ein Pferd erst einmal 50 Minuten mit feste Rücken und hocherhobenem Kopf durch die Bahn stürmt und sich dann irgendwann auch nur annähernd fallen lässt, dann trainieren wir ggf. 50 Minuten „negativ“ und nur noch die letzten 10 Minuten positiv – was den korrekten Trainingsfortschritt betrifft… Das kann natürlich schon mal vorkommen, aber wenn es „die Norm“ ist, dann sollte man sich ggf. andere Strategien überlegen, weil man so sehr schwer einen guten Trainingsfortschritt erarbeiten kann, weil die meiste Zeit einfach „Negativtraining“ stattfindet…

Das heißt jetzt nicht, dass man jedes Pferd von der ersten Minute weg „perfekt“ reiten muss. Denn schließlich muss (gerade ein Boxen-)Pferd auch erst einmal „warm“ und locker werden… Aber eine (genaue!) Überlegung ist es schon wert: Reite jeden Schritt und achte darauf, wie viel Zeit von Deiner Trainingseinheit wirklich POSITIVES Training ist, und wie viel neutral und wie viel ggf. sogar „negatives“ Training…

Was sagt Ihr zu diesem Thema? Ich freu mich über Euer Feedback!

Eure Sandra