Heute habe ich mal einen kleinen Trainingstipp für Euch. Etwas ganz Simples. Jedoch etwas, was leider zu wenig praktiziert wird! Der tiefe Blick in die Pferdeaugen nach dem Reiten. Ich sehe meinen eigenen Pferden und auch meine Berittpferden sehr gerne tief in ihre Äuglein. Viele „Natural Horsemanship-Trainer“ behaupten, dass wir als Raubtiere das nicht tun sollten mit dem Beutetier Pferd. Das stimmt meiner Meinung nach aber nicht!

Pferde können sehr wohl zwischen einem liebevollen Blick und dem aggressiven Ausdruck eines Raubtieres unterscheiden! Ich weiß nicht, warum man Pferden ständig so wenig „Intelligenz“ zuspricht und sie immer „degradiert“. Dabei sind sie so wahnsinnig kluge, weise Tiere, von den wir so viel lernen können (wenn wir ihnen zuhören). Na ja, zurück zum Thema:

Ich sehe gern Pferden besonders nach dem Training in die Augen. Warum?

1.) Ist es interessant, wie die Pferde den Blick erwidern:

-> „Strahlen“ sie mir fröhlich entgegen? Dann hab ich alles richtig gemacht.
-> Wirken sie etwas müde, aber trotzdem zufrieden, war das Training zwar anstregend, aber trotzdem positiv (ich weiß aber dann, dass ich am nächsten Tag auf jeden Fall ruhigeres Programm machen sollte, um Übertraining zu vermeiden).
-> Wenn man hingegen einen „leeren, toten, stumpfen oder genervten Blick“ des  Pferdes erwidert bekommt, sollte man sich ganz dringend  Gedanken über das Pferdetraining machen. Manchmal sieht man diesen Blick bei Pferden nur, wenn sie von einem „Profitrainer“ gearbeitet oder unterrichtet werden. Schau Deinem Pferd in die Augen, es wird Dir klar sagen: „Dieser Trainer ist nichts für uns!“

Sehr oft sehe ich in meinem Kursen Pferde, die von früheren Trainern missverstanden und somit auch nicht pferdegerecht trainiert wurden. Ich sehe das an der Reaktion, wenn ich sie zB überschwänglich lobe. Sie schauen mich dann erstaunt an und ich weiß, sie werden sonst nicht viel vom Profi gelobt. Oder aber, sie machen einen „Fehler“ und reagieren sofort mit Stress oder sogar Fluchtversuchen – auch dann weiß ich, dass dieses Pferd im sonstigen Unterricht öfter mal ungerecht abgestraft wird. Ich sage dann den Besitzern, was ich in den Augen der Pferde lese und oftmals sind die Besitzer völlig erstaunt, dass ich das sehen kann und berichten mir dann, dass ein Trainer das Pferd mal geschlagen hat. Interessanterweise kommt mir das am aller häufigsten bei Haflingern unter. Schlimm ist das. Denn die schönen Blonden sind ganz ausgesprochen kluge Pferde und ich schätze sie sehr.

Haflinger gehören zu meinen größten Lehrmeistern. Sie sind ausgesprochen klug und kritisch in der Trainerwahl :)

Haflinger gehören zu meinen größten Lehrmeistern. Sie sind ausgesprochen klug und kritisch in der Trainerwahl 🙂

2.) Neben der psychischen Befindlichkeit des Pferdes sagen die Augen der Pferde auch etwas über den Stoffwechsel des Pferdes aus! Das hier ist ein Bild von Marshall nach unserem gemeinsamen Training (und nach seiner Kraftfuttergabe, von der die Hälfte noch auf seiner Nase klebt). Marshall habe ich aktuell in Teilberitt. Er kam sehr dünn und untrainiert zu uns an den Stall und ich baue ihn gemeinsam mit seiner Besitzerin  langsam wieder auf 🙂 Er ist übrigens ein „Videoprojekt“ für meinen nächsten Online-Verlasspferdekurs mit Start 14. November 2018. Denn ich glaube, es ist für viele Pferdefreunde interessant, wie man ein älteres Pferd (er ist 18 Jahre), das SEHR steif und auch viel zu mager ist und keine Muskulatur hat, wieder aufbaut.  Was man in jedem Fall auf diesem Handyfoto sieht, sind sehr schöne, klare Augen und ein Pferd mit „frischer, jugendlicher Ausstrahlung“.

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Klare Augen zeigen, dass der Stoffwechsel beim Training positiv stimuliert wurde.

Die Augen sind nicht nur der Spiegel der Seele. Die Augen sind in der traditionellen chinesischen Medizin auch das Sinnesorgan der Leber. Die Leber wiederum ist das vielleicht wichtigste Organ für die Entgiftung und einen gesunden Stoffwechsel. Somit sehen wir anhand der Pferdeaugen sehr gut, wie der Stoffwechsel des Pferdes im Moment arbeitet . Hier sehen wir wunderbar glänzende, wache Augen, die deutlich klarer sind als vor dem Training (leider hab ich kein Foto gemacht, aber das nächste Mal!).

Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesem kleinen Blogbeitrag animieren, öfter mal und „bewusst“ Deinem Pferd (nach dem Training) in die Augen zu sehen.  Übrigens: Was man mit „angeschlagenen Augen“ macht, erkläre ich übrigens demnächst auch in einem Videotipp. Deshalb abonniere am besten gleich kostenlos meinen Youtubekanal Sandra Fencl:

https://www.youtube.com/sandrafencl1001

Pferdetraining Muenchen

Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag und viel Freude Dir und Deinem Pferd beim gemeinsamen Training!
Deine Sandra

 

Letztens war ich als Presse bei der sehr interessanten Working Equitation Weltmeisterschaft im Rahmen der Pferd International Messe. Es waren vier sehr spannende Tage mit tollen Reitern, wundervollen Ritten und teilweise atemberaubenden Leistungen. Ich stand meist an der Breitseite des Turniervierecks, da wo es in Richtung Dressurplatz geht. Dementsprechend kamen relativ viele Nicht-Fachleute-Zuseher vorbei, also Laufzuseher (oder wie heißt das?). Also einfach Leute, die eher auf der „Durchreise“ vom Dressurplatz zum restlichen Messegelände waren. Sie blieben dann witzigerweise oft hinter mir stehen und so habe ich etliche für mich interessante und teilweise auch amüsante Gespräche und Diskussionen miterlebt bzw. war auch häufig direkt involviert.

Insgesamt 45 Pferd-Reiterpaare aus 15 Nationen und jede Menge Fans waren zur Working Equitation Weltmeisterschaft angereist und ihr Können unter Beweis zu stellen.

Insgesamt 45 Pferd-Reiterpaare aus 15 Nationen und jede Menge Fans waren zur Working Equitation Weltmeisterschaft angereist und ihr Können in der einhändig gerittenen Arbeitsreitweise unter Beweis zu stellen.

Beispielsweise ein älteres, sehr chic gekleidetes Ehepaar stand längere Zeit während der Dressurprüfung hinter mir. Der erste Kommentar war: „Ah, das sieht ja einfach aus.“ Dann weiter: „Ach so, halbe Galopp-Piroutten reiten die da auch. Und Galopp- und Trabverstärkungen, und Traversalen. Das sieht aber schöner, ruhiger und entspannter aus als am Dressurviereck. Die Pferde wirken alle sehr zufrieden.. Toll! Da wird gar nicht rumgeriegelt!“ Und dann kam die Überraschung: „Oh, schau mal, die reiten ALLES mit einer Hand. Das ist aber schwer!

Ich musste bisschen schmunzeln. Das Ehepaar war sichtlich angetan von den Leistungen der (zu dem Zeitpunkt reitenden) Portugiesischen Mannschaft. Schau Dir unbedingt auch das Video vom Ritt des Dressur-Gewinners Vasco Mira Godhino und Trigo an: https://youtu.be/_rbIOpk1L78

 

Nicht nur mit der Garrocha braucht man viel Geschick beim einhändig reiten.

Nicht nur mit der Garrocha braucht man viel Geschick beim einhändig reiten. Im Bild Gilberto Silva auf Zinque.

Am übernächsten Tag hat sich ein Springreiter neben mir den Speed Trail Bewerb angesehen (schau Dir unbedingt auch den Siegesritt von Gilberto Silva auf Zinque an: https://www.youtube.com/watch?v=dZU1kdyxGt0&t=2s) und stellte fest: „Ok, der Sprung ist ja nicht wirklich hoch, das geht ja ganz leicht. Na ja, durch so ein Tor kann ich auch reiten. Seitlich über die Stange sollte eigentlich auch kein Problem sein und fliegende Galoppwechsel gehen auch…“ Und dann kam aber plötzlich: „Oh, die reiten das ja alles mit einer Hand. Oh, nein, das kann ich nicht. Da hab ich keine Kontrolle.“ Daraufhin verließ er dann den Working Equitation Bereich.

 

Was will ich Euch mit diesen kurzen Messeeindrücken sagen?

1. Es ist auch mal gut, über den „eigenen Tellerrand“ zu schauen. Ich sehe mir gern auch mal andere Reitsportdisziplinen an. Man kann überall etwas Lernen und auch durch Zusehen neue Ideen bekommen. Manchmal hilft es einem auch ein festes, inneres Bild zu entwickeln, wie man es NICHT machen möchte. Auch das ist wichtig. Zu wissen, wie man es NICHT macht, ist auch sehr hilfreich 🙂

Einhändig mit Garrocha über den Sprung - Gilberto Silva mit Zinque.

Einhändig mit Garrocha über den Sprung – Gilberto Silva mit Zinque.

2. Ich möchte Euch mit diesem kurzen Blogbeitrag animieren, auch mal selber einhändig zu reiten. Warum? Weil wir Menschen allesamt „Handarbeiter“ sind. Wir tun uns sehr schwer, Pferde hauptsächlich über den Sitz und weniger über die Zügelhilfen zu reiten. Aber genau das wäre so wahnsinnig wichtig! Wenn wir einhändig reiten, können wir nicht (mehr) mit starker Handeinwirkung das Pferd lenken oder in irgendeine feste Form pressen (versuchen). Wir müssen es gefühlvoll mit unserem Sitz, Gewicht und Schenkel führen und leiten. Und erst hier beginnt das ECHTE REITEN! Erst hier werden wir eins mit dem Pferd. Erst hier finden wir die echte Balance, ein Pferd, das über und durch seinen Körper arbeitet und nicht auf dem Zügel hängt. Weißt Du, was ich meine?

Deshalb mein Tipp: Trainiere immer wieder mal, einhändig zu reiten. Überprüfe damit Deinen Sitz und Hilfengebung. Werde dadurch geschickter und koordinierter in der Hilfengebung. Kontrolliere mit dem einhändigen Training auch die Durchlässigkeit Deines Pferdes. Und arbeite an der „Beziehung“ mit Deinem Pferd. Denn Reiten ist kein Kraftsport, es ist eine mentale Verbindung zwischen zwei Lebewesen und wird erst zur Kunst, wenn sich echte Leichtigkeit und Harmonie einstellt – und dann braucht man auch fast gar keine Zügel mehr 🙂

In diesem Sinne wünsche ich Dir und Deinem Pferd einen schönen Sonntag voller Leichtigkeit!
Einhändig ReitenDeine Sandra

PS: Bitte unbedingt kostenlos meinen Youtubekanal abonnieren. So verpasst du keine spannenden, lehrreichen und inspirierenden Pferdevideos mehr 🙂

PPS: Auf meiner Fotoseite www.facebook.com/sandrafenclphotography findest Du weitere tolle Fotos und Eindrücke der Working Equitation WM 2018 🙂

PPPS: Hier noch ein tolles Inspirationsvideo: Gewinner des Dressuraufgabenteils der Working Equitation Weltmeisterschaft 2018 in München Vasco Mira Godinho mit Trigo: https://youtu.be/_rbIOpk1L78

PPPPS: Und hier vollendete Reitkunst trotz hoher Geschwindigkeit: Gewinner der Speedtrail Prüfung und Gesamtgewinner der Working Equitation WM 2018 in München Gilberto Silva mit Zinquehttps://youtu.be/dZU1kdyxGt0

 

Wie und wie gut sehen eigentlich Pferde?

Schon gewusst: Pferde sehen anders als Menschen – und es kommt deshalb oft zur Fehlkommunikation

Hast Du gewusst, dass Pferde ein ganz anderes Sehverhalten als Menschen haben?

Pferde haben einen – Beutetier-typischen-fast 360 Grad Rundumblick, im Gegensatz zum Raubtier Mensch, welches beide Augen frontal (auf seine Beute) ausgerichtet hat. Die Augen unserer Vierbeiner nehmen UNABHÄNGIG von einander (monokular) Bilder auf. Deshalb ist die Verknüpfung im Gehirn im Vergleich zum Menschen auch deutlich schlechter. Dies bedeutet, dass ein Pferd einen Gegenstand oder auch eine Lektion von jeder Seite oder jeder Hand bzw. mit jedem Auge „neu wahrnimmt“ und meist auch „neu lernen“ muss. Dies wissen viele Pferdebesitzer nicht und wundern sich, warum sich sich ihr Pferd erst am Heimweg vor einem Siloballen erschreckt, obwohl der am Hinweg auch schon da war. Oder aber warum sich ihr Hotti von rechts so schlecht führen lässt.Wir dürfen nie vergessen, dass unsere Vierbeiner jede Übung im Endeffekt von jeder Seite (meistens) neu lernen müssen!

Der Bereich, indem Pferde räumlich sehen können, liegt nur bei ca. 15 bis 20 Grad. Deshalb sollte man den Pferden, wenn sie etwas näher ansehen wollen, die Kopf-Hals-Freiheit gewähren, um den Gegenstand gut räumlich ansehen zu können.

Pferde sehen im Dunkeln deutlich besser als wir Menschen, und fühlen sich deshalb auch im Stockfinsteren wohl. Allerdings brauchen ihre Augen etwas länger, um sich von helle auf dunkle Bereiche umzustellen, also wenn man z.B. vom schattigen Wald in die pralle Sonne rausreitet oder von dem hellen Tageslicht in die dunkle Halle kommt, unbedingt dem Pferd (im Schritt) bisserl Zeit geben.  

Pferde sehen aber andererseits Farben schlechter als wir. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge müssten Pferde Rot gar nicht und grün schlecht (wohl als Grauschattierung) erkennen können. Am besten sehen Pferde gelb und blau.

► Und zu guter Letzt aber SEHR wichtig: Pferde sehen Bewegungen DEUTLICH besser als wir! Bereits eine kleine Maus, die sich kaum bewegt, erkennen Pferde sogar im hohen Gras anhand der veränderten Bewegung der Grashalme. WIR ABER NICHT! Und deshalb denken wir oft: „Was spinnt denn mein Pferd heute wieder rum?“ Dabei „spinnt“ es gar nicht, es sieht nur Bewegungen, die wir nicht sehen können… Ich finde, das ist wichtig zu wissen, damit man im Pferdetraining auch fair darauf reagieren bzw. sich darauf einstellen kann! 

Übrigens: Wenn auch Du durch mehr Pferdeverständnis und mehr Pferdewissen Dein Pferd zu einem echten Verlasspferd ausbilden möchtest, dann bist Du in meiner kleinen, aber feinen Online-Verlasspferdegruppe GENAU richtig 

Sehr gern geb ich Dir Bescheid, wenn der Kurs wieder startet 

Einfach Email an info@sandrafencl.com senden und ich informiere Dich unverbindlich, sobald es diesen tollen Onlinekurs wieder zu kaufen gibt (die Plätze sind streng limitiert!).
Deine Sandra

Neulich reite ich mit meiner Isländerstute Fjola und mit meinem Berittpferd Afra als Handpferd aus. Mittlerweile ist Afra ein sehr braves Handpferd und ist auch schon deutlich unerschrockener im Gelände. Auch die Kuhphobie haben wir schon sehr gut unter Kontrolle bekommen… Aber dieser Handpferde-Ausritt mit ihr ist anders. Denn das erste Mal sitzt eine Reiterin auf ihr drauf… Um genau zu sein: Ihre Besitzerin 🙂

Wenn es möglich ist, versuche ich bei Berittpferden so früh wie möglich die Besitzer ins tägliche Training zu integrieren. Das ist wichtig, damit auch sie (nicht nur ich) später mit dem Jungpferd gut zu recht kommen. Wir reiten also aus. Afra ist brav und entspannt und kümmert sich eigentlich gar nicht um ihr Frauchen im Rücken. Dann kommen wir an einer Rinderweide vorbei. Es sind ca. 30 (!!!) Rinder auf dieser Wiese.

Dank Handpferde-Training konnte Afra ihre Rinderphobie überwinden :)

Dank Handpferde-Training konnte Afra ihre Rinderphobie überwinden 🙂

Die Rinder sehen uns mit einem echten Kuhblick an und plötzlich laufen sie alle auf uns zu. ALLE!!! Das bedeutet 30 Rinder mit Glocken, die sich im Trab auf uns zu laufen… Ich schlucke gedanklich kurz, mein Jungpferd auch. Afra wird unsicher und wird langsamer und prustet schon bisserl aufgeregt lautstark durch die Nüstern. Mit scharfer Stimme spreche ich sie an: „Afra, vorwäääääääärts!!! Vorwärts!“. Sie gehorcht und entspannt sich. Ich bin zufrieden mit ihr und lobe sie daraufhin ausgiebig.

Danach erkläre ich der Besitzerin, dass es extrem wichtig ist, in etwas brenzligen Situationen ein unsicheres Pferd NICHT zu beschwichtigen. Du wirst jetzt vielleicht denken: „Warum ist es schlecht, ein unsicheres Pferd zu beschwichtigen?“ Das kann ich Dir genau sagen: „Weil es merkt, dass irgendetwas „gefährlich“ ist. Wenn Du aber – so wie ich in dieser Situation – eher „strenger“ mit dem Pferd bist, es also eher „scharf“ anredest (nicht zu verwechseln mit zB scharfem Gerteneinsatz), dass es sofort vorkommen soll, weil es zB langsamer geworden ist, dann hat es 1. gar nicht so viel Zeit, über die Rinderherde nachzudenken und 2. merkt es, dass ich „trotz Rinderherde“ ganz normal weiter reite und auch weiter korrigiere…

Ich verhalte mich also ganz natürlich, als ob da gar nichts wäre… Und so versteht das Jungpferd dann auch, dass ich mich so gar nicht um die Rinder kümmere. Denn ich korrigiere das Jungpferd wie gewohnt. Wenn man ein Jungpferd (oder auch ein „erwachsenes“ Pferd) in solchen Situationen großartig „betüddelt“ und beruhigen versucht, dann werden viele Pferde erst recht nervös, weil sie merken, irgendwas ist anders bzw. aufregend.

Sinnvoll ist es auch, ein Pferd zB beim Reiten mit Stellung oder Seitengängen zu beschäftigen und den Schenkelgehorsam sofort einzufordern. Auch dann vergessen viele Pferde total auf die ursprünglich „gefährliche“ Situation und konzentrieren sich auf ihre Lektion. So lernt ein junges Pferd von Anfang an auch in schwierigen Situationen zuzuhören, und somit gehorsam und kontrollierbar zu bleiben. Es ist aber wie alles wichtig, dies auch von Anfang an richtig und konsequent einzufordern 🙂

Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr – oder nur mehr schwer. Huch, das reimt sich sogar. 🙂 So, das waren meine kurzen, aber wie ich finde trotzdem wichtigen Gedanken zum Sonntag!

Den Ausbildungsweg von Afra gibt es übrigens demnächst auch als Onlinekurs zu bewundern… 🙂 Ich kann versprechen, diese Videoserie in meinem Verlasspferde-Onlineseminar wird interessant, lehrreich und auch amüsant werden! Denn Afra hat nicht nur eine lustige Trainerin, sondern hat immer auch die eine oder andere lustige Idee!

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In diesem Sinne einen schönen Sonntag wünschen

Afra und Sandra

Ich streife immer gerne mit meinen beiden Süßen durchs Gelände – und das häufig ausschließlich im Schritt! Schritt reiten empfinde ich als sehr, sehr wichtig, denn:

  • Schritttraining baut am besten die sogenannte Grundlagenkondition auf. Wenn Dein Pferd schnell außer Atem ist und viel schwitzt, dann solltest du mehr Schritt reiten!
  • Schritt ist die natürlichste Gangart! Das Fernwanderwild Pferd geht normalerweise 18 bis 30 km Schritt am Tag während seiner Nahrungssuche! Sein gesamter Stoffwechsel ist daher auf ein tägliches, hohes Schrittpensum ausgelegt! Schritt Reiten ist daher sehr gesund und auch für übergewichtige Pferde enorm wichtig. Zu dicke Pferde sehr gern auch als Handpferd gelenkschonend mitnehmen – wie das geht, erfährst du in meinem Verlasspferdekurs.
  • Beim Schritt reiten habe ich ZEIT! Ich kann ganz genau fühlen, wie sich mein Pferd bewegt:
    Pendelt der Rumpf abwechselnd im gleichen Maße nach rechts und links? Oder „hängt“ der Rumpf meines Pferdes aufgrund der natürlichen Schiefe auf eine Seite? Dann muss ich mit dem gleichseitigen Bein den Rumpf etwas „anschubsen“.
    Und bewegen sich die Beine meines Pferdes gleichmäßig? Oder fühlt sich ein Bein steif an? Ist z.B. eine Schulter überlastet oder schwingt ein Hinterbein weniger weit vor bzw. nimmt es weniger Last auf? Und wie ist die Stellung meines Pferdes? Schaut es immer in die gleiche Richtung oder ist das Genick locker und entspannt und gerade ausgerichtet?
  • Beim Schritt Reiten entspannen ich und meine Pferde immer sehr. Wir genießen die Landschaft und erfreuen uns als kleine Herde daran, gemeinsam neue Ecken zu erkunden.
    Das stärkt unsere Beziehung und macht Pferde zuverlässig – auch in ungewohnten Situationen.

Vielleicht baust du ja auch einen wöchentlichen Schrittausritt ein?
Ich wünsche Dir bzw. Euch ganz viel Spaß dabei! 🙂

Deine Sandra

 

Gedanken zum Sonntag: Warum Ecken reiten so wichtig ist 

Von einem sehr bekannten Ausbilder habe ich gelernt, warum das Ecken reiten (oder Ecken „langzügeln“) so wichtig und gleichzeitig so schwer ist.

Linien geben dem Pferd eine „Bedeutung“. Man lehrt dem Pferd, es konkret zu führen – am Bein (Innenschenkel), am Sitz. Pferde mögen als Beutetiere Ecken grundsätzlich nicht. Also meiden sie diese auch gern.

„Wenn wir als Reiter Pferde gut in die Ecken reiten können, dann können wir eigentlich ein Pferd überall hin reiten.“

:).

Und ich denke, er hat sehr Recht mit dieser Aussage. In der Reiterei fehlt es SEHR OFT an Präzision, an einem genauen inneren Bild und an Geduld und Konsequenz… Viel zu oft sind wir schlampig, viel zu oft sind wir nicht wirklich konzentriert und nicht „beim Pferd“.

Die Ecke kann uns mehr Konzentration und Genauigkeit schulen helfen. PLUS in der Ecke können wir lernen, weniger (oder keinen) Innenzügel zu verwenden und das Pferd über einen guten Sitz und Innenschenkel zu führen und damit die Balance zu verbessern und das innere Hinterbein des Pferdes zu gymnastizieren.

Klingt einfach und logisch, oder?

In der Umsetzung kann ich Euch aber sagen, ist es nicht ganz so einfach. Aber jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt und daher versuche doch mal, einen Schritt tiefer in die Ecke zu kommen. Auch wenn es anfangs ggf. schwer fällt (spätestens im Trab und Galopp), Du wirst merken, Dein Reiten wir SEHR davon profitieren und Dein Pferd wird feststellen, dass Du es „ernst“ meinst mit konkreten Linien und wird Dir nach und nach besser gehorchen, feiner reagieren und besser an Sitz und Schenkel sein!

In diesem Sinne:
Viel Spaß beim Ausreiten Eurer Ecken!
Eure Sandra

P.S.: Auch das Ausreiten der Ecken am langen Zügel ist SEEEEEEEHR wichtig, sonst wird das nichts!

In diesem Beitrag erfährst du, warum die innere Ruhe beim Reiten für das Pferd so wichtig ist

Immer wieder stelle ich im Reitsport fest, dass eine Tugend häufig fehlt: Flexibilität! So oft sehe ich Reiter, die eisern eine Lektion „durchdrücken“ wollen. Auf biegen und brechen den (gefühlt) 100. Galoppwechsel verlangen, weil er noch etwas höher gesprungen sein könnte, oder das tausendste Mal ein Kaltblut angaloppieren lassen, das eh schon gar nicht mehr kann, bis das Ergebnis völlige Dienstverweigerung des Vierbeiners ist.

Sehr Schade! Denn mit dieser Herangehensweise lernt ein Pferd ständig überfordert zu werden und versteht, dass ihm als „Exit-Strategie“ aus der Misere nur Ungehorsam bleibt. Und dieser Ungehorsam ist im Endeffekt einer völligen Überforderung geschuldet und hat meist auch noch den tollen Nebeneffekt von Muskelkater oder Muskelschmerzen… Beides Dinge, die sich nicht gerade positiv auf die langfristige Motivation auswirken.

Wie macht man es aber richtig? Was bedeutet denn „Flexibilität“ im Reitsport?

Allein über diese (etwas philosophische) Frage könnte ich ein Buch füllen, aber ich versuche, mich kurz zu halten: Flexibilität im Pferdesport bedeutet für mich, PRO Pferd zu entscheiden, und das mit einer ordentlichen Portion Gefühl, Verständnis von Trainingslehre (Didaktik), Biomechanik und Pferdepsychologie-Hintergrund. Und das jeden Tag und im Endeffekt jeden Moment!

Flexibilität bedeutet beispielsweise, wenn man merkt, dass das Pferd müde ist, vom Fellwechsel oder aufgrund der starken Temperaturschwankungen, die wir momentan haben, dann ggf. das geplante Reitprogramm ausfallen zu lassen und stattdessen einfach ein bisschen Bodenarbeit, Wellness oder einen schönen Spaziergang in die Natur zu machen.

Fellwechsel beim Pferd

Der Fellwechsel und die starken Temperaturschwankungen machen vielen Pferden aktuell zu schaffen…

Es bedeutet aber auch, das körperliche Befinden wahrzunehmen. Wenn ein Pferd beispielsweise an einem Tag von sich aus mehr Spannung hat, dann bringt es nichts, noch an z.B. fliegendem Galoppwechsel oder neuen Lektionen zu arbeiten, die das Pferd „aufregen“ könnten. Da ist eine kurze, lockere Vorwärts-Abwärtseinheit deutlich sinnvoller, auch wenn man sich ursprünglich etwas anderes vorgenommen hatte…

In anderen Worten, sollte man sich immer folgende Fragen stellen, wenn man mit seinem Pferd arbeitet:

1. KANN mein Pferd diese Lektion in diesem Moment körperlich überhaupt leisten (oder habe ich es ggf. – zumindest im Moment – überfordert)?

Ein Beispiel: Als ich meinem Lusitano das Kompliment beigebracht habe, war es für ihn eine geistig wie körperlich schwere Übung. Er musste sich sehr konzentrieren, seine Beine und (Gleich-)Gewicht richtig zu sortieren, um sich zu verbeugen. Kräftemäßig war seine Hinterhand sehr gefordert, was einer „Maximalkraftübung“ – wie schwere Hanteln im Fitness-Studio stemmen – gleich kommt.

Eines Tages bin ich mit ihm sehr harmonisch geritten und habe gedacht, „jetzt ist er gut aufgewärmt, jetzt mach ich nach dem Reiten noch ein kleines Kompliment“. Gesagt, getan. Ich stieg ab und gab ihm das Signal fürs Verbeugen. Rufino aber zierte sich… Ich habe mit etwas mehr Nachdruck  die Übung „verlangt“. Das Ergebnis war, dass er sich praktisch hinfallen lies. Warum? Weil er MÜDE war. Aber ich habe es damals NICHT verstanden, dass diese Übung noch so schwer für ihn ist, dass er sie nach dem Reiten eigentlich nicht wirklich ausführen kann… Ich habe mich bei ihm sofort entschuldigt und mich eine Woche geschämt.

Ich hätte wissen müssen, als er zögerte, dass er müde ist. Er versucht immer, mir zu gefallen… Aber da war wohl mein Ego grösser als mein Verstand 🙁 Du siehst, auch Profis machen Fehler (diesen Fehler hab ich jedoch seitdem glaub ich nie wieder bei KEINEM Pferd gemacht. Ich analysiere seitdem viel, viel genauer ALLE Zeichen für etwaige Müdigkeit oder Überforderung, aber gut… ist trotzdem passiert.).

 

2. VERSTEHT das Pferd die Übung überhaupt?

Auch das kann ein Problem sein, warum etwas nicht klappt. Das Pferd versteht die Übung schlichtweg nicht. Wenn ein Pferd eine Übung NICHT versteht, dann müssen wir es ihm entweder anders erklären oder aber ggf. in Teilschritte zerlegen.

Ein Beispiel: Wenn ein Pferd das Stellen im Stand schlecht ausführt, wird es beim Stellen in der Bewegung mit Garantie Probleme haben. Wenn ein Pferd beim Kompliment eine schlechte Balance hat, dann sollten wir es ggf. vorher besser aufstellen (das heißt, die Vorderbeine von den Hinterbeinen weiter entfernen und die Hinterbeine breit auseinanderstellen), sodass die Balance besser ist. Auch die Halsdehn-Vorübungen können die Flexibilität VOR dem Kompliment enorm verbessern.

Generell gilt: Wenn ein Pferd eine Übung nicht versteht, dann ist es UNSER Fehler. Schließlich sind WIR der Trainer und haben es unserem vierbeinigen Schüler schlecht erklärt…

 

3. Bist DU das Problem?

Tja, ich sage oft im Unterricht: „Das Problem sitzt oben drauf“. Und auch ich kann ein Problem für meine Pferde sein… Wenn ich unkonzentriert bin, wenn ich müde bin, wenn ich zu lange am Bürotisch gesessen habe und steif aufs Pferd klettere (was ich eigentlich jedoch nur noch sehr, sehr, sehr selten tue).

Deshalb, bevor man sich über sein „unfähiges“ Pferd ärgert, oder es gar ungerecht straft, sollte man immer überlegen: „Bin ICH in meiner Mitte? Bin ich optimal flexibel und losgelassen? Helfe ich meinem Pferd, oder bin ich eher Ballast? Und ist der „Fehler“ meines Pferdes eher das Resultat meiner eigenen Fehler als das Verschulden meines Pferdes“? Hier geht’s übrigens zu meinem sehr beliebten Blogbeitrag: „7 Tipps für bessere Hilfengebung„.

Ich weiß, es ist immer leichter, dem Pferd die „Schuld“ zu geben. Aber ein guter Reiter und Pferdetrainer wird immer erst mal an sich selbst zweifeln, bevor an seinem vierbeinigen Schüler zweifelt. Wie ich zu meinen zweibeinigen Schülern immer zu sagen pflege: „Unsere Pferde haben die Reitlehre und Biomechanikbücher nicht gelesen. Es liegt an uns, aus ihnen gesunde, motivierte, vierbeinige Reit- oder Fahrpferde zu machen. Wenn etwas nicht klappt, dann haben wir unseren Schülern etwas schlecht vermittelt.“ Nicht mehr, und nicht weniger.

Sandra Fencl Kompliment PferdUnd vielleicht, wenn Du das nächste Mal auf Deinem Pferd sitzt, und kurz davor bist „mechanisch zu reiten“ oder sogar die Nerven zu verlieren, dann erinnerst Du Dich vielleicht an die Geschichte von Rufino und mir, und steigst als Konsequenz ab, bevor es „unschön“ wird… Dann habe ich mit meinem Blogbeitrag viel erreicht und Rufino mit seiner Dozententätigkeit Gutes bewirkt.

Ich danke Dir für das Lesen dieser Zeilen und wünsche Dir und Deinem Pferd viel Freude und Flexibilität beim Training 🙂
Deine Sandra, Rufino und Fjola

PS: Rufino hat übrigens keinen „Schaden“ genommen wegen meines einmaligen Faux Pas mit dem Kompliment… Er beherrscht es mittlerweile auch frei in Perfektion 🙂

PPS: Wenn Du mehr zum Thema faires und biomechanisch wertvolles Pferdetraining erfahren möchtest, dann könnten folgende Termine für Dich interessant sein:

+ Abendseminar zur Gymnastizierung und Schiefe des Pferdes in Tuntenhausen (Bayern) am Freitag, 07. April 2017

+ Gymnastisches Allover-Bodenarbeitsseminar in Tuntenhausen (Bayern) am 08. und 09. April 2017 (bei Interesse bitte einfach eine Email an info@sandrafencl.com senden)

+ Gymnastisches Allover-Bodenarbeitsseminar mit Schwerpunkt Zirzensik am 21. und 22. Mai 2017 in Hveragerdi, Island

+ Gymnastisches Bodenarbeitsseminar mit Schwerpunkt Zirzensik am 15. Juni 2017 in 85386 Günzenhausen/Eching

+ Gymnastisches Bodenarbeitsseminar mit Schwerpunkt Zirzensik am 15. August  2017 in 85386 Günzenhausen/Eching

+ Gymnastisches Overall-Bodenarbeitsseminar am 26. und 27. Oktober 2017 in Kleinstelzendorf, Niederösterreich

+ Meine sehr beliebte, zweiteilige LIVE-Webinarreihe zur ganzheitlichen Korrektur der Schiefe des Pferdes (mit Videoaufzeichnung, und somit orts- und zeitunabhängig). Alle Infos hier: https://www.edudip.com/w/238762

Hier geht’s zum Erklärungsvideo:

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In diesem Beitrag bekommst du von mir sieben Tipps für eine bessere Hilfengebung beim Reiten!