Wie und wie gut sehen eigentlich Pferde?

Schon gewusst: Pferde sehen anders als Menschen – und es kommt deshalb oft zur Fehlkommunikation

Hast Du gewusst, dass Pferde ein ganz anderes Sehverhalten als Menschen haben?

Pferde haben einen – Beutetier-typischen-fast 360 Grad Rundumblick, im Gegensatz zum Raubtier Mensch, welches beide Augen frontal (auf seine Beute) ausgerichtet hat. Die Augen unserer Vierbeiner nehmen UNABHÄNGIG von einander (monokular) Bilder auf. Deshalb ist die Verknüpfung im Gehirn im Vergleich zum Menschen auch deutlich schlechter. Dies bedeutet, dass ein Pferd einen Gegenstand oder auch eine Lektion von jeder Seite oder jeder Hand bzw. mit jedem Auge „neu wahrnimmt“ und meist auch „neu lernen“ muss. Dies wissen viele Pferdebesitzer nicht und wundern sich, warum sich sich ihr Pferd erst am Heimweg vor einem Siloballen erschreckt, obwohl der am Hinweg auch schon da war. Oder aber warum sich ihr Hotti von rechts so schlecht führen lässt.Wir dürfen nie vergessen, dass unsere Vierbeiner jede Übung im Endeffekt von jeder Seite (meistens) neu lernen müssen!

Der Bereich, indem Pferde räumlich sehen können, liegt nur bei ca. 15 bis 20 Grad. Deshalb sollte man den Pferden, wenn sie etwas näher ansehen wollen, die Kopf-Hals-Freiheit gewähren, um den Gegenstand gut räumlich ansehen zu können.

Pferde sehen im Dunkeln deutlich besser als wir Menschen, und fühlen sich deshalb auch im Stockfinsteren wohl. Allerdings brauchen ihre Augen etwas länger, um sich von helle auf dunkle Bereiche umzustellen, also wenn man z.B. vom schattigen Wald in die pralle Sonne rausreitet oder von dem hellen Tageslicht in die dunkle Halle kommt, unbedingt dem Pferd (im Schritt) bisserl Zeit geben.  

Pferde sehen aber andererseits Farben schlechter als wir. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge müssten Pferde Rot gar nicht und grün schlecht (wohl als Grauschattierung) erkennen können. Am besten sehen Pferde gelb und blau.

► Und zu guter Letzt aber SEHR wichtig: Pferde sehen Bewegungen DEUTLICH besser als wir! Bereits eine kleine Maus, die sich kaum bewegt, erkennen Pferde sogar im hohen Gras anhand der veränderten Bewegung der Grashalme. WIR ABER NICHT! Und deshalb denken wir oft: „Was spinnt denn mein Pferd heute wieder rum?“ Dabei „spinnt“ es gar nicht, es sieht nur Bewegungen, die wir nicht sehen können… Ich finde, das ist wichtig zu wissen, damit man im Pferdetraining auch fair darauf reagieren bzw. sich darauf einstellen kann! 

Übrigens: Wenn auch Du durch mehr Pferdeverständnis und mehr Pferdewissen Dein Pferd zu einem echten Verlasspferd ausbilden möchtest, dann bist Du in meiner kleinen, aber feinen Online-Verlasspferdegruppe GENAU richtig 

Sehr gern geb ich Dir Bescheid, wenn der Kurs wieder startet 

Einfach Email an info@sandrafencl.com senden und ich informiere Dich unverbindlich, sobald es diesen tollen Onlinekurs wieder zu kaufen gibt (die Plätze sind streng limitiert!).
Deine Sandra

Neulich reite ich mit meiner Isländerstute Fjola und mit meinem Berittpferd Afra als Handpferd aus. Mittlerweile ist Afra ein sehr braves Handpferd und ist auch schon deutlich unerschrockener im Gelände. Auch die Kuhphobie haben wir schon sehr gut unter Kontrolle bekommen… Aber dieser Handpferde-Ausritt mit ihr ist anders. Denn das erste Mal sitzt eine Reiterin auf ihr drauf… Um genau zu sein: Ihre Besitzerin 🙂

Wenn es möglich ist, versuche ich bei Berittpferden so früh wie möglich die Besitzer ins tägliche Training zu integrieren. Das ist wichtig, damit auch sie (nicht nur ich) später mit dem Jungpferd gut zu recht kommen. Wir reiten also aus. Afra ist brav und entspannt und kümmert sich eigentlich gar nicht um ihr Frauchen im Rücken. Dann kommen wir an einer Rinderweide vorbei. Es sind ca. 30 (!!!) Rinder auf dieser Wiese.

Dank Handpferde-Training konnte Afra ihre Rinderphobie überwinden :)

Dank Handpferde-Training konnte Afra ihre Rinderphobie überwinden 🙂

Die Rinder sehen uns mit einem echten Kuhblick an und plötzlich laufen sie alle auf uns zu. ALLE!!! Das bedeutet 30 Rinder mit Glocken, die sich im Trab auf uns zu laufen… Ich schlucke gedanklich kurz, mein Jungpferd auch. Afra wird unsicher und wird langsamer und prustet schon bisserl aufgeregt lautstark durch die Nüstern. Mit scharfer Stimme spreche ich sie an: „Afra, vorwäääääääärts!!! Vorwärts!“. Sie gehorcht und entspannt sich. Ich bin zufrieden mit ihr und lobe sie daraufhin ausgiebig.

Danach erkläre ich der Besitzerin, dass es extrem wichtig ist, in etwas brenzligen Situationen ein unsicheres Pferd NICHT zu beschwichtigen. Du wirst jetzt vielleicht denken: „Warum ist es schlecht, ein unsicheres Pferd zu beschwichtigen?“ Das kann ich Dir genau sagen: „Weil es merkt, dass irgendetwas „gefährlich“ ist. Wenn Du aber – so wie ich in dieser Situation – eher „strenger“ mit dem Pferd bist, es also eher „scharf“ anredest (nicht zu verwechseln mit zB scharfem Gerteneinsatz), dass es sofort vorkommen soll, weil es zB langsamer geworden ist, dann hat es 1. gar nicht so viel Zeit, über die Rinderherde nachzudenken und 2. merkt es, dass ich „trotz Rinderherde“ ganz normal weiter reite und auch weiter korrigiere…

Ich verhalte mich also ganz natürlich, als ob da gar nichts wäre… Und so versteht das Jungpferd dann auch, dass ich mich so gar nicht um die Rinder kümmere. Denn ich korrigiere das Jungpferd wie gewohnt. Wenn man ein Jungpferd (oder auch ein „erwachsenes“ Pferd) in solchen Situationen großartig „betüddelt“ und beruhigen versucht, dann werden viele Pferde erst recht nervös, weil sie merken, irgendwas ist anders bzw. aufregend.

Sinnvoll ist es auch, ein Pferd zB beim Reiten mit Stellung oder Seitengängen zu beschäftigen und den Schenkelgehorsam sofort einzufordern. Auch dann vergessen viele Pferde total auf die ursprünglich „gefährliche“ Situation und konzentrieren sich auf ihre Lektion. So lernt ein junges Pferd von Anfang an auch in schwierigen Situationen zuzuhören, und somit gehorsam und kontrollierbar zu bleiben. Es ist aber wie alles wichtig, dies auch von Anfang an richtig und konsequent einzufordern 🙂

Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr – oder nur mehr schwer. Huch, das reimt sich sogar. 🙂 So, das waren meine kurzen, aber wie ich finde trotzdem wichtigen Gedanken zum Sonntag!

Den Ausbildungsweg von Afra gibt es übrigens demnächst auch als Onlinekurs zu bewundern… 🙂 Ich kann versprechen, diese Videoserie in meinem Verlasspferde-Onlineseminar wird interessant, lehrreich und auch amüsant werden! Denn Afra hat nicht nur eine lustige Trainerin, sondern hat immer auch die eine oder andere lustige Idee!

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In diesem Sinne einen schönen Sonntag wünschen

Afra und Sandra

Ich streife immer gerne mit meinen beiden Süßen durchs Gelände – und das häufig ausschließlich im Schritt! Schritt reiten empfinde ich als sehr, sehr wichtig, denn:

  • Schritttraining baut am besten die sogenannte Grundlagenkondition auf. Wenn Dein Pferd schnell außer Atem ist und viel schwitzt, dann solltest du mehr Schritt reiten!
  • Schritt ist die natürlichste Gangart! Das Fernwanderwild Pferd geht normalerweise 18 bis 30 km Schritt am Tag während seiner Nahrungssuche! Sein gesamter Stoffwechsel ist daher auf ein tägliches, hohes Schrittpensum ausgelegt! Schritt Reiten ist daher sehr gesund und auch für übergewichtige Pferde enorm wichtig. Zu dicke Pferde sehr gern auch als Handpferd gelenkschonend mitnehmen – wie das geht, erfährst du in meinem Verlasspferdekurs.
  • Beim Schritt reiten habe ich ZEIT! Ich kann ganz genau fühlen, wie sich mein Pferd bewegt:
    Pendelt der Rumpf abwechselnd im gleichen Maße nach rechts und links? Oder „hängt“ der Rumpf meines Pferdes aufgrund der natürlichen Schiefe auf eine Seite? Dann muss ich mit dem gleichseitigen Bein den Rumpf etwas „anschubsen“.
    Und bewegen sich die Beine meines Pferdes gleichmäßig? Oder fühlt sich ein Bein steif an? Ist z.B. eine Schulter überlastet oder schwingt ein Hinterbein weniger weit vor bzw. nimmt es weniger Last auf? Und wie ist die Stellung meines Pferdes? Schaut es immer in die gleiche Richtung oder ist das Genick locker und entspannt und gerade ausgerichtet?
  • Beim Schritt Reiten entspannen ich und meine Pferde immer sehr. Wir genießen die Landschaft und erfreuen uns als kleine Herde daran, gemeinsam neue Ecken zu erkunden.
    Das stärkt unsere Beziehung und macht Pferde zuverlässig – auch in ungewohnten Situationen.

Vielleicht baust du ja auch einen wöchentlichen Schrittausritt ein?
Ich wünsche Dir bzw. Euch ganz viel Spaß dabei! 🙂

Deine Sandra

 

Gedanken zum Sonntag: Warum Ecken reiten so wichtig ist 

Von einem sehr bekannten Ausbilder habe ich gelernt, warum das Ecken reiten (oder Ecken „langzügeln“) so wichtig und gleichzeitig so schwer ist.

Linien geben dem Pferd eine „Bedeutung“. Man lehrt dem Pferd, es konkret zu führen – am Bein (Innenschenkel), am Sitz. Pferde mögen als Beutetiere Ecken grundsätzlich nicht. Also meiden sie diese auch gern.

„Wenn wir als Reiter Pferde gut in die Ecken reiten können, dann können wir eigentlich ein Pferd überall hin reiten.“

:).

Und ich denke, er hat sehr Recht mit dieser Aussage. In der Reiterei fehlt es SEHR OFT an Präzision, an einem genauen inneren Bild und an Geduld und Konsequenz… Viel zu oft sind wir schlampig, viel zu oft sind wir nicht wirklich konzentriert und nicht „beim Pferd“.

Die Ecke kann uns mehr Konzentration und Genauigkeit schulen helfen. PLUS in der Ecke können wir lernen, weniger (oder keinen) Innenzügel zu verwenden und das Pferd über einen guten Sitz und Innenschenkel zu führen und damit die Balance zu verbessern und das innere Hinterbein des Pferdes zu gymnastizieren.

Klingt einfach und logisch, oder?

In der Umsetzung kann ich Euch aber sagen, ist es nicht ganz so einfach. Aber jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt und daher versuche doch mal, einen Schritt tiefer in die Ecke zu kommen. Auch wenn es anfangs ggf. schwer fällt (spätestens im Trab und Galopp), Du wirst merken, Dein Reiten wir SEHR davon profitieren und Dein Pferd wird feststellen, dass Du es „ernst“ meinst mit konkreten Linien und wird Dir nach und nach besser gehorchen, feiner reagieren und besser an Sitz und Schenkel sein!

In diesem Sinne:
Viel Spaß beim Ausreiten Eurer Ecken!
Eure Sandra

P.S.: Auch das Ausreiten der Ecken am langen Zügel ist SEEEEEEEHR wichtig, sonst wird das nichts!

Reiten bedeutet für mich „Stille“. Wenn ich mit meinen Pferden arbeite, versuche ich mich mit ihnen zu verbinden. Irgendwann hab ich das Gefühl von totaler Ruhe und Stille und denke dann kaum noch. Das ist fast eine Art „Trance-Zustand“. Klingt lustig, ist aber sehr schön :)))

Ich denke, genauso wie man das Meditieren nicht in einem Wochenendkurs lernt, so lernt man Reiten in vollkommener Stille erst mit der Zeit. Nichts desto trotz, kann man versuchen, schneller in diese tiefe Ruhe zu kommen. Denn nur in vollkommener Ruhe kann sich das Pferd wirklich entspannen. Seine Muskeln bewusst an- und abspannen, unsere Gedanken wahrnehmen und mit unsichtbaren Hilfen geführt werden.

Nur in dieser vollkommenen Ruhe wird das Pferd die volle Leistung bringen, ohne dass es in irgendeiner Form gestresst ist. Denn es wird tief und ruhig atmen – genau wie sein Reiter. Und das hilft, einen positiven Muskelstoffwechsel, optimale Konzentrationsfähigkeit und beste Lernergebnisse zu gewährleisten. 

Wenn ich zum Reiten gehe und aus Gründen immer noch „aufgewühlt“ bin von Ereignissen am Tag, dann mache ich zuerst Bodenarbeit oder Handarbeit/Abkauübungen, Freiarbeit oder – wenn es ganz schlimm ist – gehe einfach eine Stunde spazieren mit meinen Hotties. Bewegung am Boden „erdet“ mich im wahrsten Sinne Wortes. Bewegung baut übrigens Stresshormone (in der Muskulatur) ab. Deshalb ist es so unglaublich wichtig, dass wir uns bewegen, wenn wir Stress haben/hatten.

Bodenarbeit "erdet", entspannt und baut unnötigen Stress vorm Reiten ab :)

Bodenarbeit „erdet“, entspannt und baut unnötigen Stress vorm Reiten ab 🙂

Pferde riechen es, wenn wir Stress haben. Und dieser Stress überträgt sich ganz schnell aufs Pferd. Und dann, tja, dann klappt so ziemlich gar nichts beim Reiten… Wenn ich es nicht schaffe, mich mental und körperlich zu entspannen (bis in die kleinste Faser meines Körpers – denn Rufino merkt JEDE Mikroanspannung in mir), dann reite ich NICHT.

Wenn mir Großmeister Rufino etwas gelehrt hat, dann das: „Gutes Reiten bedeutet, in seiner Mitte zu sein„. Nur wenn ein Mensch in seiner Mitte ist, dann kann er ein Pferd in seine Mitte bringen. Und „Mitte“ bedeutet für mich mentale und physische Balance – oder auf Deutsch: Gleichgewicht.

Gute Reiter sind immer ausgeglichen. Sie sind in ihrer Mitte und auch nicht schnell aus dieser raus zu bringen. Sie sind normalerweise deshalb auch angenehme Mitmenschen 🙂 Deshalb hat man im Mittelalter Reiten auch als „Persönlichkeitsschulung“ im Adel eingesetzt. Es macht uns (mental) stärker, fokussierter, intelligenter, aber auch humaner/menschlicher.

Wenn Du das nächste Mal zu Deinem Hottie gehst, überlege, ob Du in Deiner Mitte bist und ob es jetzt fair ist, aufzusteigen. Wenn nicht, mache zuerst „alternative Beschäftigungsmöglichkeiten“ – das kann auch nur ausgiebiges Putzen sein. Viele Pferde sind gestresst, frustriert oder auch „abgeschalten“, weil ihr „Mensch“ ständig unter Strom steht.

Hättest Du einen Lebenspartner, der ständig gereizt, aggressiv oder nervös ist, wäre es lang Dein Partner? Meiner nicht. Ich brauche Ruhe, Frieden und Stille, um glücklich zu sein. Und meine Pferde auch.

Spätestens am Turnier zeigt sich, wie viel innere Ruhe ein Pferd-Reiter-Paar wirklich hat.

Spätestens am Turnier zeigt sich, wie viel innere Ruhe ein Pferd-Reiter-Paar wirklich hat.

Und wer meine Pferde schon mal gesehen hat, weiß, dass sie diese tiefe Ruhe normalerweise auch ausstrahlen. Sogar auf Messen, Kursen, Demnstrationsveranstaltungen, beim Hänger fahren und sehr selten am Turnier (bin ja eigentlich kein Turnierreiter….).

Gerade gestern hat eine neue Einstellerin bei mir im Stall mich gefragt, ob Rufino schon immer ein so ruhiges, maximal konzentriertes Pferd war. Ich hab lauthals loslachen müssen. Denn er war das freakigste Pferd, das ich je gesehen habe. Total schreckhaft, nervös und eine Bombe auf vier Beinen, jederzeit bereit beim kleinsten Fliegenhüstler zu explodieren …

Eine Problempferdetrainerin, die ihn am Anfang mal gesehen hat, hat damals zu mir gesagt: „Sandra, für SO ein Pferd zahlt niemand Geld. SO ein Pferd bekommt man wenn überhaupt geschenkt.“ Gut, ich habe Geld bezahlt, aber ich muss sagen, Rufino ist mit Garantie jeden Cent Wert gewesen, den ich gelöhnt habe…. und er ist nicht umsonst zu mir gekommen, er ist wahrscheinlich mein größter Lehrmeister, den ich je hatte 🙂

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen ruhigen Sonntag und eine tiefe Verbindung beim nächsten Ritt…. Vielleicht denkst Du ja an meine Worte und versuchst ZUERST in Deine Mitte zu kommen, bevor Du aufs Pferd steigst. Ich kann Dir garantieren, dass diese Vorgehensweise sich langfristig ganz massiv positiv auf die Motivation Deines Pferdes, die Beziehung zwischen Deinem Pferd und Dir und den Trainingsfortschritt auswirken wird.

Alles Liebe!
Deine Sandra, Rufino und Fjola 🙂

 

Immer wieder stelle ich im Reitsport fest, dass eine Tugend häufig fehlt: Flexibilität! So oft sehe ich Reiter, die eisern eine Lektion „durchdrücken“ wollen. Auf biegen und brechen den (gefühlt) 100. Galoppwechsel verlangen, weil er noch etwas höher gesprungen sein könnte, oder das tausendste Mal ein Kaltblut angaloppieren lassen, das eh schon gar nicht mehr kann, bis das Ergebnis völlige Dienstverweigerung des Vierbeiners ist.

Sehr Schade! Denn mit dieser Herangehensweise lernt ein Pferd ständig überfordert zu werden und versteht, dass ihm als „Exit-Strategie“ aus der Misere nur Ungehorsam bleibt. Und dieser Ungehorsam ist im Endeffekt einer völligen Überforderung geschuldet und hat meist auch noch den tollen Nebeneffekt von Muskelkater oder Muskelschmerzen… Beides Dinge, die sich nicht gerade positiv auf die langfristige Motivation auswirken.

Wie macht man es aber richtig? Was bedeutet denn „Flexibilität“ im Reitsport?

Allein über diese (etwas philosophische) Frage könnte ich ein Buch füllen, aber ich versuche, mich kurz zu halten: Flexibilität im Pferdesport bedeutet für mich, PRO Pferd zu entscheiden, und das mit einer ordentlichen Portion Gefühl, Verständnis von Trainingslehre (Didaktik), Biomechanik und Pferdepsychologie-Hintergrund. Und das jeden Tag und im Endeffekt jeden Moment!

Flexibilität bedeutet beispielsweise, wenn man merkt, dass das Pferd müde ist, vom Fellwechsel oder aufgrund der starken Temperaturschwankungen, die wir momentan haben, dann ggf. das geplante Reitprogramm ausfallen zu lassen und stattdessen einfach ein bisschen Bodenarbeit, Wellness oder einen schönen Spaziergang in die Natur zu machen.

Fellwechsel beim Pferd

Der Fellwechsel und die starken Temperaturschwankungen machen vielen Pferden aktuell zu schaffen…

Es bedeutet aber auch, das körperliche Befinden wahrzunehmen. Wenn ein Pferd beispielsweise an einem Tag von sich aus mehr Spannung hat, dann bringt es nichts, noch an z.B. fliegendem Galoppwechsel oder neuen Lektionen zu arbeiten, die das Pferd „aufregen“ könnten. Da ist eine kurze, lockere Vorwärts-Abwärtseinheit deutlich sinnvoller, auch wenn man sich ursprünglich etwas anderes vorgenommen hatte…

In anderen Worten, sollte man sich immer folgende Fragen stellen, wenn man mit seinem Pferd arbeitet:

1. KANN mein Pferd diese Lektion in diesem Moment körperlich überhaupt leisten (oder habe ich es ggf. – zumindest im Moment – überfordert)?

Ein Beispiel: Als ich meinem Lusitano das Kompliment beigebracht habe, war es für ihn eine geistig wie körperlich schwere Übung. Er musste sich sehr konzentrieren, seine Beine und (Gleich-)Gewicht richtig zu sortieren, um sich zu verbeugen. Kräftemäßig war seine Hinterhand sehr gefordert, was einer „Maximalkraftübung“ – wie schwere Hanteln im Fitness-Studio stemmen – gleich kommt.

Eines Tages bin ich mit ihm sehr harmonisch geritten und habe gedacht, „jetzt ist er gut aufgewärmt, jetzt mach ich nach dem Reiten noch ein kleines Kompliment“. Gesagt, getan. Ich stieg ab und gab ihm das Signal fürs Verbeugen. Rufino aber zierte sich… Ich habe mit etwas mehr Nachdruck  die Übung „verlangt“. Das Ergebnis war, dass er sich praktisch hinfallen lies. Warum? Weil er MÜDE war. Aber ich habe es damals NICHT verstanden, dass diese Übung noch so schwer für ihn ist, dass er sie nach dem Reiten eigentlich nicht wirklich ausführen kann… Ich habe mich bei ihm sofort entschuldigt und mich eine Woche geschämt.

Ich hätte wissen müssen, als er zögerte, dass er müde ist. Er versucht immer, mir zu gefallen… Aber da war wohl mein Ego grösser als mein Verstand 🙁 Du siehst, auch Profis machen Fehler (diesen Fehler hab ich jedoch seitdem glaub ich nie wieder bei KEINEM Pferd gemacht. Ich analysiere seitdem viel, viel genauer ALLE Zeichen für etwaige Müdigkeit oder Überforderung, aber gut… ist trotzdem passiert.).

 

2. VERSTEHT das Pferd die Übung überhaupt?

Auch das kann ein Problem sein, warum etwas nicht klappt. Das Pferd versteht die Übung schlichtweg nicht. Wenn ein Pferd eine Übung NICHT versteht, dann müssen wir es ihm entweder anders erklären oder aber ggf. in Teilschritte zerlegen.

Ein Beispiel: Wenn ein Pferd das Stellen im Stand schlecht ausführt, wird es beim Stellen in der Bewegung mit Garantie Probleme haben. Wenn ein Pferd beim Kompliment eine schlechte Balance hat, dann sollten wir es ggf. vorher besser aufstellen (das heißt, die Vorderbeine von den Hinterbeinen weiter entfernen und die Hinterbeine breit auseinanderstellen), sodass die Balance besser ist. Auch die Halsdehn-Vorübungen können die Flexibilität VOR dem Kompliment enorm verbessern.

Generell gilt: Wenn ein Pferd eine Übung nicht versteht, dann ist es UNSER Fehler. Schließlich sind WIR der Trainer und haben es unserem vierbeinigen Schüler schlecht erklärt…

 

3. Bist DU das Problem?

Tja, ich sage oft im Unterricht: „Das Problem sitzt oben drauf“. Und auch ich kann ein Problem für meine Pferde sein… Wenn ich unkonzentriert bin, wenn ich müde bin, wenn ich zu lange am Bürotisch gesessen habe und steif aufs Pferd klettere (was ich eigentlich jedoch nur noch sehr, sehr, sehr selten tue).

Deshalb, bevor man sich über sein „unfähiges“ Pferd ärgert, oder es gar ungerecht straft, sollte man immer überlegen: „Bin ICH in meiner Mitte? Bin ich optimal flexibel und losgelassen? Helfe ich meinem Pferd, oder bin ich eher Ballast? Und ist der „Fehler“ meines Pferdes eher das Resultat meiner eigenen Fehler als das Verschulden meines Pferdes“? Hier geht’s übrigens zu meinem sehr beliebten Blogbeitrag: „7 Tipps für bessere Hilfengebung„.

Ich weiß, es ist immer leichter, dem Pferd die „Schuld“ zu geben. Aber ein guter Reiter und Pferdetrainer wird immer erst mal an sich selbst zweifeln, bevor an seinem vierbeinigen Schüler zweifelt. Wie ich zu meinen zweibeinigen Schülern immer zu sagen pflege: „Unsere Pferde haben die Reitlehre und Biomechanikbücher nicht gelesen. Es liegt an uns, aus ihnen gesunde, motivierte, vierbeinige Reit- oder Fahrpferde zu machen. Wenn etwas nicht klappt, dann haben wir unseren Schülern etwas schlecht vermittelt.“ Nicht mehr, und nicht weniger.

Sandra Fencl Kompliment PferdUnd vielleicht, wenn Du das nächste Mal auf Deinem Pferd sitzt, und kurz davor bist „mechanisch zu reiten“ oder sogar die Nerven zu verlieren, dann erinnerst Du Dich vielleicht an die Geschichte von Rufino und mir, und steigst als Konsequenz ab, bevor es „unschön“ wird… Dann habe ich mit meinem Blogbeitrag viel erreicht und Rufino mit seiner Dozententätigkeit Gutes bewirkt.

Ich danke Dir für das Lesen dieser Zeilen und wünsche Dir und Deinem Pferd viel Freude und Flexibilität beim Training 🙂
Deine Sandra, Rufino und Fjola

PS: Rufino hat übrigens keinen „Schaden“ genommen wegen meines einmaligen Faux Pas mit dem Kompliment… Er beherrscht es mittlerweile auch frei in Perfektion 🙂

PPS: Wenn Du mehr zum Thema faires und biomechanisch wertvolles Pferdetraining erfahren möchtest, dann könnten folgende Termine für Dich interessant sein:

+ Abendseminar zur Gymnastizierung und Schiefe des Pferdes in Tuntenhausen (Bayern) am Freitag, 07. April 2017

+ Gymnastisches Allover-Bodenarbeitsseminar in Tuntenhausen (Bayern) am 08. und 09. April 2017 (bei Interesse bitte einfach eine Email an info@sandrafencl.com senden)

+ Gymnastisches Allover-Bodenarbeitsseminar mit Schwerpunkt Zirzensik am 21. und 22. Mai 2017 in Hveragerdi, Island

+ Gymnastisches Bodenarbeitsseminar mit Schwerpunkt Zirzensik am 15. Juni 2017 in 85386 Günzenhausen/Eching

+ Gymnastisches Bodenarbeitsseminar mit Schwerpunkt Zirzensik am 15. August  2017 in 85386 Günzenhausen/Eching

+ Gymnastisches Overall-Bodenarbeitsseminar am 26. und 27. Oktober 2017 in Kleinstelzendorf, Niederösterreich

+ Meine sehr beliebte, zweiteilige LIVE-Webinarreihe zur ganzheitlichen Korrektur der Schiefe des Pferdes (mit Videoaufzeichnung, und somit orts- und zeitunabhängig). Alle Infos hier: https://www.edudip.com/w/238762

Hier geht’s zum Erklärungsvideo:

Über die Reiterhilfen sind Berge von Büchern geschrieben worden. Und doch werden die Signale vom Reiter an sein Pferd oft falsch, unklar oder unfair eingesetzt. Aber was sind Hilfen überhaupt? Laut Wikipedia werden Hilfen „als die Einwirkungen des Reiters auf sein Pferd“ bezeichnet, und weiter: „Man unterscheidet dabei zwischen Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen. … Von den Hilfen unterscheidet man die Hilfsmittel: Stimme, Gerte und Sporen können zur Unterstützung der Schenkelhilfen eingesetzt werden.“ So weit die graue Theorie. Jetzt geht’s aber ans Eingemachte, nämlich an meine Praxistipps für bessere und pferdegerechtere Hilfengebung beim Reiten! Viel Spaß damit 🙂

 

1. Konsequenz und richtige Dosierung in der Hilfengebung

Wir alle wünschen uns Pferde, die bereits auf die feinsten Hilfen reagieren: Einem „Hauch von nichts“ und mit scheinbar unsichtbaren Signalen mit uns durch die Reitbahn schweben. So die Wunschvorstellung. So weit, so gut. Die Realität sieht aber oft leider anders aus: Nicht selten sieht man aufgerissene Pferdemäuler, ständig klopfende Reiterschenkel, auf die trotzdem (oder gerade deshalb) keine Pferdereaktion kommt,  und stochernde Sporen, die im schlimmsten Fall sogar zu haarlosen (oder sogar offenen) Rumpfpartien beim Pferd führen. Unschön ist das, und von feiner Hilfengebung, gelebtem Tierschutz und totaler Harmonie mit dem Pferd weit entfernt. Aber wie bildet man ein wirklich feines Pferd aus?

Mit „ansteigender“ Hilfengebung, oder wie Jean François Pignon sagen würde: „crescendo“ – auch bekannt aus der Musik, „züchtest“ Du ein feines, williges und motiviertes Pferd. Einer meiner alten Reitlehrer hat immer zu mir gesagt: „Geben Sie die Hilfe so, dass Sie gar nicht erwarten, dass Ihr Pferd reagiert„. Und das mache ich… und bin immer wieder erstaunt, dass die Pferde bereits auf DAS reagieren! Wenn man aber immer gleich eine deutliche oder mittelstarke Hilfe gibt, wird man nie ein Pferd reiten, das auf „unsichtbare Hilfen“ reagiert. Weil es gar nicht die Chance hatte, auf das feinst mögliche Signal zu antworten.

Das heißt also im Klartext, wenn Du ein Pferd anreiten möchtest, verwende den Schenkel ganz, ganz leicht, sodass man es nicht sehen kann. Wenn Dein Pferd dann nicht reagiert, steigere minimal die Hilfengebung. Wenn dann Dein Pferd nicht reagieren sollte, versuch es mit nur geringfügig mehr Intensität. Bei der dritten Hilfengebung steigerst Du jetzt deutlicher die Stärke der Hilfe, und wenn dann nichts passiert, macht es „Bumm“. Also Du unterstützt zB den Schenkel mit der Gerte, oder verwendest die Gerte nach vorsichtigem Gerteneinsatz dann einmal wirklich deutlich. Wenn dann das Pferd reagiert, lobst Du es SOFORT und lässt sofort von der Hilfe ab. Das bringt mich auch schon zum nächsten Punkt….

 

2. Sofortiges Ablassen der Hilfen bei richtiger Reaktion des Pferdes

Dies ist auch ganz wichtiger (klassischer) Grundsatz, der leider sehr oft vernachlässigt wird in der heutigen Reitszene. Wenn ein Pferd RICHTIG reagiert, muss man es sofort loben bzw. vor allem auch die Hilfe KOMPLETT aussetzen lassen. Das heißt, wenn Dein Pferd auf einen Schenkeldruck reagiert hat, quetscht Du nicht weiter mit dem Bein, sondern lässt es komplett locker hängen (es rahmt aber immer noch das Pferd am Rumpf ein). Das hat man früher „atmenden Schenkel“ genannt.

Das Bein ist also da, wenn es gebraucht wird, hat aber keine ständige, negative Anspannung (was ja einer „Dauerhilfe“ gleich kommt). Nur, wenn ein Pferd merkt, dass es „Ruhe“  bekommt nach dem erfolgreichen Annehmen einer Hilfe, dann wird es langfristig gern Hilfen annehmen. Denn für ein Pferd bedeutet das Entspannung! Und als Fluchttiere LIEBEN Pferde Entspannung, Ruhe und Sicherheit. Außerdem lernen Pferde am besten in Pausen. Hierbei können sie darüber nachdenken, was sie richtig gemacht haben, und dieses Verhalten abspeichern. Ständiges Geklopfe mit den Schenkeln und ein ständiger Zug in seinem Maul gefällt mit Garantie KEINEM Pferd!

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Pferde lernen in Pausen am besten, und dazu gehört auch das „Ablassen“ von Hilfen.
Foto: Alisa Konrad

 

3. Gib keine widersprüchlichen Signale

Auch das sehe ich leider sehr, sehr häufig: Ein Reiter quält sich mit seinem Pferd ab, dass es vorwärts geht… Irgendwann reist ihm der Geduldsfaden und er haut mal ordentlich mit der Gerte drauf. Das Pferd erschrickt und rennt oder springt sogar vorwärts. Der (noch unausbalancierte) Reiter rechnet nicht mit der prompten Reaktion seines Pferdes und hält sich am Zügel fest. Das Pferd erhält als „Belohnung“ für eine gute Vorwärtsreaktion einen Ruck im Pferdemaul. Tolle Sache: Das Pferd lernt hierbei: „Wenn ich reagiere, werde ich im Maul gezogen„. Keine schöne Belohnung… Und langfristig gesehen sicherlich nicht sehr motivierend…

Ich möchte noch ein anderes Beispiel bringen, dieses sehe ich nämlich sehr, sehr oft in Bodenarbeits- und Handarbeitsseminaren. Das Pferd wurde angehalten und steht brav neben seinem Trainer. Dann fasst der Trainer die Idee gleich anzugehen, OHNE es zu merken, bewegt er den Oberkörper leicht nach vorne. Das willige Pferd reagiert sofort und geht los, wird aber dann sofort vom Zweibeiner ausgebremst weil es „ungefragt“ angegangen ist (was ja nicht stimmt!). Diese Problematik sehe ich echt sehr, sehr häufig und solche Situationen sind äußerst frustrierend für Pferde. Unsere Vierbeiner versuchen uns ständig zu lesen, und unsere Körpersprache zu interpretieren. Wenn sie für prompte Reaktion auf das leichte Vorgehen des Oberkörpers des Zweibeiners reagieren, (die ja richtig und gut gemeint war), geschimpft werden, ist das sehr demotivierend und unverständlich für sie….

Sandra Fenzl Blog

Reiten bedeutet ständiges Weiterlernen. Wer aufgehört hat, an sich selbst zu arbeiten, hat aufgehört, besser zu werden. Foto: Alisa Konrad

 

4. Emotionslose, sachliche Hilfengebung

Ein weiterer, wichtiger Punkt, um Hilfengebung pferdegerecht und pferdeverständlich zu machen, ist die emotionslose Hilfengebung. Kein Pferd versteht, warum manche Reiter gleich einen kleinen Wutausbruch bekommen, wenn sie ihrem Pferd einmal einen (ggf. deutlicheren) Impuls mit dem Bein oder einen Klaps mit der Gerte geben. Pferde sind extrem emotionslos, wenn sie ihre Herdenkollegen zurecht weisen. Wir Menschen tun uns sehr schwer, schnell und treffsicher beispielsweise mit der Gerte zu agieren, dabei aber innerlich völlig ruhig und gelassen zu bleiben und auch die eigene Körperspannung nicht (negativ) verändern.

Probier es mal an einem Zaun aus. Stell Dir (mit viel Phantasie) vor, der Zaun ist Dein Pferd, und Dein Pferd hat etwas gemacht, was Dich extrem nervt – zB gerade den Kopf zum Grasen abgesenkt. „Korrigiere“ jetzt Dein „Pferd“ (also den Zaun) mit einem deutlichen Klaps mit der Gerte. Überprüfe, ob Du dies ausführen kannst, ohne die Muskeln fest zu machen, die Zähne zusammen zu beißen, die Atmung von einer entspannten Bauchatmung in eine oberflächige Brustatmung zu verändern… Geht? Sehr gut! Geht nicht? Dann bitte weiterüben….

Ich denke, dies ist eine der schwierigsten Anforderungen an JEDEN Reiter – völlig sachlich und emotionslos sein Pferd zu korrigieren, und das ggf. 150 Mal in der selben Einheit, immer in der selben Ecke, bei der das Pferd nach innen driftet … Nur, wenn wir sachlich reiten, wird unser Pferd den entsprechenden Respekt entgegenbringen und dementsprechend auch fein, aufmerksam und respektvoll reagieren. Denn absolute Selbstbeherrschung ist eine wichtige Eigenschaft von echten Führungspersönlichkeiten – und das gilt für Pferde und Menschen gleichermaßen!

 

5. Regelmäßiger Abgleich von innerem und äußerem Bild von Sitz und Einwirkung

Ein weiterer, wichtiger Punkt zum Thema pferdegerechte Hilfengebung ist der regelmäßige Abgleich von „Soll- und Istzustand“ der eigenen Hilfengebung. Hiermit ist gemeint, dass man sich regelmäßig überprüfen sollte, ob man tatsächlich das Bein locker lässt, die Zügeln fein verwendet und die Gewichtshilfe korrekt zB beim Abfussen des Hinterbeines einsetzt.

Reiten Sandra Fenzl

Der regelmäßige Abgleich von innerem und äußerem Bild ist auch für routinierte Reiter sehr wichtig! Foto: Alisa Konrad

Dazu ein Beispiel: Die meisten Rechtshänder belasten den rechten Gesäßhöcker etwas mehr als den linken. Die meisten Pferde wiederum als linkshohle Pferde fallen tendenziell eher auf die rechte Schulter UND belasten somit auch die rechte Körperhälfte mehr. Rechtshändige Reiter und links hohle Pferde verstärken also ihre Schiefe gegenseitig.

Oft hat man als Reiter den Eindruck (gerade auch in Seitengängen!) man sitzt total zentriert, tatsächlich hängt aber der Oberkörper auf eine Seite (gern rechts) bzw. man knickt (ungemerkt) in der Hüfte ein. Nachdem Pferde immer ihrem (Gleich-)Gewicht hinterherlaufen, wird das Pferd dementsprechend in diesem Beispiel nach rechts drücken. Der Reiter „ärgert“ sich dann gern, weil das Pferd ständig auf der rechten Hand nach innen schiebt. Aber eigentlich reagiert es nur auf eine ungewollte Hilfengebung seines Reiters…

Um dies zu vermeiden, kann

a) regelmäßiger guter Reitunterricht

b) das Reiten von Lektionen am Boden (Stichwort Bodengalopp oder Schulterherein selber laufen)

c) das Reiten von Fremdpferden

d) das Reiten mit Spiegeln

e) die regelmäßige Aufnahme von Fotos und/oder Videos

f) Körpertraining wie Yoga, Pilates, Alexandertechnik etc.

helfen. Mehr zu diesem so wichtigen Thema der Schiefe vom Pferd (und Reiter) in meinem nächsten Schiefen-LIVE-Webinar mit Videoaufzeichnung: https://www.edudip.com/w/235160 (Anmeldemöglichkeit bis 23. März 2017).

 

6. Betrachte „Hilfen“ als Dialog!

Ein Pferd richtig zu reiten, heißt nicht nur, die richtigen Hilfen zur richtigen Zeit in der richtigen Dosierung zu geben, sondern in erster Linie auch zuzuhören… Auf das, was das Pferd gerade braucht, um sich zu entspannen. Auf das, was das Pferd gerade braucht, um in eine bessere innere wie äußere Balance zu kommen… Reiten sollte immer im Dialog mit dem Pferd stattfinden und hat ganz viel mit Empathie zu tun. Reite immer mit Freude Dein Pferd! Mit einer positiven Grundeinstellung und einem offenen Ohr und offenen Herzen wird vieles auf einmal wie von selbst gehen!

Sandra Fencl Sitzkurse

Reiten bedeutet „Zwiegespräch von zwei Seelen“…
Foto: Alisa Konrad

 

7. Gib feine Hilfen „aus der Mitte“

So, zum Schluss noch ein „Esoterikpunkt“, hihi. Mein Leben lang beschäftige ich mich mit Pferden. Mein Leben lang hab ich gebraucht, um zu verstehen, dass Reiten so viel mehr ist als einfach nur „technische Hilfen zu geben“. Reiten ist immer (und ggf. sogar nur) „Arbeit an uns selbst“. Mein Lusitano Rufino hat mir diese Erkenntnis so deutlich gemacht, dass ich sie ENDLICH verstehen konnte (und musste). Was ich Dir am Schluss von diesem Blogbeitrag noch „mit auf dem Weg geben möchte“, ist: Versuche, zuerst „bei dir selbst anzukommen“, bevor Du von Deinem Pferd perfekte Hilfenreaktion erwartest. Was ich damit meine?

Wenn Du gestresst  und ggf. sogar zu spät von der Arbeit kommst, Du dann wie ein kleiner Maniac noch in den Stall hudelst, und Dich schnell auf Dein Pferd setzt und „noch kurz ein paar Runden zu reiten“, dann kann ich Dir im Vorhinein sagen: „Das wird nix“. Wenn wir Menschen nicht in unserer Mitte sind, uns nicht körperlich und geistig „spüren“, noch immer 1.000 Todo-Listen in unserem Kopf rattern und wir schon an unseren morgigen Besprechungstermin denken, dann wird das Reiten „technisch“ und niemals wirklich „harmonisch“ ausfallen. Wenn Du jemals das Gefühl hattest, eins mit einem Pferd zu sein, IN Deinem Pferd zu sitzen und nicht AUF Deinem Pferd, sondern wie ein Zentaur als völlige Einheit mit Deinem Pferd zu tanzen, dann weißt Du, was ich unter harmonischem Reiten verstehe. Und dieses Gefühl wirst Du nur erreichen, wenn Du eine echte „Stille“ in Deinem Kopf hast und ein offenes Herz für Dein Pferd…

Sandra Fencl Wege losgelassener Sitz

Innere Stille ist essentiell für gutes Pferdetraining.
Foto: Alisa Konrad

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du diese Stille und Offenheit nicht hast und an diesem Tag auch nicht mehr erreichen kannst, dann hab den Mut auch mal NICHT zu reiten! Oft ist es besser, an solchen Tagen nur eine Runde spazieren zu gehen oder Dein Pferd alternativ mit Zirkuslektionen oder Bodenarbeit zu „bespaßen“ oder vielleicht dem Pferd sogar komplett einen Ruhetag zu gönnen. Denn besser ist KEIN Training, als frustrierendes, negatives Training. Das kannst Du mir glauben…

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich Dir ein paar Gedankenanstöße zum Thema Hilfengebung geben konnte und freue mich über Kommentare und etwaige Likes und Shares auf meiner Facebookseite: www.facebook.com/sandra.fencl

Bis bald!
Deine Sandra

PS: Hier geht´s noch zum Webinar-Video zum ganzheitlichen Verständnis und Korrektur der natürlichen Schiefe des Pferdes. Ein Thema, das mir ganz besonders am Herzen liegt:

https://www.edudip.com/w/238762

Alle Webinare im Überblick findest du hier:

https://www.edudip.com/academy/sandra.fencl2

 

 

 

Viele Pferde durfte ich selbst in meinem Leben ausbilden und gesundheitlich unterstützen. Viele Reiter durfte ich teilweise über viele Jahre als Ausbilderin begleiten. Was mir dabei aufgefallen ist, ist, dass viele Reiter zu wenig an sich und ihr Pferd „glauben“.

Ich hatte die große Freude, so querbeet alles an Pferdetypen trainieren zu dürfen, wie wahrscheinlich nur wenige Trainer: Vom kleinen, untersetzten Pony, über Gangpferde mit nur zwei Gängen (nämlich Schritt und „Schweinepass“), bis hin zum aggressiven Haflinger, in Rollkur angerittenen Friesen (natürlich nicht von mir!), total nervöse Durchgänger-Trakehner, Araber mit massivem Senkrücken – und das bereits in jungen Jahren, über erstaunlich talentierte Dressur-Noriker bis hin zu meinem eigenen, total Mangel ernährten Lusitano, um nur einige wenige Beispiele zu nennen…

Und egal welches kleine, unscheinbare „Etwas“ (und nicht allzu selten auch „Häufchen Elend“) ich freudestrahlend in Empfang genommen habe, ich habe immer an diese Pferde von Anfang an geglaubt. Ich habe, egal wie überbaut, unterbemuskelt, bretthart, taktgestört, hysterisch und tw. sogar gefährlich sie waren, immer das Schöne an und in ihnen gesehen und mich RIESIG über jeden Micro-Fortschritt gefreut… und ich denke, genau diese Einstellung ist es, warum viele dieser wenig talentierten, „problematischen“ Pferde erstaunlich schnell und erstaunlich unkompliziert wurden und sich in ihrem Verhalten gegenüber dem Menschen, in ihrer Arbeitsmotivation und in ihrer Ausstrahlung innerhalb kürzester Zeit um 180 Grad „gedreht“ haben…

Pferden wie Menschen tut es gut, positiv bestärkt zu werden!

Pferden wie Menschen tut es gut, positiv bestärkt zu werden!

Denn seien wir mal ehrlich: Auf uns selbst bezogen – wenn wir jemand haben, der uns immer wieder sagt: „Du schaffst das! Das wird schon! Du bist ein toller Mensch! Ich bin stolz auf Dich!“ Geht das nicht runter wie Öl? Tut das nicht jedem (noch so kleinen) Ego gut und macht uns „stärker“ und bringt dadurch auch mehr Sicherheit, Ausstrahlung und damit Schönheit zu Tage?

Warum ich diesen Blogbeitrag schreibe? Weil ich möchte, dass DU and DICH und DEIN Pferd glaubst! Grenzen und somit unerschöpfte Potenziale beginnen im Kopf. Und das ist schade, wenn man nicht all sein Potenzial nutzt… Denn jeder Mensch und jedes Pferd ist einzigartig. Und jeder kann andere inspirieren.

Ich war immer „anders“. Meine Pferde laufen seit ca. 15 Jahren alle barhuf (sogar die Isländer, die angeblich dann nicht tölten können! Zumindest wurde mir das immer gesagt).  Mein Lusitano ist im Aktivstall – ohne Decke, und fühlt sich pudelwohl. Ich reite gern ohne Gebiss, ohne Sattel, also eigentlich ohne alles und ja, ich habe auch keine Angst so zu springen und meinen Lusitano kann ich überall auf dieser Welt frei lassen, auch an fremden Ställen, bei Messen o.Ä. Ich weiß, er wird immer bei mir bleiben.

In vielen Ställen werde ich deshalb erst mal komisch angesehen. Aber nach dem ersten „Schock“ der Andersartigkeit sind die Leute oft interessiert, warum mein Lusitano mich selbstständig von der Aufstieghilfe abholt, oder warum ich auch „ohne Zwang“ tolle Leistungen von meinen Pferden geschenkt bekomme und sie kaum schwitzen dabei. Es ist eine tiefe Verbundenheit, die ich schnell mit Pferden aufbaue. Weil ich sie genau so, wie sie sind, akzeptiere und ehrlich von Herzen schön finde.

Mein Lusitano legt sich für mich überall hin... für mich, ein großer Vertrauensbeweis dieses ehemaligen Wildpferdes :)

Mein Lusitano legt sich für mich überall hin… Für mich, ein großer Vertrauensbeweis dieses ehemaligen Wildpferdes.

Jeder hat seine kleinen Fehler. Jeder hat kleine Makel oder ggf. auch (grössere) körperliche Defizite. Anstatt darüber zu lamentieren, ist es besser, die schönen Seiten (von Menschen und Pferden) zu sehen und sich über jeden Fortschritt in der Entwicklung wie ein kleines Kind zu freuen. Und genau diese Freude ist es, die Pferde an mir mögen (das glaub ich zumindest). Und diese Freude kommt zurück – mit Garantie…

Deshalb meine Bitte an Dich: Wenn Du das nächste Mal zu Deinem Pferd gehst, sag nicht: „Mein Wallach kann das nicht oder meine Stute lernt das nie, sie hat einfach kein Talent für XY.“ Stell Dir mit all Deiner Vorstellungskraft vor, was Du mit genau diesem Pferd in Zukunft erreichen wirst: Fliegende Galoppwechsel, eine perfekte Piaffe, ein Ausritt nur mit Halsring (der Vorschlag kam nicht von mir!), Freiarbeit in Perfektion, ein M-Springparcours…. egal was!

Etwas, das Du schon immer erreichen wolltest. Etwas, wovon Du als Kind schon geträumt hast… Etwas, auf das Du und Dein Pferd wirklich stolz wären! Ich weiß, Du und Dein Pferd könnt das schaffen. Denn Ausdauer und ein positives inneres Bild sind VIIIIIIIIEL wichtiger als Talent. Meine Pferde und ich sind der lebende Beweis dafür.

Meine Isländermaus beim etwas übermotivierten Spanischen Schritt, hihi.

Meine Isländermaus beim etwas übermotivierten Spanischen Schritt, hihi.

Meine Isländermaus z.B. hat kleine, kurze Beinchen, einen tiefen, schweren, kurzen Hals, ganz wenig Widerrist und ist sehr „rumpfig“ (also „kugelig“) gebaut und hat auch noch fünf Gänge zu sortieren. Kurz gesagt, ist sie wahrscheinlich kein großes Dressurtalent und biomechanisch gesehen so gar kein Talent für beispielsweise spanischen Schritt oder ähnliche Lektionen. Aber ich denke, das hat ihr noch nie wer gesagt!!! Sie ist ein bisserl wie eine Hummel, die eigentlich nach aerodynamischen Gesetzen nicht fliegen können dürfte, und es trotzdem tut… Fjola’s  Trainingseinstellung ist in jedem Fall: „Was der Lusitano kann, kann ich schon gleich drei Mal.

Und so arbeitet sie eisern mit mir an ihrer Geschmeidigkeit, ihrem Takt in fünf (!!) Gängen, ihrer Schulterfreiheit und ihrer Fähigkeit, die Balance nach hinten zu verschieben… Mit einer Begeisterung, die nur schwer zu toppen ist! Und ich weiß, irgendwann kann auch sie hohe Lektionen. Irgendwann wird auch sie piaffieren. Und im Endeffekt ist es völlig egal, wann das ist. Denn der Weg ist das Ziel und der gemeinsame Weg mit meinen (und Euren) Pferden ist das, was mir einfach RIESIG Freude bereitet.

In diesem Sinne wünsche ich Dir: Setze Dir und Deinem Pferd KEINE (geistigen) Grenzen. Egal was, Ihr könnt es schaffen – wenn Du nur ganz fest daran glaubst und jeden Schritt und kleinen Erfolg in Freude mit Deinem Pferd gehst, steht die Welt Euch offen!

Ich wünsch Dir und Deinem Pferd viel gemeinsame Freude beim Training und alles Liebe!
Deine Sandra, Rufino & Fjola

PS: Wenn Du mehr über motivierendes und gymnastisch sinnvolles Pferdetraining erfahren möchtest, bist Du in meinem nächsten zweiteiligen Webinar zur natürlichen Schiefe des Pferdes GENAU richtig 🙂 Es gibt übrigens eine Videoaufzeichnung und alle Folien als PDF, falls Du an einem (oder auch beiden) Terminen nicht kannst, hast Du also auch so alle Unterlagen zur Verfügung und kannst auch im Nachgang noch Fragen an mich stellen 🙂 Eine tolle Sache, diese Online-Webinare!!
Schau einfach mal hier vorbei: https://www.edudip.com/w/238762

 

PPS: Ich bin jetzt auch auf Instagram: https://www.instagram.com/sandra.fencl

 

 

Immer wieder werde ich gefragt, warum meine eigenen, aber auch meine Trainingspferde so zuverlässig sind, sich kaum mal erschrecken, und wenn sie sich erschrecken, nie davon laufen. Die Antwort ist einfach: Sie konzentrieren sich zu 100% auf mich UND sie vertrauen mir. In diesem Blogbeitrag möchte ich kurz erklären, wie auch Du mit Deinem Pferd mehr Sicherheit erlangst 🙂

Gerade letzte Woche habe ich einer jungen Reiterin Unterricht gegeben. Das Pferd wollte partout nicht an der Zusehertribüne der Reithalle vorbei gehen. Immer wieder hat es sich erschreckt und wurde deutlich schneller. Mir war aber sofort klar, dass das Pferd „Teenagerverhalten“ zeigte. Das heißt, es hat getestet, was seine Reiterin macht, wenn es selbst Blödsinn macht…

Als Herdentiere testen Pferde regelmäßig die Kompetenz ihrer Reiter. Dies ist ein völlig natürliches Verhalten. Auch wenn es uns nervt, dass das Pferd zum 100. Mal anfragt, ob wir wirklich Führungsqualitäten besitzen, bzw. ob diese Ecke wirklich durchritten werden kann, soll oder muss…

Wenn Du diese Situation kennst, dass Dein Pferd zB in einer gewissen Ecke abkürzt bzw. an einer Bande nicht vorbeireiten möchte bzw. auch Angst vor zB einem Regenschirm hat oder manchmal einfach „stur ist“, dann würde ich (zumeist) wie folgt vorgehen:

Sich selber sammeln und Körperkontrolle bewahren
Nur wenn Du selbst entspannt „im“ und nicht „auf“ dem Pferd sitzt, kannst Du Deinem Pferd Sicherheit vermittelt. Das bedeutet wiederum, dass Deine Gesäßmuskulatur entspannt ist und Du so tief im Sattel sitzt. Auch Deine Beine müssen locker und beweglich den Rumpfbewegungen des Pferdes folgen, ein „Zusammenpressen der Knie“ oder Klammern mit den Unterschenkeln ist völlig fehl am Platz. Ganz wichtig ist hierbei auch die tiefe, gleichmäßige Bauchatmung, an die man sich in solchen (Stress-)Situationen erinnern sollte. Denn nur so kann unser Pferd sich entspannen und selbst tief atmen.

Pferde synchronisieren sich sehr schnell mit der Atmung, aber auch der Spannung des Reiters und spiegeln diese. Deshalb ist es in jeder Situation so wichtig, als Reiter die absolute Körperkontrolle und Kontrolle der (Bauch-)Atmung aufrecht zu erhalten. Weiters ist es von größter Bedeutung, NICHT am Zügel zu ziehen (entgegen unserem natürlichen Reflex). Zug bedeutet immer Gegenzug, und deshalb solltest Du unbedingt auf ein Festmachen der Hand verzichten. Auch wenn es schwer fällt, sind kleine, weiche Paraden der einzige Weg, um die Kontrolle des Pferdes zu erhalten bzw. (wieder-) zu erlangen. Denn wenn Du Dich fest machst, wird auch Dein Pferd sich fest machen und somit mehr in den Fluchtmodus kommen…

Mental starke Pferde haben immer mental starke Reiter - und das gibt Sicherheit!

Mental starke Pferde haben immer mental starke Reiter – und das gibt Sicherheit!

Deshalb hier noch mal die wichtigsten Punkte (ggf. als Checkliste zum Ausdrucken fürs Reiterstüberl? ) für mehr Kontrolle, Sicherheit und Harmonie mit Deinem Pferd zusammengefasst:

1. Entspanne Dein Gesäß und Deine Beine! Die natürliche Angst- oder Stress-Reaktion wäre nämlich genau das Gegenteil, nämlich die Psoas-Muskulatur (Beckenmuskulatur)  reflexartig anzuspannen. Dies erhöht den Schwerpunkt des Reiters und man sitzt nicht mehr „im“ sondern „auf bzw. über“ dem Pferd, kann nicht mehr gut in der Bewegung mitschwingen und fällt bei ungeplanten Reaktionen des Pferdes viel leichter runter!

2. Atme bewusst tief, ruhig und gleichmäßig und ggf. sogar mit „Atemgeräusch“ ein und aus… Ich habe mal gehört, dass das „laute“ Ausatmen von Reitern den Pferden deshalb hilft, sich zu entspannen, weil es wohl dem Atemgeräusch entspricht, welches bereits Pferde-Embryos im Mutterleib wahrnehmen… Keine Ahnung, ob das wirklich stimmt. Fakt ist jedoch, es entspannt Pferde sehr schnell, auch ein kleines „Abschnauben“ des Reiters signalisiert dem Pferd: „Alles ok!“ Mein eigener Lusitano kann – wenn er gerade nervös zu werden droht – mit einem lauten Ausatemgeräusch meinerseits sofort entspannen. Erstaunlich, aber wahr. Tipp: Rede in schwierigen Situationen mit Deinem Pferd. Denn wenn Du redest, musst Du atmen…

3. Kontrolliere, ob Du noch immer aufrecht und „schwer“ sitzt, oder ob Du ggf. eine nach vorn gelehnte Defensivhaltung eingenommen hast. Denn die Hinterbeine bewusst zu belasten und die Balance Deines Pferdes möglichst hinten zu behalten, ist in diesem Momenten  (und generell) wichtig. Lasse Dein Steißbein nach hinten-unten wie einen Anker auf die Hinterbeine des Pferdes „fallen“. Dies ist ein lustiges, inneres Bild, aber dieses hat wirklich schon vielen Reitern geholfen, sich auf dem Pferd „zu erden“ und somit entspannt und tief „im Pferd“ zu sitzen. Mit dem versehentlichen Vorbringen des Oberkörpers in Stress-Situationen machen wir unser Pferd nicht nur automatisch vorhandlastiger und damit IMMER schwerer zu kontrollieren, wir bestätigen es ggf. sogar in seiner Idee, schneller zu werden bzw. zu wegrennen!

4. Entspanne Deine Handgelenke und Finger und gib die richtigen, feinen Zügelhilfen, die Dein Pferd lösen helfen. Behalte unbedingt Deine Hand vorn und wirke niemals „rückwärts“ ein. Ich denke in solchen Situationen immer an flinke Pianisten- oder Harfenspieler-Hände. Sie sind ständig in Bewegung und so kann niemals ein langanhaltender „Zug“ entstehen, worauf das Pferd mit einer Festigkeit im Maul und Steifheit im Hals bzw. mit Gegenzug reagieren wird.

Wenn Du die richtigen Zügelhilfen gibst, wird Dein Pferd mit einer Zungenbewegung reagieren und somit Zungenbein, Kiefergelenk, Genick und damit verbunden ca. 60 % der GESAMTMUSKULATUR mobilisieren und entspannen… Menschen und Pferde beißen gleichermaßen in Stress-Situationen die Zähne zusammen… Eine Entspannung der Kiefer(gelenke) und der Zunge wirkt Wunder! Dies kann jedoch nur über eine feine, ebenfalls entspannte Hand des Reiters funktionieren…

5. Und dieser Punkt ist SEHR wichtig: Korrigiere Dein Pferd freundlich, aber sehr konsequent und lobe es SOFORT für das (kleinste) Annehmen Deiner Hilfen. Wenn Dein Pferd beispielsweise nach innen auf die Schulter fällt, weil es nicht außen an der Bande oder in die Ecke gehen mag, verlange eine Innenstellung mittels feinem Abspielen am Innenzügel und mittels freundlichem und beweglichem (= atmendem) Innenschenkel (und ohne zu klemmen). Ein gut erzogenes und rittiges Pferd wird auch in Extremsituationen die Hilfen seines Reiters willig annehmen – und das macht reiten dann WIRKLICH sicher.

6. Behalte immer ein positives, inneres Bild von der auszuführenden Übung, zB ein korrektes durch die Ecke oder an der Zusehertribühne vorbeireiten solltest Du im Kopf exakt visualisieren. Was tust du? Wie sieht Dein Pferd aus? Vielleicht stellst Dir auch noch vor, wie es zufrieden abschnaubt? Es ist sehr wichtig, sich genau vorzustellen, wie das Pferd korrekt, gut gerade gerichtet und fein am Schenkel und Sitz diese Aufgabe entspannt meistert… Viele Reitlehrer meinen, Pferde können mentale Bilder lesen… Ich bin einer davon 🙂

7. Wenn das Pferd Deine Hilfen (ansatzweise) in einer schwierigen Situation annimmt bzw. seine Aufgabe tatsächlich gut ausführt, lobe es sofort beispielsweise mittels Stimmhilfen oder mittels kurzem Berühren mit den Fingerkuppen der inneren Hand am Pferdehals. So merkt das Pferd, dass eine positive Reaktion und Gehorsam auf die Hilfen anerkannt wird und entspannt sich meist dadurch noch mehr. Durch den kurzen Fingerkontakt bzw. die Stimmhilfe behältst Du aber weiterhin die volle Kontrolle über Dein Pferd.

8. Lächle! Ich weiß, in Stress-Situationen zu lächeln, ist schon ein sehr hoher Anspruch an Körperkontrolle, aber: ES HILFT SEHR!! Denn wenn wir lächeln strahlen wir nicht nur eine positive Energie und Sicherheit aus, sondern entspannen unsere Kiefergelenke und damit verbunden unsere gesamte Wirbelsäule und setzen sogar Glückshormone frei… wenn das kein cooler Nebeneffekt ist 🙂

9. Sei sturer als Dein Pferd! Ich sage immer, eine wichtige Trainer-/Reiterqualität ist es, sturer zu sein, als sein (eigenes) Pferd. Pferde können unglaublich beharrlich sein, wenn es darum geht, Dinge durchzusetzen. Je öfter sie den Reiter – manchmal auch ungemerkt – austricksen, desto grösser ist ihr Ego und desto beharrlicher sind sie, es wieder zu tun…

Das hat (auch) etwas damit zu tun, dass sie den Respekt vor der Kompetenz des Reiters verlieren. Natürlich ist das (fast) ein eigenes Thema für sich. Aber nur so viel: Wenn Dein Pferd merkt, dass Du bei kleinen Stress-Situationen sofort die Nerven verlierst bzw. Dich nicht mehr durchsetzt, dann wird es – wenn es ihm gefällt – solche Situationen als „Ausreden“ nutzen. Denn Pferde sind sehr gute Psychologen, vergiss das nie!

Wenn Dein Pferd aber lernt, dass Du IMMER die Kontrolle behältst (auch über Deinen eigenen Körper!), Nerven wie Stahlseile hast, immer souverän und ruhig auch in „schwierigen Situationen“ agierst und Du Dein Pferd immer in seiner Balance (und zwar inneren/geistigen wie äußeren/körperlichen) verbesserst, dann wird es mit Respekt und Freude mit Dir arbeiten… und zwar immer….

Denn es kann sich verlassen, dass Ihr beiden gemeinsam jede schwierigen Situation sicher und gesund übersteht… Das hat einen unschlagbaren Mehrwert für das Flucht- und Opfertier Pferd… Für mich ist das die Basis einer sicheren, respektvollen aber auch freudigen Zusammenarbeit zwischen Menschen und Vierbeinern 🙂

Hinlegen Pferd

Mein Lusitano Rufino legt sich für mich ohne Zwang überall hin… Für mich ein ECHTES Zeichen von grenzenlosem Vertrauen…

Ich hoffe, ich konnte Dir ein paar Anregungen geben, worauf Du beim Pferdetraining (oder auch: Arbeit an dir selbst) achten kannst 🙂
Wer sich intensiver mit dem Thema Pferdepsychologie und Trainings-Didaktik beschäftigen möchte, ist in meinem Online-Seminaren/Webinaren und Bodenarbeitskursen genau richtig!

Trag Dich für die nächsten Termine und weitere kostenlose Tipps am besten gleich in meinen Newsletter ein (rechts), abonniere meine NEUE Facebookseite https://www.facebook.com/sandra.fencl, bzw. abonniere meinen neuen Youtube-Kanalhttps://www.youtube.com/c/SandraFencl1001

Du möchtest ebenso konzentriert gemeinsam MIT deinem Pferd arbeiten? Dann komm in mein ganzheitliches Schiefenwebinar und lerne den Körper deines Pferdes noch besser kennen und verstehen! Alle Infos findest du hier: https://www.edudip.com/w/238762

Eine Übersicht aller aktuellen Webinartermine findest du auch hier: https://www.edudip.com/academy/sandra.fencl2

ODER: Was Vertrauen bedeutet und warum positive innere Bilder so wichtig sind….

Gestern war ich das erste Mal in meinem Leben mit Pferden schwimmen…. und zwar mit meinen eigenen Pferden (die dementsprechend auch noch nie schwimmen waren). Am Stall hat mich eine Stallkollegin gefragt, ob ich denke, dass meine Pferde ins Wasser gehen werden. Ich sagte: „JA, da bin ich mir SICHER„. Sie erwiderte: „Wie kannst du dir sicher sein, wenn sie es noch nie gemacht haben.“ Ich sagte: „Weil ich weiß, dass sie mit mir mitkommen werden, sie vertrauen mir.

Übrigens gleich mal vorweg: Normalerweise können alle Pferde von Natur aus schwimmen – so wie alle Hunde.  Sie müssen es nicht wirklich „lernen“. Jedoch ist es sicherlich anstrengend für sie am Anfang (auch geistig-emotional) und deshalb solltest Du die ersten Schwimmeinheiten mit deinem Pferd nicht zu lange gestalten 🙂 Und natürlich sollte Dein Pferd grundsätzlich schon mal Wasser kennen. Also Beine abspritzen etc. Obwohl es tatsächlich häufig so ist, dass Pferde das Abspritzen NICHT mögen, aber in ruhige Gewässer gern reingehen… Scheinbar mögen sie das Rumgespritze nicht 🙂

Am See angekommen – nach einem fast 9 km langen Ritt –  gab es erst mal eine kurze, wohlverdiente Graspause. Ich kann ja meine Pferde überall frei lassen, ohne, dass sie weggehen (ACHTUNG: NICHT ZUR NACHAHMUNG EMPFOHLEN!!!).

Pferde Wasser vertrauen

Nach ca. 30 Minuten Verschnaufpause hab ich dann meine Pferde an einer ruhigen Stelle ohne Menschen ins Wasser geführt. Isländerstute Fjola hat erst mal den Grund abgetastet und war final mit dem Kopf bis über die Augen und nur knapp unter den Ohren am tauchen. Da hatte ich kurz etwas Angst, denn neben dem Zungenbein ist das Innenohr das wichtigste Gleichgewichtsinstrument beim Pferd. Deshalb sollte (auch beim Abspritzen/Waschen) NIEMALS Wasser in die Ohren des Pferdes gelangen!

Pferd ins Wasser

Übrigens: Auch wenn ein Pferd nur durchs Wasser „watet“, MUSS es die Oberfläche des Wassers mit den Nüstern anblasen. Pferde können aufgrund ihrer seitlich sitzenden Augen nicht wirklich sehen, wie tief das Wasser ist. Sie müssen es daher „anblasen“ mit der Nase dicht über der Wasseroberfläche, um einschätzen zu können, wie tief ein Gewässer ist. Deshalb meine Bitte an Dich:

GIB DEINEM PFERD DIE MÖGLICHKEIT, die WASSERTIEFE EINZUSCHÄTZEN, indem Du ihm LANGE ZÜGELN durch ein VORSTRECKEN Deiner ARME gewährst. So hast Du Dein Pferd noch immer „im Griff“, Du ziehst aber nicht sin seinem Maul und Dein Pferd kann reell einschätzen, wie tief das Wasser ist. Viele Reiter wissen nicht, dass Pferde von oben nicht oder schlecht sehen können, wie tief ein Gewässer ist, und das ist auch der GRUND, WARUM VIELE PFERDE NICHT INS WASSER GEHEN WOLLEN!

Na ja, nach einem kurzen Fjola-Tauchgang hab ich meine beiden Helden dann angefeuert, mit mir ins Wasser zu kommen. Beide hatten kurze Zweifel, sind aber aufgrund meiner Zurufe gleich mitgekommen. Ich bin rückwärts geschwommen, sodass ich sie ansehen konnte…

mit Pferden Schwimmen

Mein Lusitano hat versucht, ganz dicht bei mir zu schwimmen, sodass ich ihn retten kann, falls er untergeht… Er hatte schon etwas Angst, als plötzlich kein Boden mehr unter den Füßen war. Meine Isländermaus hingegen hat das alles ziemlich cool gefunden und mit den Nüstern unter Wasser rumgeblubbert, mit den Beinen (wo sie noch stehen konnte) rumgeplanscht und bestimmt 5 x den ganzen Kopf inkl. Augen unter Wasser getaucht… Sie ist ein Seepferd!

Pferde ans Wasser gewöhnen

In jedem Fall war ich super stolz auf die Zwei und total „verliebt“…. Denn einmal mehr haben sie mir bewiesen, dass sie mir praktisch „blind“ vertrauen. Sie wissen, wenn ich ihnen sage, sie können das, dann WERDEN SIE ES SCHAFFEN – auch wenn sie selbst in dem Moment daran zweifeln.

Pferde Wasser

 

Dieses Vertrauen bekommt man aber nur geschenkt, wenn man

a) seine Pferde versteht und ihnen zuhört
b) seine Pferde nicht ständig überfordert
c) seine Pferde als gleichberechtigte Partner (oder in meinem Fall: Freunde und Familienmitglieder) ansieht und ihnen „eine Stimme gibt“.
d) für sie da ist – in GUTEN WIE IN SCHLECHTEN ZEITEN.

Und genau diese Punkte beachte ich und meine Pferde wissen das. Ich bin für sie da. Immer. Egal was passiert. Ich kümmere mich um sie. Und ich werde sie NIEMALS reiten oder ähnliches verlangen, wenn sie nicht fit sind… Das ist mein Versprechen… Ich wünsch Euch ganz viel Spaß mit Euren Pferden (mit und ohne Wasser)!

Eure 3er-Plansch- und Schwimmgruppe Sandra’s Seahorses 🙂

PS: Mehr Bilder demnächst auf meiner Fotoseite www.facebook.com/sandrafenclphotography 🙂

Wenn Pferde Angst vor Wasser haben

PPS: DANKE an meine Assistentin Nike Hertenstein fürs Fotografieren :)))