Ich stehe alleine mitten in Westchina und kein einziger Mensch versteht mich. Warum es Pferden oft genauso geht…

Letztens habe ich eine interessante Konversation in einer Reithalle mitgehört. Die Trainerin einer Dame hat sich über einen Reitschüler moquiert, den sie zuvor unterrichtet hatte (die Reitlehrerin ist mobil unterwegs und unterrichtet an verschiedenen Höfen). Sie sagt zu ihrerer (jetzt anwesenden) Reitschülerin: „Weißt Du, der hat halt nicht wirklich Talent zum Reiten. Da wird nie was Gescheites werden.“ Ich war um ehrlich zu sein schockiert und dachte mir für mich: „Nein, mit DER Reitlehrerin KANN das nichts werden.“

Aber nicht, weil der andere Reitschüler tatsächlich so schlecht ist, sondern wenn man einen Trainer hat, der NICHT an seinen Reitschüler glaubt, wie um Gottes Willen sollen dann Pferd und Reiter ECHTE Fortschritte machen? Das ist meiner Meinung nach ein Ding der Unmöglichkeit! Ich war echt verärgert, wie sich die Reitlehrerin über den anderen Schüler lustig gemacht hat. So was gehört sich einfach nich

Bei mir ist es genau anders rum. Ich bekomme häufig Pferde ins Training oder zum Unterricht, die nicht unbedingt mit dem 1a-Sportferrari-Exterieur beschenkt wurden. Sie haben manchmal „Gang“ (also mehr als 3 Grundgangarten), sind überbaut, vorhandlastig oder von ihrem Grundtyp eher „phlegmatisch“ oder haben große Bein-Koordinationsprobleme. In jedem dieser Pferde sehe ich aber ein „kleines Wunder“. Denn JEDES Pferd ist für mich schön und wundervoll. Und in jedem dieser Pferde sehe ich bereits geschmeidige Seitengänge, einen federleichten Galopp, eine kleine Passage und fliegende Galoppwechsel – auch wenn der Reiter selbst davon an dieser Stelle kaum zu träumen wagt… Aber in meinem gesamten Leben habe ich unter anderem ein Motto immer befolgt: „Think big, act small.“

Das heißt, jeden Tag versuche ich diese Pferde als „Puzzleteile“ zusammen zusetzen. Ein bisschen Hinterhand hier, ein bisschen mehr Aufrichtung da, etwas mehr Stolz und Freude beim Arbeiten und anerkennende Worte meinerseits – und das für beide: Mensch UND Pferd.

Und ich traue mich mit Überzeugung zu sagen, dass alle meine Schüler wirklich TOLLE Fortschritte machen, egal ob online oder offline – und das innerhalb kürzester Zeit. Warum, weil ich immer ein „großes“ Bild von meinen 2- und 4beinigen Schülern im Kopf habe und darauf hin arbeite. Jede Trainingseinheit, mit Gefühl, Engagement und Leidenschaft. Und das merken sowohl die 2- als auch die 4-Beiner. Gerade letzte Woche sagt eine Reitschülerin, die ich erst seit kurzem unterrichte, zu mir: „Sandra, ich muss Dir sagen, das Reiten mit Dir macht echt Spaß und ich habe sooo viel schon gelernt in der kurzen Zeit. Das ist etwas ganz anderes wie vorher.“

Warum schreibe ich das? Weil ich mich selbst beweihräuchern will? Weil ich mehr Reitschüler brauche und suche? Weil ich ungenützte Kapazitäten habe? Nein, nein, und nein! Ganz im Gegenteil   Ich bin an meinem Kapazitätslimit angekommen (und das schon länger). ABER: ich möchte Dir mit diesem kleinen Artikel eine Aufmunterung zum Nachdenken geben. Nämlich:

1. Auch wenn manche Reitlehrer deutlich teurer sind als andere, vielleicht ist der WERT, den sie in ihrem Unterricht vermitteln, deutlich größer als der, den andere, billigere Reitlehrer, in fünf Reitstunden nicht vermitteln können.

2. Möchte ich Dich zum Nachdenken anregen, wie wertschätzend DEIN Reitlehrer mit Dir umgeht und was Du so rückblickend in den letzten 3 Monaten von ihm oder ihr gelernt hast. Wenn das „nicht viel“ ist, würde ich mir überlegen, ob eine weitere Zusammenarbeit Sinn macht. Denn manchmal ist „billig einfach teuer“, weil wertlos… Und ich sehe viele Reiter, die über ein A-Niveau jahrelang nicht hinaus kommen. Das liegt aber weder am Pferd, noch am Reiter, sondern am Reitlehrer…

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir einen schönen Tag und einen Reitlehrer, der an Dich und Dein Pferd glaubt und Euch so fördert, wie Ihr es verdient habt: Nämlich effektiv und mit Leidenschaft!

Alles Liebe, Deine Sandra

 

PS: Wenn Du magst, und der selben Meinung bist, teile gern diesen Beitrag oder erzähle mir in einem Kommentar, welche Erfahrungen Du schon mit Deinen Reitlehrern gemacht hast!  Ich freue mich von Dir zu lesen, warum Du möglicherweise Deinen Reitlehrer wechseln solltest…!

Oder: Warum Du im Pferdesport nie aufgeben solltest!

Ich glaube, jeder von uns Reitern kennt das. Man übt, man reitet, geht motiviert zu einem Reitkurs und kommt unerwartet niedergeschmettert von Selbigem zurück. Weil der Trainer einen entweder mehr oder weniger zur Schnecke gemacht hat oder weil man selber festgestellt hat, dass in der Vergangenheit so einige Fehler passiert sind.

Das kann SEHR, SEHR frustrierend sein und es kann einen als Pferdebesitzer auch zornig machen. Schließlich hat man auch vorher schon in „Profis“ investiert, um jetzt festzustellen, dass man (oder frau) das Geld auch hätte in der Toilette runter spülen können. Tja. Was soll ich sagen. Ich gebe Euch hierfür folgenden Rat: Aufstehen, „Krone richten“ und weiter machen!

Es hilft nichts! Jeder, der schon länger im Reitsport ist, wird irgendwann sich mal in einer „Sackgasse“ befunden haben. Und das sehr häufig, OBWOHL man (ggf. sogar namhafte) Pferdeprofis an seiner Seite hatte. Ich selbst kenne das all zu gut. Ich weiß aus Erfahrung, wie enttäuscht, ratlos und oft verzweifelt zugleich man ist. Aber ich sage Dir eines: Jeder Mensch bekommt das Pferd, mit dem er weiterlernen soll (oder sogar MUSS)! Ich selbst bin ja Hufpflegerin und Pferdedentistin aus Verzweiflung geworden. Denn auch ich hatte die angeblich besten Profis an unseren Pferden und TROTZDEM kamen gesundheitliche Probleme auf.

Ich weiß, wie es ist, wenn man sich total allein (gelassen) fühlt und verzweifelt ist, weil man gerade gar nicht weiter weiß. ABER: Es gibt IMMER einen Weg! Und wenn ich heute auf meinen (oft sehr steinigen) Weg zurückblicke, so muss ich sagen: Jeder dieser Steine auf meinem Weg war sehr lehrreich und ich bin heute froh, dass es so viele waren! Denn all diese Steine haben zu meinem heutigen Wissen über Pferde geführt. Mein Wissen ist dadurch, wie ich glaube, sehr ganzheitlich geworden und trotzdem weiß ich, dass es noch viele weitere Mosaiksteinchen in meinem Pferdekosmos-Puzzle geben wird, und das eine oder andere mich auch ggf. etwas Nerven kosten wird. ABER: Selbst wenn ich manchmal das Gefühl hatte, vor einem „steinernen Meer“ zu stehen: Ich habe NIE aufgegeben. Und das war auch gut so.

Und warum ich genau heute diese Zeilen schreibe ist aus zweierlei Gründen:

1. Weil ich gerade vorgestern das Gefühl hatte, der unfähigste Reiter auf Erden zu sein (das hab ich ca. 1 x pro Jahr, aber die Leidenschaft fürs Reiten ist größer als die Depression und die Überlegung, aufzugeben… bis jetzt zumindest ? ).

2. Weil ich einer lieben Kundin erklären musste, dass sie ein „echtes Gesundheitsproblem“ bei ihrem Pferd hat und alle anderen „Profis“ rundherum das Problem „negieren“, sie aber erstaunlicherweise MIR glaubt, obwohl wir uns noch nicht lange kennen. Aber ich weiß, wie schwer es für sie gerade sein muss…. Wenn man auf einmal weiß, dass WIRKLICH Handlungsbedarf besteht und es einige Zeit im Pferde- und Menschenleben jetzt auf „holprigen Schotterstraßen“ weiter gehen wird. Aber es WIRD weitergehen und das ist wichtig zu sehen!

Und genau DESHALB schreibe ich heute diese Zeilen. Weil ich jedem, der diese Zeilen liest, Hoffnung machen möchte! Selbst wenn manche Wege unpassierbar wirken, wenn wir sie angehen und uns „anschnallen“, dann können wir es schaffen! Und unser Pferd auch! Denn Pferde geben uns nicht nur die Flügel, die wir nicht haben. Sondern sie „zwingen“ uns zum Wachsen und zum „Mutig sein“. 

Von den Pferden habe ich gelernt:

Fokussiere auf die LÖSUNG und nicht auf das Problem!

Und Pferde sind so starke, zähe Tiere, egal in welchem Zustand sie sind, sie können sich oft unglaublich verbessern und „wieder aufstehen“! Als Therapeutin habe ich soooo viele Pferde wieder voll beweglich und sogar reitbar gemacht, die eigentlich dem Tod geweiht waren (und manchmal haben sie mich mit dem Ergebnis auch völlig überrascht)! Aber ich habe an SIE geglaubt – und auch an mich, dass ich ihnen helfen kann. Deshalb glaube an DEINE EIGENE Kraft und auch an die Kraft Deines Pferdes, besser zu werden! Egal auf welcher Ebene, körperlich, oder emotional oder in der Ausbildungsskala. Wir können sooooo unendlich viel schaffen, wenn wir nur daran glauben!

Ich bin und war wohl immer schon ein relativ mutiger Mensch. Selbst als Kind bin ich immer „wild“ mit Pferden ohne Sattel und Zaumzeug rumgeritten. Weil sie mir beigebracht haben, wenn man mutig ist, und auf sich selbst vertraut, dann geht vieles (fast) von allein… ?

In diesem Sinne wünsche ich allen, die das Gefühl haben, in einer Pferde-Sackgasse zu stehen, etwas Mut und Energie, die Steine auf ihrem Pferde-Weg anzugreifen und aus dem Weg zu räumen (oder sich drauf zu stellen, wie Fjola das gern macht)… Denn es gibt IMMER eine Lösung, wenn man mutig ist! Ich freue mich, wenn ich Dir dabei helfen und unterstützen darf.

Alles Liebe!
Deine Sandra ❤

Immer wieder stelle ich mit Schrecken fest, wie oft es Kommunikationsprobleme und in weiterer Folge manchmal auch Gewalt im täglichen Beisammensein mit unseren Vierbeinern gibt.

Ein Beispiel: Ein Pferd nähert sich seinem Menschen. Der Mensch möchte aber nicht, dass das Pferd (zu) nahe kommt und zieht deshalb – um seinen eigenen, persönlichen Individualabstand zu wahren – instinktiv und OHNE ES ZU MERKEN den Oberkörper zurück oder macht ggf. sogar einen Schritt rückwärts. Das Pferd als Herdentier lernt: „Ich bewege diesen Zweibeiner“. Es fühlt sich im Rang somit höher und überlegen. In weiterer Folge wird es immer deutlicher den „Raum“ und Platz des Menschen für sich beanspruchen, „drückt“ also immer (oft erst mal unterschwellig) mehr in den Sicherheitsbereich des Menschen und würde im „Notfall“ auch den Menschen überrennen (dieser hat ja auszuweichen).

So, irgendwann merkt der Mensch dann, dass ihm sein Pferd zu sehr „auf die Pelle rückt“ und schubst es zurück. Das Pferd hat aber ggf. schon 20 x den Menschen „verdrängt“, ohne das es dieser gemerkt hatte… Deshalb ist das Pferd sich seines Ranges dem Menschen gegenüber nun sehr sicher und ist deshalb dementsprechend „konsequent“ in der Inanspruchnahme seiner freien „Platzwahl“. Der Mensch wird irgendwann böse und reagiert mit Aggression und ggf. auch Gewalt, also schlägt dem Pferd mit der Hand oder Gerte vielleicht sogar in Richtung Gesicht – aus Angst und Selbstschutz und „um sich zu behaupten“.

Diese Reaktion wäre aber niemals nötig gewesen, wenn der Mensch von Anfang an seinen eigenen Raum „verteidigt“ und dem Pferd bei den ersten „Annäherungsversuchen“ eine klare Grenze gezeigt hätte. Je öfter man seinem Pferd nämlich so etwas durchgehen lässt bzw. sich verdrängen lässt, desto vehementer wird das Pferd seine höhere Position verteidigen.

Tja, und dann ist es insgesamt nicht sehr schön für eine feine, gerechte und auch konsequente und vertrauensvolle Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Denn das Pferd wird die überschießende Reaktion des Menschen als „nicht planbar“ einstufen. Und Pferde als Beute- und (größtenteils) Fluchttiere mögen keine unplanbaren „Dinge“. Wie bei Zweibeiner-Beziehungen ist ein „planbares Verhalten“ und ehrliche, faire Umgangsformen (die launenunabhängig sind) das A & O einer soliden und sicheren Pferd-Mensch-Gemeinschaft. Das heißt nicht, dass man Pferde nicht korrigieren soll oder darf, sondern es möglichst immer GLEICH tun sollte und im entsprechend korrektem (feinen) Ausmaß.

Vielleicht „beobachtest“ Du Dich auch mal und erwischt Dich dabei, wie du ungewollt und auch unbewusst einen Schritt rückwärts machst oder deinem Pferd mit dem Oberkörper ausweichst... Dann ist es auch kein Wunder, wenn Dein Pferd sonst etwas „frech und rüpelhaft“ mit Dir umgeht. Schließlich ist das Grundprinzip eines Herdentieres „Wer bewegt wen“ und wenn das Pferd gelernt hat, dass es DICH bewegt, dann wird es auch sonst nur ungern zuhören, was der „Rangniedrigere“ zu sagen hat…

Wer hat von Euch die gleichen oder auch andere Erfahrungen gemacht? Ich bin SEHR gespannt, auf Euer Feedback zu diesen Zeilen und wünsche Euch einen schönen Sonntag!

Eure Sandra

Letztens bin ich über einen Artikel auf Facebook gestoßen, der aussagt, dass Pferde sich erinnern, ob man das letzte Mal das Pferd angelächelt hat oder „böse geschaut“ hat.

Ich bin ja immer etwas amüsiert, wenn bahnbrechende, wissenschaftliche Studien veröffentlicht werden, von Dingen, die mir seit meiner Kindheit einfach intuitiv klar sind. Aber viele Menschen vertrauen solchen „Untersuchungen“ leider mehr als ihrem Bauchgefühl. Tja, Intuition wird leider sehr häufig im Erwachsenenalter verlernt…

Zurück zum Thema: Mir ist schon seit LANGEM klar, dass Pferde sehr wohl unsere Gesichter, Stimmungen und häufig auch Gedanken „lesen“ können. Sie verfügen über unglaublich feine Antennen und spätestens seit dem Besitz meines Wildpferde-Lusitano-Prinzenbubis weiß ich, WIE FEIN diese Antennen sind. Er kommt normalerweise immer freudig – auch von der Wiese – an, aber wenn ich Stress habe, dann kommt er angehoppelt und dreht ca. 50 Meter vor Ankunft bei mir wieder ab und sagt damit ganz klar: „Frauchen, Du hast Stress, bring Dich erst mal in Deine Mitte, und komm dann wieder.“

Klares Pferd, klare Ansage.

 

Deshalb meine Bitte an Euch: Wenn Ihr merkt, dass mal im Pferdetraining gar nichts klappt, wenn Ihr merkt, dass Ihr nicht gut drauf seid oder wenn Euer Pferd grundsätzlich nicht gern von der Weide zu Euch kommt oder ein „Trainingsmotivationstief“ hat, dann überlegt mal bitte: „Wie wirke ich auf mein Pferd?“

– Bin ich ständig schlecht gelaunt?
– Schau ich immer böse drein?
– Bin ich ungerecht mit meinem Pferd?
– Erwarte ich zu viel von meinem Pferd (bei der Hitze)?

Wenn Du nur eine der obigen Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, dann ist es kein Wunder, wenn Dich Dein Pferd nicht als „Sonnenschein seines Lebens“ sieht…

Hier noch der Artikel – auch wenn ich das alles immer „gefühlt“ habe, für die, die es etwas „wissenschaftlicher“ möchten, hier steht es schwarz auf weiß: Pferde „lesen und verstehen“ uns tiefer, als es den meisten Menschen bewusst ist:

https://www.newscientist.com/article/2167423-horses-remember-if-you-smiled-or-frowned-when-they-last-saw-you/

In diesem Sinne wünsche ich Dir und Deinem Pferd einen schönen, entspannten Tag!

Deine Sandra

Gedanken zum Sonntag: Warum wir ein echter „Coach“ für unser Pferd sein sollten!

Wow, was war das gestern für ein Fussballkrimi-Abend??? Mir sitzt noch immer das Adrenalin im Körper. Ich konnte gestern vor lauter Aufregung ewig nicht schlafen. So hatte ich Zeit, über das Spiel nach zu denken. Und da wurde mir bewusst, wie sehr ich Respekt habe vor der Performance der deutschen Nationalelf. Nicht unbedingt, wie sie technisch gut oder schlecht gespielt haben (das kann ich glaub ich als Nicht-Fussballspielerin gar nicht so richtig beurteilen), sondern vor ihrem Kampfgeist.

In ein Spiel zu gehen, bei dem es so ziemlich um „alles oder nichts“ geht… Dann gleich mal ein Tor zu kassieren und dann aber in der zweiten Hälfte wirklich alles zu geben, um irgendwie das Spiel zu retten, ohne kopflos zu werden – und das wirklich bis zur letzten Minute (oder fast Sekunde!). Das finde ich wirklich bemerkenswert!

Du fragst Dich jetzt bestimmt: „Was hat das jetzt eigentlich mit reiten zu tun?“ Dass wir beim Reiten „Kampfgeist“ beweisen sollen? Beim Turnier und in Prüfungen MIT unserem Pferd, ja. ABER was ich viel wichtiger finde, und das ist es, was ich hier bewundere: Ist der Glaube an sich selbst, und das im tagtäglichen Training!

Vergiss nie: die Motivation Deines Pferdes liegt in Deinen Händen!

Die Motivation Deines Pferdes liegt in Deinen Händen!

Vergiss nie: Die Motivation des Pferdes beginnt ganz oft im Kopf des Reiters!

Bis zum Schluss hat die Fussballnationalmannschaft an sich geglaubt (auch wenn sicherlich viele andere nicht mehr an sie geglaubt haben). An sich selbst und beim Reiten, an sein Pferd zu glauben, ist ebenfalls wahnsinnig wichtig. Denn wer soll an unser Pferd glauben, wenn nicht wir selbst? Wie soll ein Pferd besser werden, wenn es nicht optimal gefördert und motiviert wird?

Und die Motivation des Pferdes beginnt ganz klar im Kopf – und zwar vor allem im Kopf des Reiters! Pferde spüren die Energie, die ein Reiter ausstrahlt. Pferde spüren auch, ob ein Reiter an sein Hotti glaubt, oder nicht. Pferde spüren, dass ein Reiter vorm Sprung unsicher wird – und verweigern, oder laufen dran vorbei…. dem Reiter zu Liebe… Und kassieren dafür dann oft Strafe!

Was will ich Dir damit sagen? Betrachte Dich als Coach Deines Pferdes. Was glaubst Du, was Jogi Löw in der Halbzeitpause zu seinen Spielern gesagt hat? „Ihr seid alle Looser, wir verlieren sowieso!?“ Wohl kaum! Er hat an sie geglaubt und ihnen weiß gemacht, dass wenn sie an sich glauben, sie das Spiel noch gewinnen können… und sie haben es geschafft! In der allerletzten Minute!

Deshalb: Das nächste Mal, wenn Du zu Deinem Pferd gehst. Trainiere eine Übung, die für Dein Pferd oder Dich (oder beide) anspruchsvoll ist. Überprüfe vorab, ob Du fit, gut gelaunt und konzentrationsfähig bist. Auch ist es wichtig, dass Du eine konkrete Anleitung im Kopf hast, wie die Übung in Perfektion aussehen soll und wie Du sie reitest oder am Boden trainieren sollst. Es ist egal, ob es eine schöne ganze Parade ist, ein fliegender Galoppwechsel, eine Trabtraversale oder ein wirklich sauberes Schulterherein im Schritt mit lockerem Hals und aktiver Hinterhand ist!

Wenn Du ein guter Coach für Dein Pferd oder Pony bist, könnt Ihr gemeinsam Großes erreichen :)

Wenn Du ein guter Coach für Dein Pferd oder Pony bist, könnt Ihr gemeinsam Großes erreichen 🙂

Praxistipp: Das klare, positive innere Bild von jeder Übung hilft Dir UND Deinem Pferd!

Habe ein ganz klares, positives Bild von der Übung. Stelle dieses positive Bild als „Standbild“ in Deinen Kopf ein und trainiere ganz entspannt die Übung. Wiederhole sie, wenn sie nicht gleich klappt und lobe Dein Pferd intensiv für jeden guten Schritt, Tritt oder Sprung (mit der Stimme „Brav!“ zu sagen, reicht…). Korrigiere Dein Pferd bei „Verbesserungspotenzial“ freundlich, aber konsequent. Wenn die Übung sehr schwer für Dein Pferd ist, zerlege sie in „Einzelteile“, also einzelne Schritte, die Du separat übst, um sie dann wieder zu einer gesamten Lektion zusammen zu setzen.

Wiederhole die Übung die nächsten drei Trainingseinheiten. Glaube jedes Mal ganz fest daran, dass Du und Dein Pferd sie in Perfektion ausführen können! Freue Dich darauf, wie toll die Übung aussehen wird, wenn Du und Dein Pferd sie par excellence vollführen. Sei stolz auf Dich und Dein Pferd für jeden Fortschritt! Und sei erstaunt, wie schnell Dein vierbeiniger Freund Fortschritte machen wird 🙂 Denn Dein Pferd wird merken, wie sehr Du daran glaubst, dass ihr es GEMEINSAM ALS TEAM schaffen könnt!

Welche Übung wirst Du trainieren? Ich würde mich sehr über ein kleines Feedback zu diesem Artikel freuen 🙂 Der Artikel darf wie immer sehr gern auch geteilt werden!
Zirzensik Webinar Sandra Fencl

In diesem Sinne wünschen wir Euch eine schöne, restliche WM!
Deine Sandra, Rufino und Fjola 🙂

PS: Wenn Du noch mehr mit Deinem Pferd zu einem Team zusammen wachsen möchtest, dann bist Du bei meinem KOSTENLOSEN LIVE-WEBINAR zum Thema „zirzensische Gymnastik – Pferde sinnvoll motivieren und gymnastizieren“ genau richtig. Hier geht’s zur Gratis-Anmeldung: https://www.edudip.com/w/297964

PPS: Für mein tolles Zirzensik-Einführungsseminar am Sonntag, 01. Juli 2018 in 85386 Günzenhausen bei Eching im Norden von München gibt es noch sehr lehrreiche Zuseherplätze 🙂 Sehr gern sende ich Dir eine unverbindliche Kursausschreibung zu. Schick mir bitte einfach eine Email an info@sandrafencl.com 🙂

Gedanken zum Sonntag: Warum wir nur in der Stille zu uns selbst und zur Balance unseres Pferdes finden

Immer wieder stelle ich in Gesprächen mit meinen (Online-)Reitschülern fest, dass man oft in seinem Verhalten beeinflusst wird, wenn andere Leute einem beim Reiten zusehen. Egal ob ein fremder Reitlehrer, eine Reitkollegin, die man besonders schätzt oder auch auch gar nicht mag, eine Trainerkollegin oder vielleicht auch der eigene Freund – wenn man sich „unter Beobachtung fühlt“ – dann ist plötzlich alles anders.

Man reitet auf einmal Lektionen, die eigentlich noch gar nicht an der Reihe waren. Man versucht seine tollste Trabverstärkung zu zeigen oder übt halbe Tritte, obwohl das Pferd noch gar nicht dafür bereit ist. Und plötzlich – ja, plötzlich – geht gar nichts mehr! Das Pferd will nicht und wir ärgern uns, weil wir doch genau jetzt wo A oder B zusieht, besonders schön reiten wollten. Und da lässt uns unser Pferd im Stich…

Tut es das wirklich? Die klare Antwort ist: Nein! Es hält uns nur einen Spiegel vor. Es sagt uns ganz klar, dass es nicht unsere Marionette des Ehrgeizes oder Statussymbol oder Objekt zur Profilierung unseres Egos ist, sondern ein feinfühliges Wesen, das Respekt und Konzentration verlangt! Ja, die Konzentration ist es, die die WAHREN Erfolge mit dem Pferd sicher stellt. Und zwar eine Art von Konzentration, die eher an Meditation erinnern lässt als an „angestrengtes Fokussieren“.

Denn nur wenn wir diese innere Stille finden, nur wenn wir den Kopf leer machen und frei von Gedanken sind wie „Was esse ich heut abend?“ oder „Oh, ich muss noch einkaufen gehen, jetzt noch schnell galoppieren und dann heim.“ Oder: „Ah, der XY sieht zu, na, dem zeig ich jetzt mal, was mein Pferd schon alles kann.“ Ja, wenn wir all diese Gedanken beiseite räumen und nur still in unser Pferd reinhören, nur dann können wir mit ihm zu einer Einheit verschmelzen.

Pferde richtig trainieren

Und genau das ist es, was ECHTES Pferdetraining für mich ausmacht: In sein Pferd hineinhören. Ihm zuhören. Und sich jeden Moment fragen: „Wie kann ich meinem Pferd helfen, seine perfekte innere wie äußere Balance zu finden? Wenn ein Pferd sich beispielsweise kurzfristig etwas aufregt, weil ihm eine neue Lektion noch etwas schwer fällt oder das Pferd galoppieren etwas „aufregend“ findet, dann mache ich einfach leichten Kontakt am Hals mit einem Finger. Das sieht man von außen kaum (ist mir auch egal), aber das Pferd merkt sofort, ich habe seinen emotionalen Zustand gemerkt und bin für mein Hotti da und ich bin präsent. Die Pferde reagieren fast immer mit sofortiger Entspannung (abgesehen davon sind am Widerrist auch „Entspannungsreflexpunkte“). Denn „verstanden werden“ ist für Pferde genauso wichtig wie für uns. Das gibt ihnen Sicherheit.

Aber auch auf körperlicher Ebene ist es wichtig, jeden Moment präsent zu sein. Jeden Moment zu schauen, ob ein Bein zu viel Last trägt und damit Takt und Losgelassenheit negativ beeinflusst werden. Jeden Moment dem Pferd eine Hilfe in der Findung seiner eigenen Balance sein. Nur ein Pferd, das in körperlicher Balance ist, wird auch wirklich seelisch ausgeglichen sein können. Und um unserem Pferd in Balance zu verhelfen, müssen wir selbst auch in Balance sein. Und beim Pferd. Nicht „in der Arbeit“. Nicht beim Streit mit dem Freund. Nicht bei Zusehern, die unser Reiten ggf. argwöhnisch verfolgen.

Nur bei unserem Pferd. Und wenn wir das sind, Tag für Tag, Woche für Woche, dann wird sich der Trainingserfolg selbst einstellen. Denn durchs „stille Fühlen“ werden wir unserem Pferd zu besserer Balance verhelfen. Denn nur wer still ist, kann wirklich fühlen. (Deshalb darf ich in Reitstunden auch nicht sooo viel plappern mehr… ).

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen stillen Sonntag!

Mein Lusitano Rufino war der beste Lehrmeister, um mich zur "inneren Stille" zu bringen :)

Mein Lusitano Rufino war der beste Lehrmeister, um mich zur „inneren Stille“ zu bringen 🙂                       Foto: Alisa Konrad

Eure (sonst sehr aufgeweckte) Sandra

PS: Wenn Du an Dir selbst „arbeiten“ möchtest, dann bist Du in meinen nächsten Online-Seminaren GENAU richtig. Ich bin so wahnsinnig stolz auf meine Teilnehmer aus den Verlasspferdekursen, weil sie sooooo glorreiche Fortschritte machen, dass ich manchmal fast zu Tränen gerührt bin 🙂 Wenn Du unverbindlich verständigt werden möchtest, wenn der nächste Online-Verlasspferdekurs oder Online-Zirzensikkurs startet, schreib mir bitte einfach eine Email an info@sandrafencl.com 🙂

Meine lieben Pferdefreunde!
Ich hoffe, Ihr habt die Weihnachtstage gut verbracht! Jetzt ist es Zeit nach vorne zu schauen, denn das neue Jahr wartet und mit ihm die Chance, das Jahr 2018 zum besten Jahr Deines Lebens für Dich und Dein Pferd zu machen (nicht nur, weil mein Online-Verlasspferdekurs am 14.02.2018 startet, hihi). Ich empfinde den Jahreswechsel jedes Jahr als Chance, das vergangene Jahr zu reflektieren und mit neuem Elan, neuen Ideen und neuer Kraft in ein neues Jahr zu starten!

Heute habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, warum es so wichtig ist, auch mit seinem Pferd bewusst Dinge hinter sich zu lassen und „neu zu beginnen“. Viel Spaß beim Lesen und sehr gern auch teilen und weiterleiten, wenn Du die Gedanken als sinnvoll erachtest 🙂

Neues Jahr, neues gemeinsames Glück :)

Neues Jahr, neues gemeinsames Glück 🙂

Eine häufige Krux: Pferde leben im JETZT, viele Menschen in der Vergangenheit

Was ich immer wieder beobachte – und da nehme ich mich selber nicht aus – ist, dass viele Menschen zu sehr an der Vergangenheit festhalten wollen. Ein einfaches Beispiel aus der Reiterpraxis: Wenn das Pferd zB gestern gebuckelt hat, steigen die meisten Reiter schon mit einem mulmigen Gefühl aufs Pferd. Das Pferd spürt aber sofort die Spannung und unterschwellige Angst, und reagiert selbst mit Spannung – und buckelt wieder. Ein Teufelskreislauf beginnt …

Auch bei meinen Therapiekunden ist es oft schwer, alte Probleme wie lange Krankheit oder Taktprobleme „los zu lassen“. Auch wenn das Pferd wieder fit ist, wird es weiterhin geschont und „mit Samthandschuhen angefasst“. Ich verstehe nur zu gut, dass das ein natürlicher Prozess ist, aber eines ist klar: Ein gesundes Pferd möchte „gesund“ behandelt werden. Es möchte nicht nur im Schritt auf geraden Linien vorsichtig geführt werden. Ein gesundes Pferd möchte seine Bewegungskapazität nutzen und gefördert werden!

Pferde sind unheimlich feine, sensible Wesen. Sie merken jeden Gedankengang in uns – und sie verarbeiten das in einer gewissen Art und Weise. Manche Pferde „schauspielern“ sogar bzw. gehen auf die Unsicherheit ihrer Besitzer ein. Sie bewegen sich ganz vorsichtig und werden so für immer „geschont“…

Ein Pferd, das immer nur mit Samthandschuhen angefasst wird, wird nie sein volles Potenzial und auch seine volle Freude an der Bewegung entfalten können. Vielleicht wird es sogar wieder krank, weil es selbst Angst vor der freien Bewegung bekommt. Immer wieder muss ich Therapiekunden ganz klare Anweisungen geben, das Pferd „gesund“ zu behandeln und auch in seiner Bewegung zu fördern und zu fordern, damit es gesund und beweglich wird bzw. bleiben kann 🙂

Auch wenn ein Pferd länger krank oder lahm war, ist es wichtig, nach vorn zu schauen.

Auch wenn ein Pferd länger krank oder lahm war, ist es wichtig, nach vorn zu schauen.


Deshalb: Wenn Dein Tierarzt oder Therapeut Deines Vertrauens sagt, Dein Pferd ist ok, dann behandle es auch so. Ganz normal.
Wie ein Pferd, das Du neu hast, bei dem Du nichts über die Vergangenheit weißt. Arbeite selbstbewusst und mit Freude mit ihm und fördere es, aber überfordere es nicht. Eine positive Grundstimmung im Training ist wahnsinnig wichtig. Nur so kann das Training beiden Spaß machen und Früchte tragen 🙂

Ein weiteres Problem ist, dass die Reiterhilfen oft nicht fair und „exakt“ gegeben werden

Ein klassisches Beispiel aus der Praxis: Ein Pferd ist beispielsweise etwas triebig. Der Reiter weiß das, treibt kurz mit dem Schenkel, das Pferd reagiert nicht, und aus Gewohnheit wird das Pferd mit einem massiven Gertenhieb gestraft. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, die Gerte auch mal effizient einzusetzen, wenn es denn nötig  und gerechtfertigt ist.

ABER: Man muss immer dem Pferd die Chance geben, auf die KLEINST MÖGLICHE HILFE zu reagieren und die Impulse fair steigern. Und wenn man das so von Anfang an macht und das Pferd korrekt ausbildet, dann braucht man eigentlich so gut wie nie eine Gerte 🙂

In diesem konkreten Beispiel hätte man die Gerte nach dem Ignorieren der Schenkelhilfe ruhig einsetzen können, ABER fein! Und wenn das Pferd dann nicht reagiert hätte, etwas „deutlicher“ und dann als dritte Gertenhilfe von mir aus auch wirklich deutlich. Wenn man diesem „Stufensystem“ der Hilfen folgt, weiß das Pferd mit der Zeit ganz klar, „wenn ich auf die 2. Gertenhilfe nicht reagiere, dann wird es etwas unangenehm“  – und es wird mit Garantie (wenn es gesund und leistungsfähig ist), dann bereits auf die erste oder zweite Gertenhilfe, und langfristig sogar auf einen feinen Schenkelimpuls reagieren.

Feine Pferde bekommt man nur durch feine und FAIRE Hilfen. Und fair heißt immer, der Situation entsprechend so fein wie möglich dosiert, jedoch so deutlich wie nötig. Nur das umzusetzen schaffen viele Leute leider nicht. Weil sie teilweise sich gar nicht so wirklich Gedanken machen, wie die Dosierung der Hilfen bzw. „das Ansteigen der Hilfen“ aussehen müsste. Da wird einfach stumpf ins Pferd mit den Schenkeln reingeklopft und auch nicht aufgehört, wenn dann tatsächlich mal eine Reaktion des Pferdes kommt. Das Pferd lernt, es kann es gar nicht richtig machen. Denn auch auf ein Annehmen der Hilfen des Pferdes hat fälschlicherweise weder ein Lob, noch ein „Ablassen“ (also Aussetzen) der Hilfen zur Folge. So können Pferde nicht lernen. So können Pferde auch nicht besser und rittiger werden. So werden Pferde nur frustrierter und demotivierter.

An manchen Tagen ist es "fairer", am Boden zu bleiben, und nicht zu reiten.

An manchen Tagen ist es „fairer“, am Boden zu bleiben, und nicht zu reiten.


Deshalb: Mein Wunsch an Dich fürs Neue Jahr 😉 Bevor zu Deinem Pferd gehst:

1. Leere Deinen Kopf. Gehe OHNE ERWARTUNGSHALTUNG zu Deinem Pferd. Vergiss, was gestern war. Freue Dich auf die HEUTIGE Trainingseinheit. Mach Dir zwar Gedanken, wie Du ans gestrige Training anknüpfen möchtest, aber sei positiv eingestellt und hab ein schönes, positives Bild im Kopf (Kein: „Oh Gott, gleich buckelt er wieder!“ – weil wenn Du das erwartest, wird er auch buckeln!).

2. Überprüfe vor dem Training, ob Du mental und körperlich überhaupt fähig bist, reaktiv und effizient und somit pferdegerecht  dem Pferd Signale und Hilfen zu geben. Denn Hilfen – wie der Name schon sagt – sollen dem Pferd HELFEN, besser in seiner Balance und somit besser in seinem Körper zu werden. Sie sollen das Pferd weder abstumpfen noch frustrieren noch unangenehm sein. Nur ein Reiter, der „klar im Kopf (also nicht müde) und körperlich fit“ ist, kann seinem Pferd faire Hilfen geben. Deshalb ist auch Ausgleichssport und vielleicht auch Yoga oder Meditation eine sinnvolle Sache fürs Neue Jahr 🙂

Ich bin auch nicht jeden Tag fit genug, um zu reiten. Auch ich sitze manchmal im Büro und fühle mich danach steif (trotz Sitzball und Schwinghocker). Und manchmal bin ich einfach geistig müde und somit „zu langsam“, um fair und sinnvoll Reiterhilfen zu geben. Was tue ich dann? Ich fahre zu meinen Pferden und mache Freiarbeit oder Zirzensik, das macht unheimlich Spaß und ich komme in „Bewegung“ und „erde“ mich damit auch gleichzeitig 🙂 So habe ich trotzdem meine Pferde sinnvoll gearbeitet, wir hatten gemeinsam Spaß und ich gehe mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause.

Würde ich an solchen Tagen zumindest meinen Lusitano (der extrem reaktionsschnell ist) reiten, wären wir danach beide frustriert! Und das bringt gar nichts… Deshalb traue Dich auch mal bewusst NICHT zu reiten – oder sogar zu  Hause zu bleiben. Denn jedes Negativtraining, jedes frustrierende Erlebnis, das Du und Dein Pferd gemeinsam haben, das bringt Euch weder mehr zueinander, noch ist das Training, das Euch in der Ausbildung voran bringt… Manchmal ist weniger halt doch mehr…

Mit diesen stillen Gedanken wünsche ich Dir und Deinem Hottie schon mal einen guten Rutsch in ein fröhliches, gesundes und auch erfolgreiches Jahr 🙂 Falls Du übrigens Interesse hast, mehr über pferdegerechte Ausbildung zu lernen, setze ich Dich sehr gern auf meinen unverbindlichen Newsletter für meine Online-Verlasspferdeausbildung 🙂 Einfach Email an info@sandrafencl.com senden und schon bekommst Du alle Infos und kostenlose Videoinhalte zugesendet 🙂

Faires Training macht allen Spaß :

Faires Training macht allen Spaß 🙂

Alles Liebe!
Deine Sandra, Rufino und Fjola

PS: Wie Du Dein Pferd auf die Silvester-Knallerei vorbereitest, habe ich in diesem Blogbeitrag zusammengefaßt:
https://www.sandrafencl.com/aktuelles-114-133/aktuelles-132/10-tipps-fuer-ein-entspanntes-pferd-an-silvester/

Gestern hatte ich viel Büroarbeit zu bewältigen, also war ich etwas spät bei meinen Pferden. Zu allerst habe ich mein Berittpferd trainiert, danach hatte ich (wegen Stallzeiten) nur noch 1 Stunde Zeit für meine beiden eigenen Hotties, Isistute Fjola und Lusitanowallach Rufino. Ich überlege also, wie ich in weniger als 60 Minuten jetzt noch beide Pferde sinnvoll arbeiten könnte. Ich habe mich dann für „Handpferde Reiten in der Halle“ (es hat aus Kübeln geregnet und war schon dunkel) entschieden.

Also reite ich Rufino und Fjola trottelt brav im Schritt nebenher. Alle meine eigenen und alle meine Berittpferde werden zu Handpferden ausgebildet. Egal ob Friesenhengst oder Minishetty, ich finde Handpferdetraining eine überaus sinnvolle und auch praktische Trainingsform (übrigens lernt man das in meinem Online-Verlasspferdekurs mit Start Anfang 2018!!!). Ich reite also Schritt. Es ist kalt und nass draußen und Rufino ist etwas unbalanciert. Ich öffne den linken Zügel, damit er etwas mehr Gewicht auf die linke Schulter bringt und die rechte nicht so überlastet. Er schnaubt ab.

Balance hat sehr viel mit „Wohlbefinden“ zu tun. Wenn Du es schaffst, Deinem Pferd ein besseres Gleichgewicht zu geben, wird es Dich dafür allein schon lieben 😉 Ich korrigiere seinen Rumpf der nach rechts drückt. Ich reite noch immer Schritt. Ich fange mit diversen Seitengängen an. Die kleine Fjola versucht als Handpferd die Seitengänge mit zu machen (sie entwickelt sich gerade zu einem echten Streberpony).

Ich versuche, die Stellung von Rufino nach rechts zu verbessern. Spiele immer wieder locker am Zügel ab, gebe immer wieder nach, damit er den Hals verlängert, wechsle häufig die Hand und die Ausrichtung (also den Seitengang). Er schwingt immer mehr mit den Hinterbeinen durch und lockert sich im Genick. Wir sind noch immer im Schritt. 45 Minuten sind schon vorbei.

Ich überlege, ob ich noch etwas trabe. Aber irgendwie hab ich das Gefühl, Rufino ist heut nicht so weit. Ich arbeite also weiter im Schritt an den Seitengängen, mache Tempounterschiede im Schritt und immer wieder eine ganze Parade gefolgt von ein paar Tritten rückwärts.

Es ist jetzt 8 Minuten vor 22 Uhr (um 22 Uhr ist Stallruhe). Ich denke: „Ach, ein paar kleine Piaffetritte könnte ich zum Schluss noch probieren„. Rufino ist ein sehr bemühtes Pferd, aber die Piaffe fällt ihm schwer. Piaffe ist eine Lektion, wofür manche Pferde wahnsinniges Talent haben, und andere nicht. Rufino gehört zur 2. Kategorie. Lernen können diese zugleich lösende und versammelnde Übung alle Pferde. Nur wie schön oder gut der Ausdruck dann ist, bleibt am Ende doch auch ein bisserl Talentfrage. Mir ist es egal, wie „wow“ oder nicht „wow“ Rufino piaffiert. Er hat wenig Talent dafür, aber er bemüht sich wie immer sehr. Und langsam aber stetig wird die Piaffe auch „erkennbar“ 🙂

Mental starke Pferde haben immer mental starke Reiter - und das gibt Sicherheit!

Rufino hat wenig Talent für die Piaffe. Aber wir haben Zeit… sehr viel Zeit… und so üben und feilen wir an dieser gymnastisch so wertvollen Lektion, bis sie irgendwann ansehnlich ist 🙂

Ich lass ihn nochmals rückwärtsrichten und schnalze kurz mit der Zunge. Ich habe keine Erwartungshaltung. Aber siehe da, Rufino piaffiert so gut wie noch nie. Er tritt ganz gleichmäßig mit beiden Hinterbeinen, beugt ganz geschmeidig seine Hanken, ist gut aufgerichtet und total entspannt. Ganz fleißig und im perfekten Rhythmus präsentiert er mir mit Stolz am losen Zügel seine Piaffe. Ich freu mich wie ein Riesenschnitzel und der erste Gedanke der kommt ist: „Und das, nachdem ich „nur“ Schritt geritten bin.“

Ich erinnere mich an die Worte von einem portugiesischen Trainer, der einmal gesagt hat: „Du musst immer ohne jegliche Erwartungshaltung aufs Pferd steigen. Du musst immer Dein Pferd „fühlen“, entdecken und spüren, wie Du ihm helfen kannst. Und das jeden Tag neu. Und dann machst Du die Übungen, die ihm helfen, in seinem Gleichgewicht besser zu werden.“

Ich lächle. Ich hatte gar keine Erwartungshaltung an diesem Abend an meine Pferde. Ich bin einfach nur geritten. In aller Stille, ganz allein in der Halle. Ohne Musik. Ohne Lärm. Ohne Ablenkung. Ohne Idee oder vorgefertigten Plan, WAS ich heute reiten werde. Und genau das hat diesen Ritt wahrscheinlich so wunderbar gemacht.

Ich wünsche Euch allen einen einen schönen Sonntag und wundervolle Ritte in aller Stille und ohne große Erwartungen mit Euren lieben Vierbeinern!

Eure Sandra, Rufino und Fjola 🙂

PS: Ich baue gerade an meinem neuen Online-Verlasspferd-Kurs. Wenn Du noch nicht am „unverbindlichen Interessens-Verteiler“ bist, sende mir bitte gern eine Email an info@sandrafencl.com. Ich bin mir GANZ sicher, dass Dir der Kurs super gut gefallen wird 🙂

Neulich lese ich ein Zitat von Goethe:
 
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben.“
(Johann Wolfgang von Goethe – deutscher Dichter, 1749-1832)
 
Ich schmunzle und denke: „So recht hatte Goethe“.
 
Ich denke sofort an meine letzten Kurserfahrungen… Tolle Teilnehmer und tolle Pferde. Aber immer wieder stelle ich fest, dass Pferdebesitzer direkt ein „schlechtes Gewissen“ haben, wenn sie merken, dass sie Dinge falsch machen oder falsch gemacht haben oder schlecht sitzen oder einfach zu langsam in ihren Reaktionen/Hilfen sind…
 
Nun ist es für die meisten genauso wie für mich so, dass wir NICHT als Reiter geboren werden… Reiten ist eine koordinativ hochkomplexe Sportart, die dann zu allem Überdruss auch noch mit einem Fluchttier, das nicht dafür gemacht ist, uns zu tragen, stattfindet… Tja, ein Raubtier auf ein Fluchttier zu setzen, ist ja per se schon eine ziemlich lustige Idee, wie ich finde…
 
So, zurück zum Thema: Reiten ist also schwierig. Ein Sprichwort sagt: „Ein Menschenleben ist zu kurz zum Reiten lernen.“ Das mag sogar sein 🙂 Ich reite seitdem ich 6 Jahre alt bin… Das sind also jetzt mal schlappe knapp 33 Jahre (ja, ich bin ALT!!!!). Und trotzdem reite ich noch nicht so, wie ich mir das vorstelle… und das, obwohl ich PROFI bin.
Nun ja, der Anspruch mag eher hoch sein, aber was ich damit sagen möchte: „Wenn ich als Profi noch immer nicht meine eigenen Ziele erreicht habe, dann müssen sich Pferdebesitzer schon 3 x nicht „schlecht fühlen“, Fehler zu machen!
 
Ich habe schon wirklich sehr, sehr, seeeeeeeeeeeeehr viele Pferde in meinem Leben gesehen und auch viele Pferdebesitzer dazu. Und was ich sagen kann, ist: (ACHTUNG, jetzt kommt ENDLICH die POINTE):
 
Wenn Du mit Deinem Pferd mit offenem Herzen und bestem Gefühl und Gewissen trainierst und etwas falsch machst, dann wird dir das KEIN PFERD ÜBEL NEHMEN. Pferde spüren, wenn wir versuchen, alles richtig zu machen. Und auch wenn es dann mal nicht klappt und wir mal kurz das Gleichgewicht verlieren und mal in den Rücken plumpsen oder auch kurz zu lange am Zügel hängen, dann ist das sicherlich nicht optimal, aber die Pferde nehmen uns das nicht bös…
 
Sie WISSEN, wenn wir versuchen, alles richtig zu machen und es halt dann gerade mal nicht klappt… Sie merken, wenn wir sie lieben und respektieren und erwidern das mit unendlicher Geduld und Großmütigkeit…
 
Deshalb: KEINE ANGST VOR FEHLERN!!! Fehler passieren überall. Mein Paps hat immer gesagt: „Wo gearbeitet wird, da fallen Späne„… und so ist es auch im Pferdetraining… Nur wichtig ist, dass man es VERSUCHT richtig zu machen, dass man seinem Pferd zuhört und mit GEFÜHL und Liebe arbeitet…
 
Pferde verzeihen uns alles, wenn wir ihnen mit Respekt und Liebe begegnen.

Pferde verzeihen uns alles, wenn wir ihnen mit Respekt und Liebe begegnen.

In diesem Sinne,

Euch allen einen poetischen Sonntag 🙂
Euer Goethe-Fan Sandra
PS: Tiefgründiges Hintergrundwissen über das Thema Pferdeausbildung und „Takt und Losgelassenheit“ erfährst Du in meinem nächsten LIVE-Onlineseminar (mit Videoaufzeichnung) 🙂 Alle Infos hier:  https://www.edudip.com/w/260732