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Bodenarbeit mit dem Pferd liegt voll im Trend und das zu Recht! In diesem Blogartikel möchte ich Dir 10 Gründe nennen und im Anschluss genau erklären, warum JEDER Pferdebesitzer bzw. Reiter unbedingt regelmäßig am Boden mit seinem Pferd arbeiten sollte.

  1. Bodenarbeit fördert Vertrauen, Respekt und Sicherheit
  2. Bodenarbeit gymnastiziert schonend & baut Muskeln auf
  3. Bodenarbeit wärmt Mensch UND Pferd optimal auf
  4. Bodenarbeit erklärt die Hilfengebung
  5. Bodenarbeit hilft für Verständnis & mehr Balance
  6. Bodenarbeit sorgt für Abwechslung
  7. Bodenarbeit kann Übertraining vermeiden
  8. Bodenarbeit ist ideal für steife, schiefe, alte, wenig trainierte oder  junge Pferde
  9. Bodenarbeit fördert die Motivation
  10. Bodenarbeit ist ideal für Ausrüstungsgewöhnung

 

Die Bodenarbeit verhilft zu Vertrauen, Respekt und Sicherheit zwischen Mensch und Pferd.

Die Bodenarbeit verhilft zu Respekt, Vertrauen und Sicherheit zwischen Mensch und Pferd.

1. Bodenarbeit fördert Vertrauen, Respekt und Sicherheit

Wir alle wünschen uns ein Pferd, das respektvoll, aufmerksam und sicher ist. Die Grundlage von jeder erfolgreichen und harmonischen Pferd-Mensch-Beziehung ist Respekt und Vertrauen. Pferde sind Herdentiere und sind somit sehr „hierarchische“ Tiere. Sie schließen sich nur jemandem an, vor dem sie Respekt haben und der ihnen – gerade auch in schwierigen Situationen – Sicherheit gibt. Wir dürfen nie vergessen, dass Pferde „Beutetiere“ sind und somit ihr Sicherheitsbedürfnis viel höher ist, als das vom „Raubtier Mensch“. Deshalb finde ich es außerordentlich wichtig, die Pferd-Mensch-Beziehung durch gezielte Bodenarbeitsübungen von Anfang an zu fördern. In meinem Video zu  den unterschiedlichen Körpertechniken findest Du ein paar wirklich hilfreiche Tipps! (Hier geht es zum Video der Körpertechniken). Nur so werden Pferde auch in ungewohnten oder beängstigenden Situationen entspannt bei uns bleiben. Hilfreich zum Vertrauensaufbau mit dem Pferd sind auch Körperübungen, wie zB diese einfache Pferdemassage-Technik: https://www.youtube.com/watch?v=1cSQ-lMC1GY

 

Die Gymnastizierung und somit die Gesunderhaltung von Pferden beginnt für mich immer am Boden!

Die Gymnastizierung und somit die Gesunderhaltung von Pferden beginnt für mich immer am Boden!

2. Bodenarbeit gymnastiziert schonend & baut Muskeln auf

Pferde sind von Natur aus schief und vorhandlastig. Dies führt automatisch zu einer „ungesunden Biomechanik“ beim untrainierten (Jung-)Pferd. Damit uns Pferde gesund tragen können, müssen wir – nachdem wir ihren Respekt und ihr Vertrauen –  gewonnen  haben, sie gymnastisch wertvoll darauf vorbereiten. Die Korrektur der Vorhandlastigkeit und Schiefe des Pferdes ist nicht „optional“, sondern für seine Gesunderhaltung von sehr großer Bedeutung.

Wenn Du gleich loslegen möchtest mit ganzheitlicher Bodenarbeit und mit Deinem Pferd effektiv & gesundheitsfördernd trainieren möchtest, dann geht es HIER direkt zu meinem tollen Bodenarbeits-Onlineseminar 😊❤️

 

Meine Erfahrung als Pferdetherapeutin an mehreren Tausend Pferden hat mir gezeigt, dass es hier leider noch zu wenig Grundlagenwissen gibt. Der frühe Verschleiß unserer „domestizierten Pferde“ hat meiner Meinung auch sehr stark damit zu tun, dass wir die Balance unserer Pferde zu wenig am Boden erarbeiten. Ich persönlich würde nie ein Pferd reiten, welches noch – ohne zusätzliches Reitergewicht – am Boden eine deutliche natürliche Schiefe und Vorhandlastigkeit zeigt. Das zusätzliche Reitergewicht verstärkt nämlich noch die Vorhandlastigkeit und häufig auch die Schiefe des Pferdes. Deshalb ist es ein ganz wichtiger Faktor für Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden aller Beteiligten, das Pferd vom Boden aus richtig zu gymnastizieren – also seine Gelenke, Muskeln und Faszien geschmeidig zu machen und so für das weitere Training vorzubereiten. Melde Dich unbedingt gleich für meine kostenlose Bodenarbeits-Lehrvideoserie an. Denn darin erkläre ich Dir alle wichtigen Zusammenhänge zur Gymnastizierung am Boden & zur langfristigen Pferdegesundheit:

https://mailchi.mp/sandrafencl/kostenlose_bodenarbeitsvideos

 

Die Bodenarbeit wärmt Pferd und Mensch optimal auf

Die Bodenarbeit wärmt Mensch und Pferd optimal auf und sorgt nebenbei auch für Spaß an der gemeinsamen Bewegung!

3. Bodenarbeit wärmt Mensch und Pferd optimal auf

Vor fast 20 Jahren habe ich begonnen mich mit der klassischen Dressur oder klassisch-barocken Ausbildung von Pferden zu beschäftigen. Meine erste Klassik-Trainerin war die Australierin Marjorie Armstrong, eine der „Musterschülerinnen“ von dem bekannten portugiesischen Reitmeister Nuno Oliveira. Ich durfte wahnsinnig viel von ihr lernen und sie hat mein Verständnis von Pferdeausbildung nachhaltig geprägt. Eine der für mich komplett neuen Aussagen von ihr war: „Never sit on a cold back!“ = „Setz Dich niemals auf einen kalten (Pferde-)Rücken!“ Bis dahin dachte ich, man wärmt sein Pferd einfach im Schritt am langen Zügel GERITTEN auf. Falsch gedacht!

Und eigentlich ist es total logisch. Wenn wir ein Pferd zum Beispiel aus seiner Box holen und es ggf. auch noch kalt-feuchtes Wetter hat und wir ein sensibles Exemplar haben, wie viel hilft es dem Pferd, wenn wir uns von Anfang an gleich auf seinen kalten (ggf. sogar leicht festen) Rücken setzen? Gar nicht! Viel besser ist es doch, den Rücken vom Boden aus aufzuwärmen, die Wirbelsäule in positive Schwingung zu bringen, die Hanken (= große Hinterhandgelenke, die immer zusammen arbeiten – nämlich Hüft-, Knie- und Sprunggelenk) geschmeidig zu machen und somit die Balance von der Vorhand in Richtung Hinterhand zu verbessern.

Bodenarbeit Pferd

Dieses Foto zeigt die Verbesserung der Balance von diesem 4jährigen, ungerittenen Jungpferd durch nur 30 Minuten Bodenarbeit. Das Pferd hat ein schwieriges Exterieur – nämlich einen langen, schwachen Rcüken, der zum „Durchhängen“ neigt, rückständige Vorderbeine und somit eine starke Vorhandlastigkeit gepaart mit einer „hohen Kruppe“ und damit festen Hinterhandgelenken. Nach nur 30 Minuten Training am Boden präsentiert sich das Jungpferd deutlich besser balanciert und stolzer. Kannst Du den Unterschied auch sehen?

 

Pferde können uns nur dann gesund tragen, wenn sie im Rücken und in der Hinterhand geschmeidig sind, die Bauchmuskulatur aktiviert haben und somit sich der Widerrist und Rücken anheben. Alles andere wird langsam aber konstant unser Pferd körperlich ruinieren. Ob es dann regelmäßige Blockaden oder Verspannungen hat, an Arthrose oder Hufrollenentzündungen erkrankt oder aber immer wiederkehrende Fesselträger- oder Sehnenschäden leidet, ist dann meist nur eine körperliche Disposition.

Die Balance des Pferdes sollten wir also jeden Tag aufs Neue ZUERST herstellen, bevor wir uns auf unser Pferd setzen. Egal ob junges oder älteres Pferd – mit dieser Vorgehensweise werden wir ab Schritt eins im Sattel deutlich erfolgreicher, harmonischer und gesünder unser Pferd reiten – und dabei auch noch selbst schon aufgewärmt und besser koordiniert sein!

 

Bodenarbeit erklärt die Hilfengebung

Bodenarbeit verbessert enorm die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd und erklärt dem Pferd leicht verständlich die Hilfengebung.

4. Bodenarbeit erklärt die Hilfengebung

Die Hilfen, also Signale, die wir im Pferdetraining nutzen, sind für Pferde erst mal so, wie wenn wir Chinesisch lernen. Es ist eine neue Sprache und das sollten wir nie vergessen! Wer Chinesisch gelernt hat, weiß, wie „abstrakt“ Sprachenlernen sein kann. Komische Schriftzeichen, Worte die sich gleich anhören aber in verschiedenen Tonlagen dann ganz unterschiedliche Bedeutungen haben wie zB das Wort „Ma!“. Genau so geht es unseren Pferden. Dass ein anliegender Schenkel bei einem Fluchttier nicht unbedingt „schnell weg“ bedeutet, sondern „setz Deine Hinterhand besser ein“, müssen wir unseren Vierbeinern erklären. 

Genauso wie die für Pferde recht „unnatürlichen Stimmhilfen“. Pferde sind von Natur aus nämlich sehr „stumme“ Tiere. Sie geben eigentlich fast nur für „Ortungszwecke“ (wenn sie jemanden suchen) oder bei Schmerzen oder im Kampf Laute von sich. Wer schon mal einen urig eingerittenen Isländer auf Island geritten hat, der weiß, dass jeglicher Stimmeinsatz recht überraschend zu einem „Höllentempo“ mit dem quirligen Reitpferd führen kann. 🙂

Am Boden können wir unserem Pferden in Ruhe und für das Pferd „sichtbar“ unsere Trainingssignale erklären. Wir können unseren Körper „bremsend“ vor dem Pferd einsetzen. Wir haben die Möglichkeit das aufgeregte Pferd durch kurze Massageeinheiten am Boden wieder entspannen oder den Kopf absenken zu lassen. Ein super hilfreiches Video dazu findest Du HIER! Wir können die Schenkelhilfen mit unseren Händen bzw. Gertensignalen am Boden dem jungen Pferd beibringen. All das wird zu mehr Sicherheit und auch Motivation des (späteren Reit-)Pferdes führen.

 

Bodenarbeit verhilft zu mehr Harmonie und Verständnis

Bodenarbeit verhilft zu mehr Harmonie und gegenseitigem Verständnis.

5. Bodenarbeit verhilft zu besserem Verständnis & mehr Balance

In der Bodenarbeit haben wir – im Vergleich zum Reiten – den großen Vorteil, dass wir unser Pferd komplett sehen können. Was sagt seine Mimik gerade aus? Versteht es uns evt. nicht? Tritt es ggf. mit einem Bein mehr unter als mit dem anderen oder bewegt sich ein Hinterbein komplett außerhalb der Spur des gleichseitigen Vorderbeines? Auf welche Schulter trägt es mehr Gewicht? Und wie „fühlt“ sich das Pferd an? Wie ist sein Muskeltonus (= seine Grundspannung?) bei der jeweiligen Lektion? Und wie atmet mein Pferd?

Die Bodenarbeit hilft unheimlich, ganzheitlich über unser Pferd als Individuum, aber auch über seinen Körper und seine Schiefe zu lernen. Mit diesen Erkenntnissen verstehen wir viel besser, warum unser Pferd auf einer Hand „unwillig galoppiert“ oder warum es auf einer Hand immer den inneren Schenkel nicht annehmen „mag“, den Zirkel verkleinert und die Ecken abschneidet. In diesem Bodenarbeitsvideo zeige ich Dir die „Stellung im Stand Bodenarbeit„, die manchen Pferden bereits ohne Reitergewicht aufgrund ihrer Schiefe erstaunlich schwer fällt. Nutze diese Chance, Dein Pferd in der Bodenarbeit viel besser kennen und lesen zu lernen! Ich bin mir sicher, Du wirst großartige „Achsoooo-Erlebnisse“ haben!

 

Bodenarbeit bietet Abwechslung fürs Pferd

In der Bodenarbeit können wir dem Pferd viel Abwechslung bieten und so zu seinem ganzheitlichen Wohlbefinden beitragen.

6. Bodenarbeit sorgt für Abwechslung

Wildpferde wandern von Natur aus lange Strecken. Nämlich im Schnitt 18 bis 30 Kilometer am Tag. Die wilden Equiden in der Namibwüste zur Trockenzeit sogar bis zu 80 (!!) Kilometer täglich. Dabei haben sie sich vielen Anforderungen zu stellen – und das sowohl körperlicher als auch geistiger Natur. Sie sind also gefordert und trainieren täglich ihre Geschicklichkeit, ihre Ausdauer, aber auch ihre Intelligenz und Konzentrationsfähigkeit.

Bodenarbeit bietet dem Pferd Abwechslung

Wildpferde sind im täglichen Überlebenskampf vielen Anforderungen ausgesetzt, die sowohl den Körper, als auch den Geist des Pferdes fordern. Diese „Reize“ fehlen unseren domestizierten Pferden häufig und machen sie ungeschickt und manchmal aus unausgeglichen.

Vielen „Hauspferden“ fehlt diese körperliche und geistige Abwechslung. Sie sind unausgeglichen, weil sie zu wenig Anforderungen an ihre „Propriorezeption“, aber auch an ihren Kopf haben. Dies kann sich auch in einer „chronischen schlechten Laune“, Verspannungen, aber auch beispielsweise in Aggressivität innerhalb der Pferdeherde widerspiegeln. Verschiedenste Bodenarbeitsübungen können hier Abhilfe schaffen!

 

Bodenarbeit Zirkuslektion spanischer Schritt

Bodenarbeit hat viele Gesichter wie zirzensische Gymnastik, gymnastizierendes Kappzaumtraining, Seitengangarbeit, Verladetraining, Freiarbeit oder auch Antischrecktraining.

7. Bodenarbeit kann Übertraining vermeiden helfen

Gerade junge Pferde oder Pferde, die noch im Konditions- und Muskelaufbau sind, können auch mal schnell körperlich überfordert werden, wenn sie jeden Tag geritten werden. Dadurch, dass die Gewichtsbelastung des Reiters in der Bodenarbeit wegfällt und die Pferde sich „freier“ bewegen können, ist die Gefahr von Übertraining deutlich geringer. Auch das Stressniveau ist bei vielen Pferden in der Bodenarbeit deutlich geringer als im (anfänglichen) Reittraining.

Bei Jungpferden handhabe ich es am Anfang so, dass ich sie meistens nur jeden zweiten Tag reite. Und natürlich wie immer sowieso vom Boden aus aufwärme und nur 10 bis 15 Minuten im Sattel verbringe. So lernt das junge Pferd, dass es nicht überfordert wird und die Muskulatur kann sich vom neuen Trainingsreiz ausreichend erholen. Bis zu 48 Stunden kann es nämlich dauern, bis ein Trainingsreiz verarbeitet ist und die Muskulatur somit wieder „trainierbar“ ist. Beachten wir das bei neuen oder auch schweren Maximalkraftübungen nicht, können Pferde leicht ins „Übertraining“ geraten. Das Ergebnis ist ein im wahrsten Sinne des Wortes „sauer trainiertes Pferd“ – und das sowohl auf muskulärer als auch auf mentaler Ebene!

 

Bodenarbeit ist Gymnastizierung

Bodenarbeit ist die wohl schonendste Form der Gymnastizierung und eignet sich deshalb wirklich für ALLE – auch steife, sehr schiefe oder ältere – Pferde.

8. Bodenarbeit ist ideal für steife, schiefe, alte, wenig trainierte oder junge Pferde

Unter Punkt 2 habe ich schon erklärt, dass alle Pferde von Natur aus schief sind. Alle Menschen sind es aber auch! Und das Schlimme ist: Die meisten Menschen verstärken durch ihre eigene „Händigkeit“ die Schiefe des Pferdes! Die Kombination links hohles Pferd und rechtshändiger Reiter potenziert ihre natürliche Schiefe gegenseitig. Und das ist nicht gut. Deshalb sollte die Schiefe und die damit verbundene Steifigkeit von Pferden, egal ob junges oder älteres Pferd oder „Reha-Exemplar“ meiner Meinung nach immer vom Boden aus bearbeitet werden.

Für das Pferd ist es erst mal einfacher, seine eigene Schiefe „unter Kontrolle zu bekommen“, wenn nicht gleich auch noch der Reiter die Schiefe des Vierbeiners verstärkt! Abgesehen davon sitzt nicht jeder Reiter immer zu 100 Prozent in perfekter Balance, Symmetrie und Losgelassenheit im Sattel. Am Boden können wir es den Pferden daher leichter machen, sich gerade(r) zu richten, die Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder aufzuwärmen und so gut gelöst und motiviert ins weitere Training zu schreiten.

 

Bodenarbeit fördert die Motivation des Pferdes

Bodenarbeit fördert die Motivation des Pferdes und die Beziehung zum Menschen häufig enrom!

9. Bodenarbeit fördert die Motivation

Viele Pferde LIEBEN Bodenarbeitstraining. Zumindest fast alle. Ich denke, es liegt einerseits daran, dass wir ihnen am Boden oft besonders viel Abwechslung bieten. Andererseits finden sie es wohl auch schön, den Menschen zu sehen und besser lesen zu können. Ich glaube aber, sie empfinden es wohl auch irgendwie als „fair“, wenn sich auch der Mensch mal etwas bewegt. Meine Isistute Fjola findet es zumindest immer sehr amüsant, wenn ich mit ihr am Boden arbeite, speziell wenn es in die höheren Gangarten geht! Manchmal schnaufe ich dabei wie eine kleine Dampflok und stelle fest, dass ich mehr joggen gehen müsste. Besonders auffällig wird es, wenn ich länger das Training am langen Zügel nicht gemacht hab. Upsi… Aber der gute Nebeneffekt vom Training am Boden ist: Wir trainieren auch unseren Kreislauf und unsere Lungen und haben ein motiviertes (oder ggf. sogar amüsiertes) Pferd neben uns!

 

Ausrüstungsgewöhnung des jungen Pferdes in der Bodenarbeit

Die schonende Gewöhnung an die Ausrüstung beginnt in meinem Jungpferde-Ausbildungskonzept immer am Boden.

10. Bodenarbeit ist ideal für Ausrüstungsgewöhnung

Wir können dem jungen Pferd nicht nur optimal unsere Hilfen und Signale vom Boden aus verständlich machen, sondern es auch möglichst ungefährlich an neue Ausrüstungsgegenstände oder das Reitergewicht gewöhnen. Am Boden können wir das Pferd leichter beruhigen, wenn es sich ggf. anfangs etwas unwohl mit dem Sattel fühlt. Die meisten Pferde fühlen sich sicherer, wenn ihre Hauptbezugsperson bei ihnen am Boden ist. Deshalb ist es beim Anreiten von Jungpferden oft ratsam, nicht selbst die ersten Ritte zu absolvieren. Sondern einen erfahrenen anderen Reiter zu bitten, als „Dummiereiter“ zu fungieren. Wenn das Auf- und Absitzen entspannt klappt, nehme ich das „Bodenarbeitsprogramm“ auf und versuche dem jungen Pferd so viel Sicherheit und Entspannung wie möglich zu geben trotz des ungewohnten Gewichts auf seinem Rücken. Je besser das Pferd am Boden vorbereitet ist, desto unkomplizierter und erfolgreicher wird meiner Erfahrung nach der gesamte weitere Verlauf der (Reitpferde-)Ausbildung von sich gehen.

 

Ich hoffe, ich konnte Dir einen kleinen Einblick in die tolle Welt des Bodenarbeitstrainings mit Pferden geben! Wenn Du jetzt Lust darauf bekommen hast, mit den ersten Übungen und sinnvoller Gymnastik am Boden mit Deinem Pferd zu starten, melde Dich gleich hier für meine kostenlose Bodenarbeitsvideo-Serie an!

Wenn Du gleich loslegen möchtest mit ganzheitlicher Bodenarbeit und mit Deinem Pferd effektiv & gesundheitsfördernd trainieren möchtest, dann geht es HIER direkt zu meinem tollen Bodenarbeits-Onlineseminar 😊❤️

Ich bin mir sicher, Du und Dein Pferd werden viel Freude gemeinsam am Boden haben!

 

Herzliche Grüsse,

Deine Sandra, Rufino & Fjola ♥️

 

Immer wieder stelle ich im Reitsport fest, dass eine Tugend häufig fehlt: Flexibilität! So oft sehe ich Reiter, die eisern eine Lektion „durchdrücken“ wollen. Auf biegen und brechen den (gefühlt) 100. Galoppwechsel verlangen, weil er noch etwas höher gesprungen sein könnte, oder das tausendste Mal ein Kaltblut angaloppieren lassen, das eh schon gar nicht mehr kann, bis das Ergebnis völlige Dienstverweigerung des Vierbeiners ist.

Sehr Schade! Denn mit dieser Herangehensweise lernt ein Pferd ständig überfordert zu werden und versteht, dass ihm als „Exit-Strategie“ aus der Misere nur Ungehorsam bleibt. Und dieser Ungehorsam ist im Endeffekt einer völligen Überforderung geschuldet und hat meist auch noch den tollen Nebeneffekt von Muskelkater oder Muskelschmerzen… Beides Dinge, die sich nicht gerade positiv auf die langfristige Motivation auswirken.

Wie macht man es aber richtig? Was bedeutet denn „Flexibilität“ im Reitsport?

Allein über diese (etwas philosophische) Frage könnte ich ein Buch füllen, aber ich versuche, mich kurz zu halten: Flexibilität im Pferdesport bedeutet für mich, PRO Pferd zu entscheiden, und das mit einer ordentlichen Portion Gefühl, Verständnis von Trainingslehre (Didaktik), Biomechanik und Pferdepsychologie-Hintergrund. Und das jeden Tag und im Endeffekt jeden Moment!

Flexibilität bedeutet beispielsweise, wenn man merkt, dass das Pferd müde ist, vom Fellwechsel oder aufgrund der starken Temperaturschwankungen, die wir momentan haben, dann ggf. das geplante Reitprogramm ausfallen zu lassen und stattdessen einfach ein bisschen Bodenarbeit, Wellness oder einen schönen Spaziergang in die Natur zu machen.

Fellwechsel beim Pferd

Der Fellwechsel und die starken Temperaturschwankungen machen vielen Pferden aktuell zu schaffen…

Es bedeutet aber auch, das körperliche Befinden wahrzunehmen. Wenn ein Pferd beispielsweise an einem Tag von sich aus mehr Spannung hat, dann bringt es nichts, noch an z.B. fliegendem Galoppwechsel oder neuen Lektionen zu arbeiten, die das Pferd „aufregen“ könnten. Da ist eine kurze, lockere Vorwärts-Abwärtseinheit deutlich sinnvoller, auch wenn man sich ursprünglich etwas anderes vorgenommen hatte…

In anderen Worten, sollte man sich immer folgende Fragen stellen, wenn man mit seinem Pferd arbeitet:

1. KANN mein Pferd diese Lektion in diesem Moment körperlich überhaupt leisten (oder habe ich es ggf. – zumindest im Moment – überfordert)?

Ein Beispiel: Als ich meinem Lusitano das Kompliment beigebracht habe, war es für ihn eine geistig wie körperlich schwere Übung. Er musste sich sehr konzentrieren, seine Beine und (Gleich-)Gewicht richtig zu sortieren, um sich zu verbeugen. Kräftemäßig war seine Hinterhand sehr gefordert, was einer „Maximalkraftübung“ – wie schwere Hanteln im Fitness-Studio stemmen – gleich kommt.

Eines Tages bin ich mit ihm sehr harmonisch geritten und habe gedacht, „jetzt ist er gut aufgewärmt, jetzt mach ich nach dem Reiten noch ein kleines Kompliment“. Gesagt, getan. Ich stieg ab und gab ihm das Signal fürs Verbeugen. Rufino aber zierte sich… Ich habe mit etwas mehr Nachdruck  die Übung „verlangt“. Das Ergebnis war, dass er sich praktisch hinfallen lies. Warum? Weil er MÜDE war. Aber ich habe es damals NICHT verstanden, dass diese Übung noch so schwer für ihn ist, dass er sie nach dem Reiten eigentlich nicht wirklich ausführen kann… Ich habe mich bei ihm sofort entschuldigt und mich eine Woche geschämt.

Ich hätte wissen müssen, als er zögerte, dass er müde ist. Er versucht immer, mir zu gefallen… Aber da war wohl mein Ego grösser als mein Verstand 🙁 Du siehst, auch Profis machen Fehler (diesen Fehler hab ich jedoch seitdem glaub ich nie wieder bei KEINEM Pferd gemacht. Ich analysiere seitdem viel, viel genauer ALLE Zeichen für etwaige Müdigkeit oder Überforderung, aber gut… ist trotzdem passiert.).

 

2. VERSTEHT das Pferd die Übung überhaupt?

Auch das kann ein Problem sein, warum etwas nicht klappt. Das Pferd versteht die Übung schlichtweg nicht. Wenn ein Pferd eine Übung NICHT versteht, dann müssen wir es ihm entweder anders erklären oder aber ggf. in Teilschritte zerlegen.

Ein Beispiel: Wenn ein Pferd das Stellen im Stand schlecht ausführt, wird es beim Stellen in der Bewegung mit Garantie Probleme haben. Wenn ein Pferd beim Kompliment eine schlechte Balance hat, dann sollten wir es ggf. vorher besser aufstellen (das heißt, die Vorderbeine von den Hinterbeinen weiter entfernen und die Hinterbeine breit auseinanderstellen), sodass die Balance besser ist. Auch die Halsdehn-Vorübungen können die Flexibilität VOR dem Kompliment enorm verbessern.

Generell gilt: Wenn ein Pferd eine Übung nicht versteht, dann ist es UNSER Fehler. Schließlich sind WIR der Trainer und haben es unserem vierbeinigen Schüler schlecht erklärt…

 

3. Bist DU das Problem?

Tja, ich sage oft im Unterricht: „Das Problem sitzt oben drauf“. Und auch ich kann ein Problem für meine Pferde sein… Wenn ich unkonzentriert bin, wenn ich müde bin, wenn ich zu lange am Bürotisch gesessen habe und steif aufs Pferd klettere (was ich eigentlich jedoch nur noch sehr, sehr, sehr selten tue).

Deshalb, bevor man sich über sein „unfähiges“ Pferd ärgert, oder es gar ungerecht straft, sollte man immer überlegen: „Bin ICH in meiner Mitte? Bin ich optimal flexibel und losgelassen? Helfe ich meinem Pferd, oder bin ich eher Ballast? Und ist der „Fehler“ meines Pferdes eher das Resultat meiner eigenen Fehler als das Verschulden meines Pferdes“? Hier geht’s übrigens zu meinem sehr beliebten Blogbeitrag: „7 Tipps für bessere Hilfengebung„.

Ich weiß, es ist immer leichter, dem Pferd die „Schuld“ zu geben. Aber ein guter Reiter und Pferdetrainer wird immer erst mal an sich selbst zweifeln, bevor an seinem vierbeinigen Schüler zweifelt. Wie ich zu meinen zweibeinigen Schülern immer zu sagen pflege: „Unsere Pferde haben die Reitlehre und Biomechanikbücher nicht gelesen. Es liegt an uns, aus ihnen gesunde, motivierte, vierbeinige Reit- oder Fahrpferde zu machen. Wenn etwas nicht klappt, dann haben wir unseren Schülern etwas schlecht vermittelt.“ Nicht mehr, und nicht weniger.

Sandra Fencl Kompliment PferdUnd vielleicht, wenn Du das nächste Mal auf Deinem Pferd sitzt, und kurz davor bist „mechanisch zu reiten“ oder sogar die Nerven zu verlieren, dann erinnerst Du Dich vielleicht an die Geschichte von Rufino und mir, und steigst als Konsequenz ab, bevor es „unschön“ wird… Dann habe ich mit meinem Blogbeitrag viel erreicht und Rufino mit seiner Dozententätigkeit Gutes bewirkt.

Ich danke Dir für das Lesen dieser Zeilen und wünsche Dir und Deinem Pferd viel Freude und Flexibilität beim Training 🙂
Deine Sandra, Rufino und Fjola

PS: Rufino hat übrigens keinen „Schaden“ genommen wegen meines einmaligen Faux Pas mit dem Kompliment… Er beherrscht es mittlerweile auch frei in Perfektion 🙂

PPS: Wenn Du mehr zum Thema faires und biomechanisch wertvolles Pferdetraining erfahren möchtest, dann könnten folgende Termine für Dich interessant sein:

+ Abendseminar zur Gymnastizierung und Schiefe des Pferdes in Tuntenhausen (Bayern) am Freitag, 07. April 2017

+ Gymnastisches Allover-Bodenarbeitsseminar in Tuntenhausen (Bayern) am 08. und 09. April 2017 (bei Interesse bitte einfach eine Email an info@sandrafencl.com senden)

+ Gymnastisches Allover-Bodenarbeitsseminar mit Schwerpunkt Zirzensik am 21. und 22. Mai 2017 in Hveragerdi, Island

+ Gymnastisches Bodenarbeitsseminar mit Schwerpunkt Zirzensik am 15. Juni 2017 in 85386 Günzenhausen/Eching

+ Gymnastisches Bodenarbeitsseminar mit Schwerpunkt Zirzensik am 15. August  2017 in 85386 Günzenhausen/Eching

+ Gymnastisches Overall-Bodenarbeitsseminar am 26. und 27. Oktober 2017 in Kleinstelzendorf, Niederösterreich

+ Meine sehr beliebte, zweiteilige LIVE-Webinarreihe zur ganzheitlichen Korrektur der Schiefe des Pferdes (mit Videoaufzeichnung, und somit orts- und zeitunabhängig). Alle Infos hier: https://www.edudip.com/w/238762

Hier geht’s zum Erklärungsvideo:

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Im Moment habe ich gerade 2 Trainingspferde bei mir vor Ort. Gestern früh hab ich mit ihnen einen gemeinsamen Morgen-Aufwachspaziergang unternommen (bin nicht so der Morgenmensch und find es total schön, in der Natur und frischen Luft richtig wach zu werden). JEDES Trainingspferd, das ich bekomme, egal wie alt dieses ist, wird grundsätzlich erst einmal vom Boden aus gearbeitet. Und das in verschiedensten Varianten von „klassischer Bodenarbeit“, über Freiarbeit, Freispringen bis hin zu Spaziergängen etc. Vielleicht mag sich der eine oder andere jetzt denken: Warum macht man das? Oder: Ist das nicht verlorene (Beritt-)Zeit??? Da muss ich ganz klar drauf antworten:

NEIN, ist es nicht!!!! Denn Bodenarbeit hat viele Vorteile:

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Man lernt das Pferd in seinen Reaktionen, Verhaltenstyp und biomechanischen Problemen kennen und kann diese auch SEHEN (das „Verbesserungspotenzial“ von Pferden werden IMMER im Ansatz vom Boden aus bereits gezeigt…)

– Aber auch das Pferd lernt den Trainer kennen und man kann eine solide Vertrauens- und Respektbasis schaffen.

– Wunderbar erklärt Zirzensik-Meisterin Eva Wiemers in ihrem KOSTENLOSEN Online-Kurs (demnächst auf www.pferdeinsider.com), dass das „gemeinsame Wandern“ der kleinen Pferd-Mensch-Herde ein ganz wichtiger Bestandteil jedes Trainings sein sollte. Denn es schafft ein „echtes“ WIR-Gefühl, klärt die Rangordnung und Herdenstruktur, wärmt Muskeln, Sehnen und Gelenke auf und bringt Mensch und Pferd mental „auf den Boden“ und bereitet so extrem effizientes Lernen vor.

– Am Boden kann ich außerdem das Pferd hervorragend gymnastizieren und für das Reiten vorbereiten. Denn ohne Gewicht im Rücken lösen sich viele Pferde viel leichter als gleich kalt mit einem mehr oder weniger balancierten Reiter „aufgewärmt“ zu werden. Außerdem: Das, was vom Boden aus nicht klappt, klappt beim Reiten meist auch nicht!!!

– Darüberhinaus ist es eine großartige Abwechslung fürs Pferd (und auch für den Menschen) und kann die Kreativität, das Selbstbewusstsein und das Lernverhalten des Pferdes MASSIV verbessern…

– Jedoch der vielleicht wichtigste Punkt ist, dass gemeinsame Bodenarbeit auf wunderbare Weise die innere und damit äussere Losgelassenheit fördert. Erst wenn ein Pferd sich wohl und sicher fühlt, wird es sich völlig entspannen – und dies gilt in der Herde, auf der Wiese, und eben im Pferdetraining.

Dieses Sicherheitsgefühl kann man manchen Pferden leichter vom Boden aus vermitteln, weil sie beim Reiten ggf. per se eh schon Stress haben oder die veränderte Balance ihnen Stress macht (das Ausbalancieren des Reitergewichts sollte nicht unterschätzt werden). Hat jedoch eine wirkliche innere (mentale) und äußere (körperliche) Losgelassenheit gefunden, ist es ideal vorbereitet auf das Reiten. FEHLT jedoch diese Losgelassenheit vom Boden aus, ist sie mit SICHERHEIT schwerer im Sattel zu erarbeiten, als wenn vorab vom Boden aus an der Losgelassenheit gearbeitet wurde. Klingt logisch? Ist auch so :))

Wer mehr zu diesem Thema erfahren und erlernen will, ist übrigens bei meinen Gymnastischen Bodengesundheitskursen genau richtig 🙂 Du findest die Termine unter Seminare und kannst Dich sehr gern gleich rechts zum kostenlosen Newsletter Gesundes Pferd anmelden, dann erhälst Du diese immer „frei Haus“ 🙂

In diesem Sinne – einen entspannten Abend Euch und Euren Tieren!

Eure Sandra

PS: Wenn Ihr die Notiz interessant findet, SEHR gern auch teilen! Es gibt leider immer noch viel zu viele Leute, die Bodenarbeit aus falschem Verständnis als unnötig betrachten…

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